Medienrecht

Diskussion um Mindestlohn: Ver.di kritisiert Produzentenallianz

Die Produzentenallianz hat mit ihrer Forderung, für Praktikanten in der Filmwirtschaft eine Ausnahme vom Mindestlohn vorzusehen, kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Nun hat sich der Dienstleister ver.di zu Wort gemeldet. 

Ab 2015 soll deutschlandweit ein Mindestlohn von 8,50 Euro gelten. Die Produzentenallianz hatte nun allerdings angeregt, bei Praktikanten im Bereich Film eine Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn zu machen. Ver.di hingegen lehnt Ausnahmen vom Mindestlohn ab, dieser müsse auch für Praktikanten gelten, so die Meldung von ver.di.

Keine Schlupflöcher für andauerndes Lohndumping

Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke sagte dazu: „Ein allgemeiner, branchenübergreifender Mindestlohn muss genau das sein und bleiben und auf alle Beschäftigungsverhältnisse gleichermaßen angewandt werden. Ansonsten werden schon im Gesetz Schlupflöcher für andauerndes Lohndumping geschaffen.“

© Maria.P.-Fotolia

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Weiter ergänzte Werneke: „Obwohl Praktikantinnen und Praktikanten beim Film über viele Monate und mit hohem Engagement Leistung erbringen, will die Produzentenallianz die Betroffenen ohne auch nur halbwegs angemessene Bezahlung abspeisen. Aus Sicht der Filmwirtschaft ist das ein attraktives Geschäftsmodell – für die Betroffenen jedoch ein unerträgliches Ausmaß an fehlender Wertschätzung für ihre Arbeit. Und es ist zu befürchten, dass dann in den Produktionsfirmen und am Film-Set noch mehr Praktikantinnen und Praktikanten eingesetzt werden.“

Keine nachvollziehbaren wirtschaftliche Argumente

Es gebe keine nachvollziehbaren wirtschaftlichen Argumente für weitere Ausnahmen beim Mindestlohn. Rund 400 Millionen Euro würden jährlich in die Subvention von Kinofilmen fließen, Fernsehfilme würden überwiegend aus Rundfunkgebühren finanziert, so die Argumentation Wernekes. Eine „weitere systematische prekäre Beschäftigung von Praktikanten“ sei „erst recht nicht hinnehmbar“, so Werneke laut der Meldung von ver.di.

Argumentation Produzentenallianz

Die Produzentenallianz sieht allerdings in der Einführung eines pauschalen Mindestlohns für Lernende in der Produktionswirtschaft eine nachhaltige Schädigung der Filmwirtschaft. Praktika würden mangels definierter Ausbildungsberufe in vielen Bereichen vielfach den Einstieg in die Filmwirtschaft bieten und reguläre Ausbildungsgänge ersetzen, so die Meldung der Produzentenallianz.

Mindestlohn verbaut Einstieg für junge Leute

Ein Mindestlohn für Praktikanten würde jungen Menschen diesen Einstieg massenhaft verbauen und Brücken in den Beruf vernichten, was letztlich zu weniger Beschäftigung führen würde, so die Argumentation der Produzentenallianz. Zudem habe man sich für eine Begrenzung der Praktikazeit ausgesprochen: So sollen Mitarbeiter nach einer maximal einjährigen Praktikumsphase für den Gesamtzeitraum in eine Bezahlung nach dem Mindestlohn eintreten, so die Meldung der Produzentenallianz weiter.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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