Medienrecht

Jugendgefährdende E-Books dürfen nur nachts verkauft werden

E-Books mit jugendgefährdendem Inhalt dürfen nur nachts zwischen 22 und 6 Uhr morgens verkauft werden. Erwachsene können also ihre E-Books nur nachts einkaufen. Nach einer Klage muss sich jetzt der gesamte online Buchhandel an diese Regelung halten.

Jugendgefährdende E-Books dürfen nur nachts verkauft werden©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

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E-Books sind Telemedien und fallen somit unter den Jugendmedienschutzstaatsvertrag. Praktikabel ist das kaum für die Online-Händler. Der Börsenverein des Buchhandels weist nun nochmal alle online Buchhändler explizit an, sich an die geltende Rechtslage zu halten.

„Schlauchgelüste“ versetzt Jugendschutzbehörden in Alarmbereitschaft

Geklagt hatte die Jugendschutzbehörde gegen den Händler der das E-Book mit dem Titel „Schlauchgelüste“ in seinem Online-Buchhandel frei zugänglich anbot. Bei dem E-Book „Schlauchgelüste“ handelt es sich um einen autobiographischen Roman zum Thema Transgender. Für Jugendliche und Kinder ist dieser Roman nicht geeignet und alarmierte deshalb die Jugendschutzbehörde.

Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang denkt zusammen mit den Jugendschutzbehörden über Wege nach, praktikablere Lösungen für die Online-Händler zu finden. Problematisch an der geltenden Rechtslage ist, dass Onlineshops bis dato jedes Buch inhaltlich selbst prüfen müssen. Dies erfordert Zeit und einen großen Arbeitsaufwand.

Minderjährigen Schutz im Internet beim Kauf von Büchern – praktische Lösungen

Lösung verspricht ein eingefügtes Pflichtfeld im neuen Verzeichnis lieferbarer Bücher. In diesem werden jugendgefährdende Inhalte gekennzeichnet. Sofern ein neues Buch an den Online-Händler geliefert wird, befindet sich ein eingefügtes Pflichtfeld im Verzeichnis  lieferbarer Bücher, aus dem sofort ersichtlich ist, dass das E-Book jugendgefährdenden Inhalt hat.

Eine zusätzliche Lösung wäre, die Angebote der Online-Händler umzustrukturieren. Jugendgefährdende Bücher würden so nur in einer bestimmten Rubrik auftauchen. Dies kann mit Hilfe einer Jugendschutzsoftware ausgeblendet werden.

Ob diese Lösungsvorschläge sich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Hier ist auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang und den Jugendschutzbehörden zu hoffen. Online-Händler müssen bis dahin hoffen, dass volljährige Online-Käufer auch bereit sind, nachts ihre Bücher im Internet zu kaufen.(LAR)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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