Medienrecht

BR-Intendant kritisiert Söders Soap-Auftritt

Der Auftritt des bayerischen Finanzministers Markus Söder in der BR-Soap „Dahoam is Dahoam“ hat für Kritik gesorgt. Jetzt hat sich auch der BR-Intendant zu Wort gemeldet. 

Der Rundfunkstaatsvertrag verlangt Staatsferne von öffentlich-rechtlichen Sendern. Doch was passiert, wenn ein Politiker plötzlich in einer fiktionalen Serie mitspielt? Der bayerische Finanzminister Markus Söder ist in der BR-Soap „Dahoam is Dahoam“ aufgetreten und hat dort u. a. gesagt, dass Bayern beim Internet-Ausbau in ländlichen Gebieten „Vorbild in ganz Deutschland“ sei und man ein Programm für mehr Kinderbetreuung aufgelegt habe.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Text ohne Einfluss von außen entstanden

In einem Statement des Senders betonte der BR, dass der Dialog von Minister Söder von einem sechsköpfigen Autorenteam geschrieben worden sei. Der Text sei ohne jeglichen Einfluss von außen entstanden und von der zuständigen Serienredakteurin abgenommen worden.

Die Serie greife als Spiegelbild des täglichen Lebens immer wieder aktuelle Themen auf, auch zukünftig seien für „Dahoam is Dahoam“ Episoden mit Bezug zu politischen und gesellschaftlichen Themen geplant. Kurze Gastauftritte von Politikern anderer Parteien seien bereits in Entwicklung, so die erste Stellungnahme des BR weiter.

„Politiker-Placement“

Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Landtags-Grünen, kritisierte die Art und Weise, wie Söder am Dienstagabend in die Serie eingebunden wurde. Die Figur der „Vroni“ sei lediglich Stichwortgeberin für den Minister gewesen, der breit für die Programme der CSU-Staatsregierung habe werben dürfen. „Das ist dreistestes Politiker-Placement! Die Aufzählung der vermeintlichen Glanzleistungen der CSU-Staatsregierung hat in dieser Serie nichts verloren – und steht auch in keinerlei Zusammenhang mit Inhalt und Handlung“, so Hartmann.

BR-Intendant: Auftritt „problematisch“

Auch BR-Intendant Ulrich Wilhelm äußerte sich auch kritisch. Die direkte Verknüpfung des Auftritts mit politischen Inhalten sei „problematisch“, so Wilhelm. Im „B5-Medienmagazin“ sagte er, dass zwar immer wieder Politiker in Sendungen und Serien ohne politische Inhalte zu Gast gewesen seien – wie zum Beispiel der damalige OB Christian Ude in „München7“ oder Gerhard Schröder in „Wetten, dass …“ – es sei allerdings problematisch, dass Markus Söders Gastauftritt in „Dahoam is Dahoam“ mit politischen Inhalten verbunden gewesen sei. Man wolle sich demnächst intern mit diesem Thema befassen, so der BR-Intendant.

Die Folge mit Söder wurde nach Kritik aus der BR-Mediathek genommen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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