Jugendmedienschutz

Gericht: Super-Nanny-Folge verstößt gegen Menschenwürde

Die RTL-Sendung „Die Super-Nanny“, die bis 2011 produziert wurde, stand oft in der öffentlichen Kritik. Jetzt hat das Verwaltungsgerichts Hannover den Verstoß gegen die Menschenwürde in einer Folge der Sendung bestätigt.

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hatte bei der Folge der Super-Nanny vom 14.09.2011 um 20:15 Uhr, eine Verletzung der Menschenwürde festgestellt.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Voyeuristisch und reißerisch

In der beanstandeten Folge wurde gezeigt, wie eine alleinerziehende Mutter ihre sieben, vier und drei Jahre alten Kinder physisch und psychisch misshandelte, indem sie sie vor laufender Kamera wiederholt anschrie und schlug..

Ein Teil der Szenen wurde sowohl im Teaser zur Sendung als auch während der Sendung wiederholt. Nach Ansicht der KJM sei diese Art der Darstellung voyeuristisch und reißerisch und somit nicht durch das Berichterstattungsprivileg gedeckt. Die zur Schau gestellten Kinder seien in einer für sie leidvollen Situation in unzulässiger Weise kommerzialisiert worden, so die Meldung der KJm weiter.

Beanstandung gegen RTL ausgesprochen

Nachdem die KJM die Verletzung der Menschenwürde in der Folge festgestellt hatte, sprach die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) – die RTL die Zulassung erteilt hat – eine Beanstandung aus. RTL hatte gegen die Beanstandung geklagt.

Klage von RTL abgewiesen

Die 7. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover hat nun die Klage von RTL gegen den Beanstandungsbescheid der NLM abgewiesen. Zudem habe die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) bei Menschenwürdeverletzungen keinen Beurteilungsspielraum, so das Gericht nach Angaben einer Meldung des KJM.

Der KJM-Vorsitzende, Siegfried Schneider, sagte zu dem Urteil: „Das Gericht hat damit die Spruchpraxis der KJM für ihre weitere Arbeit bestätigt und gleichzeitig ein starkes Zeichen für den Schutz der Menschenwürde im Fernsehen gesetzt.“

Das VG Hannover hat die Berufung zum OVG Lüneburg zugelassen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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