Medienrecht

Der Wurst-König: Eine Teenieband muss tief in die Tasche greifen

Die Teenieband Erdbeereis aus Bochum hat nach eigenen Angaben Post von der Bochumer Metzgerei Kette Wurst-König bekommen. Eine Unterlassungserklärung ergänzt mit einer für Schüler sehr ernsten Forderung über 1.100 Euro Anwaltskosten.

 

Die Band hatte mit dem Titel „Wurstkönig“ die gleichnamige Bochumer Metzgerei in die Mangel genommen und das Unternehmen vor allen Dingen namentlich benannt. Dies stieß naturgemäß auf eine ablehnende Reaktion, gar Empörung. Laut Geschäftsführerin Iris Rach sei der Inhalt „in jeder Weise ruf- und geschäftsschädigend“. Dabei richtete sich der Song nach Angaben der Band global an die Fleischindustrie, während der Name „Wurst-König“ lediglich als Synonym verwendet wurde – so erklärten dies die jungen Musiker auch in einem fünfminütigen Blog bei YouTube.

 

Geschäftsführerin Rach bemängelt insbesondere die Tatsache, dass nicht nur der Name des Unternehmens genannt, sondern dass im Musikvideo auch Bilder der Wurst-König-Filialen gezeigt wurden. Selbst die Unkenntlichmachung der Mitarbeiter mithilfe schwarzer Balken sei kaum ausreichend für eine Anonymisierung.

 

Direkten Kontakt konnte Iris Rach nach eigenen Angaben nicht herstellen, da weder bei YouTube noch bei MySpace ein direkter Ansprechpartner genannt wird. Tatsächlich muss man selbst auf der jeweiligen Plattform registriert sein, um in Kontakt mit dem jeweiligen Profilbetreiber zu treten. Inwiefern stattdessen das Kontaktieren des eigenen Anwalts an dieser Stelle angemessen ist, bleibt fraglich.

 

Durch die YouTube-Veröffentlichung von „Wurst-König“ soll der Metzgerei ein Schaden von € 35.000 entstanden sein. Auch das bleibt für die Jugendlichen schwer nachvollziehbar, denn sie hatten nach eigenen Angaben lediglich 800-900 Klicks.

 

Auch wenn die Situation noch nicht vollständig geklärt ist wurden sämtliche verfügbaren Teile des Wurst-König-Musikvideos aus dem Internet entfernt. Die Band teilte mit, sie wollte weder das Image der Metzgerei schädigen noch deren Kunden vertreiben, sondern lediglich Musik machen. Der Schock über die für Schüler sehr hohe Rechnung über € 1.100,00 an Anwaltshonorar sitze tief und man wolle das Lied nun zensieren, um es auch künftig darbieten zu können. „Wer unsere Konzerte besucht hat, weiß: Das war eines unserer besten Lieder.“ Unterdessen kündigte Geschäftsführerin Rach an, von weiteren rechtlichen Schritten gegen die Teenager abzusehen und gebe sich mit dem Entfernen des Materials aus dem Internet zufrieden.

 

Quellen:

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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