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FIFA 19: Lootbox-Streit um FIFA-Points – EA stellt Verkauf in Belgien ein

EA wollte auf die Lootboxen in seinen FIFA-Spielen nicht verzichten und nahm sogar eine Gerichtsverhandlung in Belgien in Kauf, wo Lootboxen verboten sind. Jetzt das Lootbox-Desaster für EA. EA verbannt nun doch die Premium-Währung FIFA-Points aus FIFA 19 und gibt im Streit mit den Behörden nach. Doch was heißt das für Deutschland? Wie werden hierzulande Lootboxen rechtlich eingeordnet? 

In Belgien sind Lootboxen seit April 2018 offiziell verboten, genauso wie in den Niederlanden. Lootboxen (Beutekisten) werden in Belgien als Glücksspiel eingestuft und unterliegen dem dortigen Glücksspielrecht. Und danach ist es verboten, ohne entsprechende Lizenz diese Art von Glücksspiel zu anzubieten. Und die Verbote werden auch durchgesetzt. Spielehersteller haben schon reagiert, andere wie etwa EA in Belgien wehren sich noch. Gegen das Unternehmen Electronic Arts (EA) wurden sogar bereits strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Nun wird EA den Verkauf von „FIFA Points“, mit denen Pakete in FIFA 19 Ultimate Team gekauft werden können, in Belgien komplett einstellen, wie aktuell bekannt gegeben wurde. Ab dem morgigen 31. Januar 2019 wird der Verkauf von FIFA Points in komplett eingestellt.

Beim FIFA Ultimate Team handelt es sich um den beliebtesten FIFA-Spielmodus. Er wird von Millionen von Spielern weltweit gespielt. Spieler können ihr FIFA-Traumteam komplett nach den eigenen Wünschen zusammenstellen und mit diesem Team in diversen Einzelspieler- und Online-Modi antreten.

Durch die FIFA-Points können sich Spieler Packs kaufen und darin seltene Spieler für den Ultimate-Modus ziehen. Welche Spielerkarten man jedoch erhält, wird per Lootbox zufällig ausgewählt. Oft erhalten Spieler schlechtere Spieler, als gewünscht.

Was sind Loot-Boxen?

Christian Solmecke: „Lootboxen sind in das Spiel integrierte Zusatzkaufoptionen für die Spieler. Gezahlt wird per erspielter oder zumeist mit in Echtgeld gekaufter In-Game-Währung. Ursprünglich waren Lootboxen hauptsächlich aus dem Bereich der Free2Play-Titel bekannt. Publisher versuchen auf diese Weise, kostenfreie Spiele durch reizvolle, jedoch kostenpflichtige In-Game-Käufe zu refinanzieren. Mittlerweile betrifft dies jedoch zudem auch klassische Vollpreisspiele. Spieler kaufen die Spiele für rund 60 Euro und können dann darüber hinaus optional, zumeist reizvolle und teils gar unverzichtbare Zusatzkäufe über integrierte Lootboxen erwerben. Und: Wer eine Lootbox kauft, weiß vorher nicht, was er erhält. Umschreiben lässt sich eine Lootbox daher am ehesten als Blindkauf von vorher nicht feststehenden digitalen Items (Gütern). Spieler kaufen eine Box und hoffen auf den erwünschten, tollen Inhalt. Dieser muss aber nicht enthalten sein. Erhält man nicht den gewünschten Inhalt, kaufen viele direkt weiter. Nach dem Kauf können Spieler dann u.a. Zusatz-Waffen, Waffen-Upgrades, weitere Charaktere und Fähigkeiten, zusätzliche In-Game-Währung, oder auch kosmetische Änderungen erhalten.“

Wie ist die rechtliche Situation in Deutschland? Sind Loot-Boxen Glücksspiel?

