Medienrecht

Erneute Ausstrahlung einer Sendung der TV – Serie „Frauentausch“ wegen Persönlichkeitsverletzung verboten

Die Klägerin spielte bei der TV – Serie „Frauentausch“ von RTL mit. In dieser Serie geht es jeweils um zwei Familien, deren Frauen für zehn Tage den Haushalt tauschen und bei der jeweils anderen Familie leben. Da die Frauen oftmals aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen, werden dadurch Konflikte geschürt. Das Landgericht Berlin entschied mit Urteil vom 26.07.2012 (Az. 27 O 14/12), dass die beklagte Produktionsfirma es zu unterlassen hat, diese bereits ausgestrahlte Folge der Serie zu verbreiten.

Die Klägerin ist Mutter von fünf Kindern, darunter einem mit geistiger Behinderung. Sie hatte mit ihrer Familie an dem TV – Format mitgewirkt und fühlte sich durch die Art der Darstellung in ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, speziell in ihrer Menschenwürde verletzt.

Das Gericht gab der Klägerin recht. Sie hat zwar an die Produktionsfirma eine Einwilligungserklärung abgegeben, bei Filmaufnahmen für die Sendung „Frauentausch“ mitzuwirken, in dem Vertrag ist jedoch von „TV – Dokumentations – Serie“ die Rede, die vorrangig einen Dokumentationscharakter aufweisen sollten. Die tatsächlich ausgestrahlte Folge ging jedoch weit darüber hinaus. Das Verhalten der Klägerin wurde nämlich nicht nur dokumentiert, sondern durch Einspielung  graphischer Elemente (bspw. Engelszenen), Musik  und die Stimme des Erzählers kommentiert.

Diese Kommentare beschränken sich nicht auf die Bewertung der dokumentierten Erlebnisse, sondern dienen nach Auffassung der Richter vor allem dazu, die Klägerin als Person lächerlich zu machen. Die Sendung stelle sie nämlich als überforderte und geistig verwirrte Person, bei ihren Kindern unbeliebte Mutter dar. Gegen Ende der Folge sagte ein Kind über die Mutter während einer Interviewszene: „Tschüss! Komm nicht wieder, bleib, wo Du bist.“ Die Schwächen der Mutter bilden den Schwerpunkt der gesamten Folge. Die Tauschmutter werde im Gegensatz dazu als praktisch veranlagte, durchsetzungsfähige, sympathische und ordentliche Tauschmutter den Zuschauern vorgestellt.  Der Klägerin wird u. a. beim Schminken eine Krone aufgesetzt. Wer zu Filmaufnahmen für eine TV – Serie mit Dokumentationscharakter einwilligt, müsse nach Ansicht des Gerichts, mit derartigen nachträglich erfolgenden Bearbeitungen nicht rechnen.

Eine Geldentschädigung wurde der klagenden Mutter jedoch im Gegensatz zur Unterlassung abermaliger Verbreitung nicht zugesprochen. Vorliegend handelt es sich nämlich nicht um eine schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung oder Verletzung der Menschenwürde.

Was eine verzehrte Darstellung einer Familie alles auslösen kann, zeigt das Vorbringen der Klägerin, dass nach Ausstrahlung der Folge ihre Kinder massiv geärgert wurden, bis hin zu Beschimpfungen der Familie vor ihrer Wohnung durch eine Gruppe Jugendlicher. Unter anderem fühlte sich die Mutter deshalb dazu genötigt umzuziehen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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