Medienrecht

Filmverbände kritisieren vereinbarte Eckpunkte von Produzentenallianz und ARD

Zahlreiche Filmverbände haben in einem Schreiben an deutsche Medienpolitiker die kürzlich von ARD und der Produzentenallianz vereinbarten „Eckpunkte“ für dokumentarische Auftragsproduktionen kritisiert.

Produzentenallianz vertritt nur kleinen Teil der Dokumentarfilmschaffenden

Die Produzentenallianz könne nicht für die gesamte Dokumentarfilmbranche verbindliche Vereinbarungen, da sie nur einen kleinen Teil der betroffenen Filmschaffenden vertrete, so die Kritik der Verbände. Gerade auf die Situation der unabhängigen Produzenten hätten die Vereinbarungen keine längerfristigen, positiven Auswirkungen. Zudem seien die Zugeständnisse der ARD in punkto fairer Aufteilung von Verwertungsrechten nur marginal gewesen – eine ähnlich Vereinbarung mit der ARD habe die AG Dok vor gut zwei Jahren wegen „fehlender substanzieller Fortschritte für die Branche“ abgelehnt, so die Meldung der AG Dok. Unterzeichnet haben den offenen Brief die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm e.V. – AG DOK, der film & fernseh produzentenverband nrw e.v., das Filmbüro NW e.V., der Mitteldeutsche Film- und Fernsehproduzentenverband e.V., der Verband Deutscher Filmproduzenten e.V. – VDFP sowie der Verband der Fernseh Film-, Multimedia- und Videowirtschaft e.V. – VFFmedia.

© Maria.P.-Fotolia

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Viele Grundaussagen nicht akzeptabel

Die Verbände kritisieren, dass die Grundaussagen der Eckpunkte in mehrfacher Hinsicht falsch und nicht akzeptabel seien. So heißt es in dem Schreiben:

„Die unterzeichnenden Verbände sprechen daher der Produzentenallianz noch einmal in aller Deutlichkeit das Recht ab, mit den Fernsehsendern verbindliche Vereinbarungen im Namen der deutschen Dokumentarfilm-Wirtschaft zu treffen, und sehen diese Auffassung durch ein im März veröffentlichtes, letztinstanzliches Urteil des Oberlandesgerichts Dresden bestätigt.

Zudem würde mit den Eckpunkten eine strukturelle Ungleichbehandlung gegenüber Produktionen im fiktionalen Bereich festgeschrieben, die vereinbarte Erlösbeteiligung und der Zahlungsplan seien hinter dem Vertragsstandard von fiktionalen Auftragsproduktionen, so der offene Brief weiter.

Verzicht auf Bezahlung des Rechercheaufwands schädlich

Vor allem der Verzicht auf die dokumentarfilmspezifische Forderung nach Bezahlung des umfangreichen Entwicklungs- und Rechercheaufwands durch die Auftraggeber sei besonders schädlich. Vielmehr teile die Produzentenallianz nun anscheinend die Auffassung der Sender, nach der „die Recherche für Dokumentationen grundsätzlich zum unternehmerischen Risiko der Produzenten“ zähle, so die Kritik der Verbände weiter.

Zudem sind die Verbände der Ansicht, dass aufgrund der starken Präsenz von Tochter- und Beteiligungsunternehmen der öffentlich-rechtlichen Sender in der Produzentenallianz von vornherein keine „konsequente Verhandlungsstrategie im Sinne der unabhängigen Filmschaffenden und Produktionsfirmen“ möglich sei.

Erst wenn ARD und ZDF mit unabhängigen Produzenten eine Einigung erzielen, die von einem nennenswerten Teil der deutschen Dokumentarfilm-Wirtschaft getragen wird, könne man von fairen Verträgen sprechen, so der offene Brief der Verbände weiter.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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