Medienrecht

Ein rechtlicher Blick auf den Motor des Web TV – Die Multichannel Networks (MCN)

Das Web TV erobert den Markt. Die schnelle Verbreitung der Videos und deren dauerhafte Abrufbarkeit bieten einen klaren Vorteil gegenüber dem klassischen Fernsehen. Das haben auch bereits die großen Sender bemerkt und investieren zunehmend in führende „Multichannel Networks“ (MCN). Wer die Jugendlichen von heute erreichen will, muss sich dem digitalen Wandel anpassen und kommt nicht darum herum seine Inhalte auf der beliebten Plattform Youtube anzubieten. Allein in Deutschland verzeichnet die Plattform monatlich 38 Millionen Nutzer.

Ein MCN besteht aus mehreren gebündelten Youtube Kanälen. Die Netzwerkbetreiber kümmern sich um die professionelle Vermarktung der Kanäle und versprechen eine große Reichweite. Die Inhalte kommen von einzelnen Künstlern oder werden koproduziert. Youtube unterstützt die Vermarktung dieser Kanäle und bietet den Netzwerken Sonderverträge an. Damit avancieren die MCN zu neuen wichtigen „Fernsehsendern“.

Youtube lockt seine Zuschauer vor allem auch mit Nischenprogrammen. Das was das klassiche TV nicht leisten kann, weil es auf hohe Zuschauerquoten angewiesen ist, findet nun bei Youtube statt. Ein weiterer Vorteil: Der Zuschauer kann die Inhalte ganz leicht mit seinem Handy oder Tablett abrufen. Kostenlos und zu jeder Zeit.

Wann sich der Beitritt zu einem Netzwerk lohnt

Youtube Netzwerke bieten diverse Vorteile, sowohl für die Youtuber selbst, als auch für Werbetreibende und Produzenten. Junge Künstler profitieren von der hohen Vermarktung, einer umfangreichen Pressearbeit und einer aktiven Hilfe bei der Produktion. Netzwerke helfen mit der Zurverfügungstellung von lizensierten Musik- und Bildwerken. Manchmal läuft sogar die komplette Produktion der Videos über das Netzwerk. Auf diese Weise kann sich der Youtuber darauf verlassen, dass seine Videos rechtssicher sind. Die Netzwerke stellen sicher, dass die notwendigen Lizenzen vorliegen. Ohnehin haben die Netzwerke den Vorteil, dass ihre Inhalte bei Urheberrechtsstreitigkeiten nicht automatisch von der Plattform entfernt werden. Das Netzwerk hat die Möglichkeit darauf zu reagieren und eine Sperrung der Inhalte zu verhindern. Werbeträger profitieren ihrerseits davon, dass sie ihre Werbung ganz gezielt platzieren können und somit besser die gewünschte Zielgruppe erreichen, als im klassischen TV.

Der Erfolg der Netzwerke hat jedoch auch Schattenseiten. Einige junge Künstler, die gerade die künstlerische Freiheit bei Youtube schätzen, geben diese oft unwissentlich nach ihrem Beitritt zu einem Netzwerk auf. Erst kürzlich hat ein erfolgreicher Youtube Star medienwirksam verkündet, dass er sich von seinem Netzwerk trennt. Sein Hauptvorwurf richtete sich auf die mangelnde Betreuung und Förderung durch das Netzwerk. In der Tat können viele Verträge als Knebelverträge bezeichnet werden. Die Formulierungen mit denen die Vermarktung des Kanals beschrieben und garantiert werden, sind oft schwammig. Im Folgenden werden die wichtigsten Kriterien erläutert und erklärt, worauf junge Youtuber achten sollen, bevor sie einen Vertrag mit einem MCN unterschreiben.

