Medienrecht

ARD/ZDF erhalten Zuschlag für WM 2018 – Private üben Kritik

Am 2. April 2012 endete die Bieterfrist für die Übertragungsrechte der Bundesliga-Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17, ungefähr Mitte April will die FIFA nun entscheiden, wer den Zuschlag bekommen wird. Bei der Vergabe der Übertragungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 hat die FIFA bereits eine Entscheidung getroffen und ARD und ZDF den Zuschlag erteilt.

Alle wichtigen Spiele der FIFA WM 2018 werden somit live im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein. SportA, die Sportrechte-Agentur von ARD und ZDF, und die FIFA haben sich darüber verständigt, so die Meldung der ARD.

„Wir freuen uns sehr über den Zuschlag der FIFA. Die WM ist und bleibt bei uns in guten Händen. Wir werden den Fans auch 2018 in bewährter Qualität das Top-Ereignis des Welt-Fußballs über das Fernsehen, Internet und Radio präsentieren“, so Ulrich Wilhelm, der ARD-seitig für Sportrechte federführende Intendant des Bayerischen Rundfunks.

Auch ZDF-Intendant Thomas Bellut zeigte sich zufrieden: „Ich bin froh, dass wir den Zuschauern nach dem nächsten Turnier in Brasilien 2014 auch die WM in Russland präsentieren können. Der Vertrag ist auch eine Bestätigung der Kompetenz und Leistungsstärke der Kolleginnen und Kollegen in den Sportredaktionen und Produktionsteams von ZDF und ARD.“

ARD und ZDF haben nun laut Vertrag das exklusive Recht zur Live- und zeitversetzten Verwertung aller 64 Spiele der FIFA Fußball-WM 2018. Zudem dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender kommerzielle Free- und Pay-TV Sender einbinden und einzelne Spiele sublizensieren, so die Meldung weiter. Über die Konditionen des Vertrags sei Stillschweigen vereinbart worden heißt es in der Meldung der ARD.

 VPRT: Öffentlich-rechtliches Fußballmonopol

Die Rechtevergabe an ARD und ZDF stieß aber auch auf Kritik. Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), sieht in der Entscheidung einen Hinweis auf „die Schieflage zu Lasten der Privaten bei der Vergabe von Sport- und Fußballrechten in Deutschland“, so eine Meldung des VPRT.

„Mit der Vergabe der WM-Rechte liegen nun die Rechte für praktisch alle attraktiven Fußballevents von der WM über die EM bis hin zur Champions League, aber auch weitere Rechte wie für die Spiele der Deutschen Nationalmannschaft, der 3. Liga, der Frauenfußballbundesliga usw. ausschließlich bei den gebührenfinanzierten Sendern. Wir haben mittlerweile in Deutschland ein öffentlich-rechtliches Fußballmonopol und ein Marktversagen bei den Sportrechten auf Grund der Gebührenausstattung von ARD und ZDF zu Lasten der privaten Sender. Das bedeutet immense Kosten für die Gebührenzahler, ohne dass sie einen Mehrwert haben, wenn diese Spiele nur bei ARD und ZDF und nicht bei den Privaten gezeigt werden. Für die privaten Fernsehsender bedeutet es eine eklatante Wettbewerbsverzerrung, weil sie bei der Rechtevergabe gegen die Gebote aus dem Gebührentopf nicht mehr mithalten können“, so Doetz.

Die zuständigen Gremien von ARD und ZDF müssen dem Vertrag noch zustimmen. Das ZDF muss momentan die Sparauflagen der KEF befolgen, ein Fakt, auf den Doetz deutlich hinweist:

„Daher sollten die Gremien von ARD und ZDF ihren Prüfauftrag sehr Ernst nehmen und die Kosten für solch ein Großereignis wie die WM sorgfältig prüfen, ohne sich von den Jubelarien der Intendanten betören zu lassen. Für den leider zu erwartenden Fall ihrer Zustimmung sollten sie auf die Auflage bestehen, dass Produktion und Redaktion mit einem gemeinsamen Team von ARD und ZDF organisiert werden. Es kann nicht sein, dass wie bei anderen Großereignissen der letzten Jahre die Gebührenzahler die Kosten dafür tragen müssen, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihre Übertragung von einem und demselben Event verteuert doppelt organisieren. Dieses unrühmliche Kapitel überflüssiger Gebührenverschwendung sollte nicht fortgeschrieben werden.“

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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