Medienrecht

BGH: Tochter von Caroline Prinzessin von Hannover darf fotographiert werden

Mit Urteil vom 28. Mai 2013 (Az. VI ZR 125/12) entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im Falle von Caroline Prinzessin von Hannover, dass die Presse im Rahmen zeitgeschichtlicher Ereignisse auch mit Fotos über die Kinder von Prominenten berichten darf.

Tochter von Caroline Prinzessin von Hannover beim Eiskunstlaufen fotografiert

Caroline Prinzessin von Hannover klagte gegen die Veröffentlichung von Bildern ihrer Tochter Alexandra. Die Freizeit Revue hatte ihre 11-jährige Tochter bei einem Eiskunstlauf-Wettbewerb im französischen Toulon im Februar 2011 fotografiert und darüber Bericht erstattet. Insgesamt drei Fotos nebst Bilduntertext wurden von der Zeitschrift veröffentlicht. Geschrieben wurde überwiegend über den Ablauf des Wettbewerbs. Dabei wurde der Auftritt von Prinzessin Alexandra detailliert beschrieben und auch erwähnt, wer sie zu dem Turnier begleitet hat. In diesem Zusammenhang wurde die Vermutung angestellt, dass es sich bei der männlichen Begleitung ihrer Mutter um den neuen Partner handelt.

Bild vom Sportwettbewerb verletzt nicht das Persönlichkeitsrecht des Kindes

Der BGH stufte den Eiskunstlauf-Wettbewerb als zeitgeschichtliches Ereignis ein, dessen Bildnisse grundsätzlich veröffentlicht werden dürfen. Eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts des Kindes, die der Veröffentlichung entgegenstehen könnte, verneinte der BGH in dem Fall. Grundsätzlich kommt insbesondere Kindern ein stärkerer Schutz zu. Ein Kind sollte sich auch im öffentlichen Raum frei und unbeobachtet entfalten können. Hier konnte der BGH allerdings keine Störung der kindgerechten Entwicklung der Prinzessin durch die Veröffentlichung der Bilder erkennen. Als Begründung führte das Gericht an, dass der Artikel über Einzelheiten eines Sportereignisses berichtet hat und in diesem Zusammenhang auch über den Auftritt der Prinzessin. Die Berichterstattung über Sportereignisse ist grundsätzlich erlaubt. Bei sportlichen Veranstaltungen ist auch immer mit Foto- und Videoaufnahmen zu rechnen, unabhängig davon ob es sich bei den Teilnehmern um Kinder oder um Erwachsene handelt. Eine ereignisbezogene Berichterstattung stört somit nicht die Interessen der Prinzessin, denn damit hat man als Teilnehmer zu rechnen. Zusätzliche Anmerkungen, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Sportereignis stehen, sind erlaubt, solange der Hauptteil des Artikels darin besteht über das Sportereignis zu berichten. Dies war hier der Fall. Somit steht dem Veröffentlichungsinteresse der Freizeit Revue keine Verletzung des Persönlichkeitsrechts des Kindes entgegen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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