Der MCN Vertrag

Bei den Verträgen zwischen YouTubern und den Netzwerken handelt es sich in der Regel um Dienstverträge. Ein konkretes Ergebnis wird in den meisten Fällen nicht bestimmt. Die Netzwerke verpflichten sich lediglich einen bestimmten Youtube Kanal marketingstrategisch voranzutreiben. Dafür verdienen die Netzwerke kräftig an der Vermarktung der Reichweite mit. Erlöse aus der Werbung gehen zu 45 Prozent an Youtube. Die restlichen 55 Prozent werden zwischen dem Netzwerk und dem MCN aufgeteilt, wobei das Netzwerk meist 30 Prozent bekommt. Lukrativer ist das Product Placement, denn hier werden die Erlöse ausschließlich zwischen dem Netzwerk und dem Youtuber aufgeteilt.

In den Verträgen findet sich meist die Klausel, dass sich die Youtuber dazu verpflichten ihren Kanal zur Auswertung und Vermarktung eines Netzwerks exklusiv zur Verfügung zu stellen. Der Youtuber ist somit in den allermeisten Fällen nicht befugt weitere Verträge über seine Kanäle und Videos abzuschließen. Besonders wichtig ist es in diesem Fall, dass sich die Youtuber vertraglich zusichern lassen, dass bestimmte Videos freigegeben werden können. Auch sollten YouTuber darauf achten, dass Ihnen vollständige kreative Freiheit bei der Gestaltung ihrer Videos gelassen wird. Wenn für bestimmte Situationen diese Freiheit eingeschränkt werden soll, muss auf eine ganz konkrete Nennung des Falles geachtet werden.

Die Bestimmtheit aller vertraglichen Regelungen ist bei diesen Verträgen enorm wichtig. Hier liegt meist der Knackpunkt. Die häufig jungen Youtuber unterschreiben nicht selten sehr schwammige Verträge und können die Reichweite der gemachten Zugeständnisse oft nicht einschätzen. Youtuber sollten immer auf individuelle, eindeutige Formulierungen achten. Darüber hinaus ist die Einräumung eines Zustimmungserfordernisses seitens des YouTubers wichtig. Wenn das Netzwerk sich Rechte vorbehält wie die Vornahme von „jeglichen Änderungen und Bearbeitungen, um Content ganz oder in Teilen in die Plattform (zu) integrieren“, oder „die eingeräumten Befugnisse weiter(zu)übertragen, Dritten ein(zu)räumen oder die Nutzung (zu) gestatten“, sollte dies nicht ohne Zustimmung des YouTubers möglich sein. Schließlich wäre die Formulierung einer Leistungspflicht sinnvoll, die besagt, dass das Netzwerk dafür Sorge zu tragen hat, dass die Kanäle und Videos den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Youtuber sollten auf eine anteilige Haftung des Netzwerks bei Verletzungen der Rechte Dritter bestehen.

Ein weiteres Problem bilden auch die häufig zu langen Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen. Youtuber sollten eine Kündigungsfrist von über 3 Monaten nicht akzeptieren. Die Vereinbarung einer unbestimmten Laufzeit, die erstmals nach einem Jahr gekündigt werden kann, ist zulässig, aber nicht zu empfehlen. Youtuber sollten eher eine kürzere feste Laufzeit vereinbaren.

Zusammenfassend sollten Youtuber darauf achten, dass sie nicht zu allgemeine und umfassende Rechte übertragen. Leistungen und Gegenleistung sollten transparent und eindeutig definiert werden. Je genauer und individueller die Regelung, desto besser. Sehr wichtig ist es darauf zu achten nicht zu viel von seiner kreativen Freiheit abzugeben. Sinnvoll ist es auch in Bezug auf die Laufzeit und die Kündigungsfristen keine zu großen Kompromisse zu machen.

Fazit: Youtube Netzwerke haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie das Potenzial haben dem klassischen TV Konkurrenz zu machen, beziehungsweise ein wichtiges zweites Standbein für bereits etablierte TV Sender darstellen. Youtube bietet eine Chance neue Talente und Formate zu produzieren und zu entwickeln und ein Publikum zu erreichen, das sich dem klassischen TV immer mehr abwendet. (JE/B)

 

 

 

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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