Christian Solmecke: „Nun, der Jurist sagt an dieser Stelle: „Es kommt darauf an.“ Denn es gibt verschiedene Arten von Lootboxen. Rechtlich umstritten sind die Arten, bei denen man direkt oder indirekt mit Echtgeld Lootboxen kauft, deren Inhalte und Nutzen für das Spiel aber vor dem Kauf noch unbekannt sind. Die Frage, ob das so legal ist, haben in Deutschland weder der Gesetzgeber noch die Rechtsprechung bislang beantwortet. Auch unter Juristen ist sie sehr umstritten. In Belgien hingegen sagt nun die Glücksspielbehörde, dass die Lootboxen aus Star Wars Battlefront 2 durchaus als Glücksspiel zu bewerten sind. Eine europarechtliche Regelung gibt es noch nicht, aber genau das will Belgien wohl erreichen.

In Deutschland sehen u.a. die Jugendschutzbehörden Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) und Pan European Game Information (PEGI) Lootboxen bisher nicht als Glücksspiel an. Einige Juristen hingegen sind hier gegenteiliger Ansicht. Und auch die USK weist darauf hin, dass sie diese Frage nicht einfach und abschließend beantworten kann. Ich würde mich allerdings der Einordnung eher der USK anschließen und Lootboxen nach der derzeit geltenden Rechtslage nicht als Glücksspiel einstufen.

Warum ist es denn nun so kompliziert und nicht eindeutig zu beantworten? Die Definitionen von Glücksspiel scheinen auf den ersten Blick recht klar. Sie finden sich in § 3 Glücksspiel-Staatsvertrag und in § 284 Strafgesetzbuch. Beide lauten zwar anders, bedeuten aber wohl beide dasselbe. Es wird verlangt, dass im Rahmen eines (auf Erzielung eines geldwerten Gewinns gerichteten) Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein (nicht unerhebliches/r) Entgelt/Einsatz verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall (und nicht von der Fähigkeit des Spielers) abhängt.

Wenn man nun tatsächlich einen nicht unerheblichen Einsatz verlangt, so stellt sich schon die Frage, wo hier die Grenze liegt. Manche sagen, bei 50 Cent, andere ziehen sie erst bei zehn Euro. Da aber auch die Möglichkeit besteht, mehrere Lootboxen hintereinander zu kaufen, ist es in jedem Fall möglich, einen nicht unerheblichen Einsatz zu tätigen und viel Geld loszuwerden.

Das größte Problem, an dem sich die meisten Geister scheiden, ist: Ein Glücksspiel muss auch die Möglichkeit bieten, einen nicht nur unbedeutenden Gewinn zu erzielen. Das ist etwa nicht der Fall, wenn man an Buden auf dem Jahrmarkt Lose kauft oder wenn man Überraschungsei-Figuren sammelt. Hier geht es wegen der geringen Gewinne nur um Unterhaltung und noch nicht um Glücksspiel. Bei Lootboxen liegt das Problem aber in der virtuellen Währung: Denn um zu bestimmen, welchen objektiven Wert der Lootbox-Gewinn hat, sagen die meisten Juristen, es müsse möglich sein, die Items tatsächlich in Geld umzutauschen. Doch anders als bei Jetons in Casinos sehen die Spielehersteller so etwas nicht vor. Die Tatsache, dass es (z.T. illegale) Drittanbieter gibt, auf deren Websites die Items für echtes Geld gehandelt werden, darf nicht dem Spielehersteller zur Last gelegt werden. Schließlich verbieten die meisten von ihnen einen solchen Handel sogar in ihren AGB. Aus diesem Grund würde ich nach derzeit geltendem Recht sagen, dass hier kein Glücksspiel vorliegt.

Aber die Gerichte könnten das natürlich anders sehen. Auch die Entscheidung Belgiens könnte dazu führen, dass der (europäische) Gesetzgeber die Glücksspiel-Definition entsprechend anpasst. Sinnvoll wäre es, da letztlich die Gefahren des Glücksspiels, nämlich süchtig zu werden und eine Menge Geld zu verlieren, bei Games mit Lootboxen ja auch gegeben sind.

tsp


Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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