Medienrecht

BayVGH: Reality-Show von MTV über Schönheitsoperationen ist jugendgefährdend

Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat sich mit der Frage beschäftigt, ob gegen die Sendung „MTV I want a famous face“ wegen jugendgefährdender Inhalte eine Sendezeitbeschränkung verhängt werden durfte.


Konkret ging es darum, dass die Bayerischen Landeszentrale für neue Medien bei zwei Folgen der Serie „MTV I want a famous face“ eine Sendezeitbeschränkung verhängt hatte. Demnach durften die Folgen nur in der Nachtzeit von 23.00 Uhr und 6 Uhr ausgestrahlt werden. Hiergegen ging MTV im Wege der Klage vor.

 

Der bayerische Verwaltungsgerichtshof entschied in zweiter Instanz mit Urteil vom 23.03.2011 (Az. 7 BV 09.2512, 7 BV 09.2513), dass die Verhängung der Sendezeitbeschränkung rechtmäßig ist. Nach den Feststellungen des Gerichtes handelt es sich um jugendgefährdende Inhalte.

Aufgrund der gezeigten Inhalte muss mit einer Entwicklungsbeeinträchtigung bei Kindern und Jugendlichen gerechnet werden, wenn sie sich diese Sendung ansehen. Denn hier geht es nicht um Schönheitsoperationen, die aus ästhetischen Gründen als medizinisch notwendig anzusehen sind. Vielmehr nehmen junge Erwachsene diese Prozedur auf sich, weil sie unbedingt ihrem jeweiligen Idol ähnlich werden wollen. Die Einschätzung der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM), wonach derartige TV-Sendungen mit Schönheitsoperationen zum Zwecke der Unterhaltung sich entwicklungsbeeinträchtigend bei Kindern und Jugendlichen auswirken, ist auch für das Gericht verbindlich.

Diese Ansicht ist auch überzeugend, weil Kinder und Jugendliche durch solche Sendungen in dem Glauben bestärkt werden, dass nur das makellose äußere Erscheinungsbild zählt. Dies kann zu einer erheblichen Verunsicherung der noch nicht ausgereiften Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen führen- die nicht verantwortet werden kann.

Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht hat die Revision zum Bundesverwaltungsgericht zugelassen.

Diese Entscheidung können Sie hier im Volltext abrufen.

 

Weitere Infos zu diesem Thema:

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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