Medienrecht

ARD-Totcherfirmen planen Alternative zu „Germany’s Gold“

Nach das von ARD und ZDF gemeinsam geplante Video-on-Demand-Projekt „Germany’s Gold“ wegen kartellrechtlichen Bedenken nicht weiter verfolgt wurde, planen nun die ARD-Tochterfirmen ein alternatives Projekt.

Nach Angaben der WDR mediagroup des Jahresabschlusses 2013 im Bundesanzeiger wollen man nun eine Alternative zu „Germany’s Gold“ in Angriff nehmen. Nach den unrealistischen Vorgaben des Bundeskartellamts an „Germany’s Gold“, hatten sich die Gesellschaftler im letzten Jahre für eine Liqudation des Projekts entschieden. Das Bundeskartellamt hatte einen Umbau zu einer rein technischen Plattform gefordert, der sich wirtschaftlich nicht darstellen ließ, so die WDR mediagroup im Jahresabschluss 2013.

Durch das Nichtzustandekommen von „Germany’s Gold“ habe man in der Online-Vermarktung leider noch nicht so viele Mandanten akquirieren können wie geplant. Aufgrund der kartellrechtlichen Prüfung „Germany’s Gold“ seien die Aufwendungen für Rechts- und Beratungskosten um Mio. EUR 0,2 gegenüber des Vorjahres gestiegen.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Alternative zu Germany’s Gold finden

In 2014 stehe daher der Aufbau eines Alternativprojekts zu „Germany’s Gold“ an. Man führe dazu Gespräche im Produzentenkreis und im Kreis der ARD-Verwertungstöchter, so die Angaben im Jahresabschlussberichts. Ziel sei es, eine sowohl juristisch als auch wirtschaftliche umsetzbare Alternative für „Germany’s Gold“ auf den Markt zu bringen.

Auf Nachfrage des Branchenmagazins Funkkorrespondenz sagte Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR Mediagroup: „Wir sprechen mit verschiedenen potenziellen Partnern sowohl von Sendern als auch aus Produzentenkreisen sowie Verlagen. Mit Blick auf die laufendenden Sondierungen können wir Details nicht kommentieren“. Man hoffe aber, noch in diesem Jahr konkrete Informationen veröffentlichen zu können.

Hintergrund

Im vergangenen Jahr hatte das Bundeskartellamt wettbewerbliche Bedenken geäußert, da ARD und ZDF als Unternehmer und Wettbewerber aufgetreten wären. Aufgrund der gebührenfinanzierten Produktion von Inhalten wäre nach Ansicht der Kartellwächter eine “erhebliche Wettbewerbsverfälschung” aufgetreten.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes sagte damals dazu: “ARD und ZDF treten als Unternehmer und Wettbewerber auf dem Markt für Video-On-Demand auf und müssen ihre Produkte deshalb auch wie andere Unternehmen unabhängig voneinander vermarkten. Nach den bisherigen Vorstellungen der Sendeanstalten würde die gemeinsame Online-Plattform es aber mit sich bringen, dass insbesondere die Preise und die Auswahl der Videos miteinander koordiniert würden. Die kartellrechtlichen Probleme liegen auf der Hand.”

Problematisch war für die Kartellwächter die Tatsache, dass sowohl die Mediathek, als auch die Produkion der Inhalte mit Gebühren finanziert seien. “Noch weitergehende Wettbewerbsbeschränkungen durch kommerzielle Töchter der Rundfunkanstalten können nicht hingenommen werden”, so Mundt damals weiter. Die Frage, ob die Erhebung eines Entgeltes für die Nutzung von gebührenfinanzierten Inhalten gerechtfertigt sei, sei dabei keine kartellrechtliche Frage. ARD und ZDF hatten zuvor angekündigt, auf Werbung nicht verzichten zu wollen.

Gerade von den privaten Sendern gab es zu diesem Vorhaben Kritik. Im März 2011 hatte das Bundeskartellamt die Pläne für ein gemeinsames, werbefinanziertes Video-on-Demand-Portal von ProSiebenSat1 und RTL untersagt.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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