Medienrecht

Julian Draxler darf „Käpt´n Knutsch“ sein – Kuss-Fotos aber verboten

Ibiza ist ohne Frage besonders im Juli und August der Hotspot für Stars und Sternchen. Diese tummeln sich dann zuhauf auf ihren Yachten und in den Restaurants und Clubs der Insel. So auch DFB-Nationalspieler und Star bei Paris St. Germain Julian Draxler. Der knutschte auf Ibiza eine unbekannte Schöne. Die Bild berichtete darüber und nannte Draxler „Käptn Knutsch“. Auch veröffentlichte die Bild ein Foto seiner eigentlichen Freundin. Daraufhin klagte Draxler gegen die Berichterstattung. Ob die Berichterstattung in der Form rechtlich ok war, musste nun das OLG Köln entscheiden.

DFB-Nationalspieler Julian Draxler, Von Дмитрий Садовников – https://www.soccer.ru/galery/1054013/photo/730793, CC BY-SA 3.0

Ibiza ist ohne Frage besonders im Juli und August der Hotspot für Stars und Sternchen. Diese tummeln sich dann zuhauf auf ihren Yachten und in den Restaurants und Clubs der Insel. So auch DFB-Nationalspieler und Star bei Paris St. Germain Julian Draxler. Der knutschte zudem noch auf der Partyinsel fremd. Entsprechende Fotos und eine BILD-Berichterstattung waren ihm damit in der Folge sicher. gegen diese ging er gerichtlich vor.

Und das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschied, dass die Online-Ausgabe der BILD über den Urlaubsflirt des DFB-Nationalspielers Julian Draxler berichten darf. Bilder von einer Knutscherei des DFB-Kickers, die ihn beim Küssen einer schönen Unbekannten zeigten, die nicht seine Freundin ist, dürften hingegen nicht veröffentlicht werden. Dies greife in die Privatsphäre des Mannes ein. Auch Fotos, welche dessen langjährige Freundin beim Stadionbesuch zeigten, dürften nicht im Kontext der Berichterstattung über das Fremdgehen veröffentlicht werden (Urt. v. 22.11.2018, Az. 15 U 96/18).

Fremd-Knutsch-Bilder Julian Draxlers dürfen nicht gezeigt werden

Die Onlineausgabe der BILD hatte über einen Kurzurlaub des Spielers auf einer Yacht zusammen mit einer „unbekannten Schönen“ berichtet. Dabei hatte BILD-Online Draxler u.a. als „Käpt’n Knutsch“ bezeichnet und Fotos veröffentlicht, auf denen sich die Frau und er küssen. Außerdem veröffentlichte BILD-Online Fotos des Spielers und seiner langjährigen Freundin im Zusammenhang mit einem Fußball-Länderspiel („Sie verzeiht ihm“). DFB-Kicker Draxler und seine Freundin verklagten die BILD auf Unterlassung. Während das Landgericht Köln der Klage vollständig stattgegeben hatte, unterschied der 15. Zivilsenat zwischen den Bildern und dem Text.

Die Bilder dürfen nicht veröffentlicht werden. Der Senat hat sorgfältig abgewogen, ob die BILD im konkreten Fall eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ernsthaft und sachbezogen erörtert hat, um damit den Informationsanspruch des Publikums zu erfüllen und zur Bildung der öffentlichen Meinung beizutragen oder ob sie lediglich die Neugier der Leser nach privaten Angelegenheiten prominenter Personen befriedigt hat. Nicht alles, wofür sich Menschen aus Langeweile, Neugier und Sensationslust interessieren, rechtfertigt dessen visuelle Darstellung in der breiten Medienöffentlichkeit.

Für eine Zulässigkeit der Veröffentlichung habe u.a. gesprochen, dass die Urlaubsgestaltung von in der Öffentlichkeit stehenden Personen durchaus einen Informationswert habe. Es sei von öffentlichem Interesse, wie sich Fußballnationalspieler auf anstehende Länderspiele vorbereiten und ob dabei eher die sportliche Vorbereitung oder aber der Freizeitcharakter die Oberhand gewinne. Dies gelte jedenfalls dann, wenn die Vorbereitung darin bestehe, für zwei Tage wegzufliegen und dabei Zeit auf einer Yacht zu verbringen. Darüber hinaus sei zu berücksichtigen, dass Draxler zuvor sein Privatleben und auch seine Urlaubsgestaltung in den sozialen Netzwerken dargestellt und an einer Homestory mitgewirkt habe.

Im Ergebnis sei die Veröffentlichung aber nicht zulässig. Die Bilder seien der räumlichen Privatsphäre zuzuordnen. Die Aufnahmen seien vom Strand aus einer Entfernung von jedenfalls 50 Metern mit einem leistungsstarken Teleobjektiv gemacht worden. Der Spieler habe sich während der Aufnahmen erkennbar in einem Moment der Entspannung befunden. Das Argument der Zeitung, wonach die Yacht vor einem bekannten Prominenten-Hot-Spot geankert habe, an dem ein „Schaulaufen“ insbesondere von Fußballspielern stattfinde, welche die Bucht als „nassen roten Teppich“ nutzten, ließ der Senat nicht gelten. Es gebe keine ausreichenden Anhaltspunkte, dass Draxler und die weiteren auf der Yacht befindlichen Personen sich der Bucht in der Absicht genähert hätten, von am Strand anwesenden Pressefotografen fotografiert zu werden.

Auch Fotos der langjährigen Freundin dürfen nicht gezeigt werden

Auch die langjährige Freundin brauchte nicht hinzunehmen, dass Bilder von ihr aus einem Fußballstadion ohne ihre Einwilligung abgedruckt wurden. Zwar sei davon auszugehen, dass die Aufnahmen auf der Tribüne für Spielerangehörige bzw. auf dem Rasen mit ihrer konkludenten Einwilligung gemacht worden seien. Jedoch rechtfertige eine solche konkludent bei einem bestimmten Anlass erteilte Einwilligung nicht jede künftige Veröffentlichung eines Bildes. Insbesondere sei nicht davon auszugehen, dass sich die Einwilligung auf eine Berichterstattung über einen Urlaubsflirt des Spielers erstreckt habe.

Die Wortberichterstattung ist dagegen zulässig. Bei dem Bericht über einen Kurzurlaub Draxlers mit der unbekannten Schönen habe es sich um wahre Tatsachen gehandelt. Die Berichte seien weder herabsetzend noch ehrverletzend gewesen. Das Interesse der Öffentlichkeit an der Art und Weise der Vorbereitung eines Fußballnationalspielers auf ein Länderspiel rechtfertige die Veröffentlichung. Die als Meinungsäußerung anzusehende Bezeichnung „Käpt’n Knutsch“ sei weder beleidigend noch schmähend, sondern ein – pointiert zugespitztes – Wortspiel.

Das OLG Köln hat die Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) nicht zugelassen, da die maßgeblichen Rechtsfragen seinerzeit bereits vom BGH entschieden wurden (vgl. u.a. BGH, Urteil vom 29.05.2018 – Az. VI ZR 56/17).

tsp


Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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