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Herbert Grönemeyer-Prozess :

BGH bestätigt Bewährungsstrafen gegen Paparazzi

Zwei Paparazzi hatten Strafanzeige gegen Herbert Grönemeyer erstattet, da er sie sowohl verbal als auch körperlich attackiert haben soll. Am Ende wurden die Männer selbst zu Bewährungsstrafen verurteilt – weil sie gelogen hatten. Das Urteil des LG Köln überstieg dabei sogar noch die Forderung der Staatsanwaltschaft. Der BGH hat es nun bestätigt.

Von Superbass – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Das Landgericht (LG) Köln hatte am 7. März 2019 zwei Paparazzi, die Herbert Grönemeyer in eine Falle gelockt und provoziert hatten, zu Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr wegen uneidlicher Falschaussage (§ 153 Strafgesetzbuch, StGB) und falscher Verdächtigung (§ 164 StGB) verurteilt. Zudem wurden die Fotografen zu jeweils 90 Tagessätze zu 75 bzw. 10 Euro Geldstrafe verurteilt. 

Diese Verurteilungen hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit Beschluss vom 22.10.2019 bestätigt (Az. 2 StR 292/19) und die Revisionen der Angeklagten verworfen. Die Verurteilungen sind damit rechtskräftig.

Fotografen provozierten Grönemeyer und beschuldigten ihn

Im Dezember 2015 hatten die Paparazzi Grönemeyer am Flughafen Köln/Bonn aufgelauert, ihm nachgestellt und ihn mit seiner zu dem Zeitpunkt noch neuen Freundin fotografiert. Das gefiel Grönemeyer offensichtlich garnicht. Auf den Videos der Promijäger war er zu sehen, wie er auf einen der Paparazzi zuläuft und ruft: „Fuck off! Fuck off! (Hau ab!) Ich bin privat hier, du Affe!“ Anschließend läuft Grönemeyer auf den anderen Fotografen zu und packt ihn im Nacken, so jedenfalls wirkt es. Der Fotograf geht zu Boden, Grönemeyer ruft „Geh nach Hause!“.

Die Fotos und Videos von dem Vorfall wurden anschließend an diverse Boulevard-Zeitungen verkauft und tausendfach geklickt. Der Sänger wurde anschließend von diversen Klatschzeitschriften als prügelnder Choleriker dargestellt.

Die Promifotografen erstatteten Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Grönemeyer. Darin behaupteten sie sogar, der Sänger habe sie u.a. mit einer Tasche geschlagen, gewürgt, auf den Boden gedrückt und einen der beiden u.a. am Auge verletzt. Auch in einem diesbezüglichen Zivilverfahren stellten sie dies als Zeugen so dar. Als „Beweis“ dienten ihre Aufnahmen und Dokumentationen ihrer Verletzungen.

Vor Gericht wendete sich das Blatt – gegen die Paparazzi

Doch vor Gericht verstrickten sie sich in Widersprüche. Als Grönemeyer vor dem Gericht aussagte, berichtete er hingegen von regelrechten Jagdszenen, die ihn noch Monate danach beschäftigt hätten. Mehrere Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass die von Grönemeyer ausgeführten Schläge kaum zu den von den Fotografen behaupteten Verletzungen geführt haben können. Im Übrigen konnten die Angeklagten auch nicht beantworten, warum sie über eineinhalb Stunden vom Flughafen zum Krankenhaus gebraucht haben, was die Vermutung nahe legt, sie hätten sich die Verletzungen in der Zwischenzeit selbst zugefügt. Als der Künstler dann – wie man es auf den Aufnahmen sieht – nach einem Fotografen schlug, habe er also in Notwehr gehandelt. Das Verfahren gegen Grönemeyer wurde wegen mangelnden Tatverdachts eingestellt.

Die Paparazzi hingegen wurden – nun bestätigt vom BGH – verurteilt, weil sie den den Sänger im Straf- und Zivilverfahren absichtlich zu Unrecht beschuldigt hatten. Tatsächlich hätten sie es darauf angelegt, Grönemeyer zu provozieren und seine wütende Reaktion zu filmen und mit den besonders dramatischen Bildern Geld verdienen zu können, so die Richter.

ahe