Internetrecht

Der Fall „Little Miss & Mister“ – Vorsicht bei Kinderfotos auf Facebook

Fotos nackter Kleinkinder, die auf der Facebook-Seite „Little Miss & Mister“ veröffentlicht wurden, sorgten vergangene Woche für große Unruhe unter betroffenen Eltern. Der Zwecke des Ganzen: eine Warnung, keine solchen Bilder öffentlich in dem sozialen Netzwerk zu teilen. Denn die Kinder haben Persönlichkeitsrechte, welche die Eltern respektieren müssen.

Eine Facebookseite beunruhigte vergangene Woche Eltern, die Fotos ihrer Kinder öffentlich auf das eigene Facebook-Profil gepostet hatten. Die Seite „Little Miss & Mister“ hatte seit Ende Dezember 2016 zahlreiche Fotos von Kindern aus diesen öffentlichen Profilen gesammelt. Zu sehen waren teils nackte Babys und Kleinkinder in der Badewanne, in Unterwäsche oder in Badebekleidung am Strand. Das Profilbild der Seite zeigte ein Kind, das sich mit einem Lippenstift schminkt. Inzwischen ist die Seite nicht mehr aufrufbar, vermutlich wurde sie vom Administrator gelöscht.

Laut eigenen auf der Seite gemachten Angaben war es Ziel der Aktion, die Eltern auf die Gefahren von öffentlich geposteten Kinderfotos aufmerksam zu machen und sie dazu bewegen, keine Bilder ihrer Kinder mehr zu veröffentlichen. So konnte man dort auch Tipps lesen, wie man die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook richtig vornimmt und wie der Originaleintrag der Fotos gelöscht werden kann. Zudem verwiesen die Betreiber der Seite auf eine Mitteilung der Polizei Hagen, die ebenfalls davor warnte, Fotos von Kindern in sozialen Netzwerken zu posten.

Wer und was genau hinter der Seite steckte, blieb bis zuletzt unklar. Manche Facebook-Nutzer sahen die Aktion sehr skeptisch und befürchteten sogar, sie könne auch Pädophile anlocken.

Öffentliches Profil führt zu Kontrollverlust über Bilder

Selfie mit Baby

© georgerudy – Fotolia.com

Das faktische und rechtliche Problem, das durch die Seite deutlich wurde: Einträge und Fotos, die auf Facebook öffentlich sichtbar sind, können problemlos immer weiter geteilt werden, ohne dass es den Betroffenen bewusst wird. Denn beim Posten von Fotos bei Facebook tritt man die Bildrechte an Mark Zuckerbergs Firma ab.

Facebook äußert sich nicht zum konkreten Fall. Das Unternehmen verwies stattdessen auf die eigenen Privatsphäre-Einstellungen, mit denen man festlegen können, wer die Bilder zu sehen bekommt. Fotos, die nicht öffentlich sichtbar sein sollen, können durch eine Umstellung auf Sichtbarkeit nur für Freunde besser kontrolliert werden.

Eltern aufgepasst! Kinder haben ein Recht am eigenen Bild

Immer mehr Eltern nutzen Facebook und Co. um Bilder ihrer Sprösslinge mit der ganzen Welt zu teilen. Die wenigsten haben ihre Kinder um Erlaubnis gefragt. Gerade Eltern sollten besonders sorgfältig auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte ihrer minderjährigen Kinder achten. Denn diese haben auch ein Recht am eigenen Bild, das respektiert werden muss. Unter Umständen können die Kinder ihre Eltern sogar verklagen.

Worauf müssen Eltern beim Veröffentlichen von Bildern ihrer Kinder achten und welche Konsequenzen drohen bei einer rechtswidrigen Veröffentlichung?

Eltern entscheiden für ihre kleinen Kinder

Das Gesetz sieht vor, dass Fotos grundsätzlich nur dann verbreitet und öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen, wenn der Abgebildete vorher eingewilligt hat. „Bei Kleinkindern, die nicht in der Lage sind selbst einzuwilligen, weil sie noch keine Einsichtsfähigkeit besitzen, ist eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten nötig“, erklärt Christian Solmecke, Partner der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke. „Eine Einsichtsfähigkeit wird etwa ab dem 14. Lebensjahr angenommen. Ab diesem Alter müssen die Eltern ihre Kinder vorher um Erlaubnis bitten, bevor sie einfach Bilder von Ihnen veröffentlichen“. Kinder unter 14 sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern keine Fotos von Ihnen posten, die später nachteilig für sie sein könnten. Das Posten von Nackt- oder Töpfchenbildern, die dann Grundlage für Mobbing in der Schule sein können, ist für Eltern also tabu.

„Spätestens ab dem 14. Lebensjahr können Kinder für bereits veröffentlichte Bilder einen Unterlassungsanspruch gegen die Eltern gerichtlich durchsetzen“, warnt Solmecke. „Das Veröffentlichen der Bilder ohne ihre Einwilligung ist eine klare Persönlichkeitsrechtsverletzung. Unter Umständen kann das Kind aufgrund dieser Verletzung zusätzlich zum Unterlassungsanspruch eine Geldentschädigung verlangen“. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn besonders intime oder bloßstellende Bilder veröffentlicht wurden.

In Österreich vergangenes Jahr ein Fall medial bekannt, in dem eine 18-Jährige gegen ihre Eltern vorging. Diese hatten unter anderem Nacktfotos von ihr als Kind mit ihren 700 Facebook-Freunden geteilt. Insgesamt 500 Fotos dieser Art wurden im Laufe der Zeit veröffentlicht.

Veröffentlichung von Fotos kann fatale Folgen für Kinder haben

„Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie ihrem Kind durch die unüberlegte Veröffentlichung eines Fotos auf Facebook & Co. schnell einen Nachteil zufügen“, findet der Medienanwalt. „Dies gilt gerade dann, wenn das Profil für eine große Anzahl von Facebook Freunden oder sogar für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Pädophile könnten beispielsweise neugierig werden und sich das Foto auf ihren Rechner herunterladen“. Das kann eventuell auch ein Risiko darstellen, wenn das Facebook Profil unter dem richtigen Namen genutzt wird.

Aus diesem Grund warnt auch bereits die Polizei die Eltern vor solch einem leichtsinnigen Verhalten. Darüber hinaus können bestimmte Fotos bei schulpflichtigen Kindern schnell zur Grundlage für Cybermobbing werden.

Streit um die Kinderfotos gibt es allerdings häufig auch zwischen getrennt lebenden Elternteilen. Hier sollte geklärt werden, wem die Erziehungsberechtigung übertragen worden ist. Sind Eltern gemeinsam erziehungsberechtigt, müssen Sie auch gemeinsam über die Veröffentlichung von Kinderfotos entscheiden.

Eltern sollten ohne Einwilligung ihrer Kinder keine Fotos von ihnen im Internet veröffentlichen – insbesondere dann nicht, wenn es sich um Nacktfotos oder Bilder handelt, die den Kindern später peinlich sein könnten.

ahe/jeb

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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