Medienrecht

Alterskennzeichnung für Apps und Online-Spiele

Im Jahr 2013 wurde das IARC-System vorgestellt. IARC steht für International Age Rating Coalition (übersetzt etwa Internationaler Alterseinstufungszusammenschluss), einem Zusammenschluss verschiedener Organisationen, die für die Altersbewertung in ihrer jeweiligen Region verantwortlich sind. In Deutschland vergibt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) nun auch für Online-Spiele und alle Arten von Apps auf Basis des IARC-Verfahrens Alterskennzeichen.

Im März 2015 haben mit dem Google Play Store und dem Firefox Marketplace zwei Online-Plattformen die Alterskennzeichnungen übernommen. Es steht zu erwarten, dass sich weitere Anbieter, wie der Microsoft Xbox Live Store, der Nintendo eShop und der PlayStation Store dem System anschließen werden (vgl. http://www.usk.de/service/presse/details-zum-presseartikel/article/usk-vergibt-alterskennzeichen-fuer-online-spiele-und-apps-ueber-neues-internationales-system).

Warum Alterskennzeichnung?

Wie bei jedem anderen Medium können auch mit Apps und Online-Spielen Wirkungsrisiken und Gefahren verbunden sein. Durch die Alterskennzeichnung sollen Kinder und Jugendliche vor diesen Gefahren geschützt werden. Der Jugendmedienschutz findet seine gesetzliche Grundlage insbesondere im Jugendschutzgesetz sowie im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Während das Jugendschutzgesetz grundsätzlich den stationären Vertrieb, d.h. den „Offline-Bereich“ und dessen physische Trägermedien (CD, DVD etc.) regelt, ist der JMStV für den sogenannten „Online-Bereich“ und dessen unkörperliche Medien (Online-Games, Streaming, Video-on-Demand etc.)  verantwortlich. § 14 Abs. 1 des Jugendschutzgesetzes legt fest, dass Filme sowie Film- und Spielprogramme, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen, dürfen nicht für ihre Altersstufe freigegeben werden. Dagegen basiert der JMStV auf dem Prinzip der Selbsteinschätzung des Anbieters, weshalb Online-Spiele und Apps keiner Alterskennzeichnung bedürfen. Der jeweilige Anbieter unterliegt lediglich staatlicher Kontrolle durch die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten.

Trotz der nicht bestehenden Pflicht der Alterskennzeichnung ist die Aufnahme von Apps in den Bewertungsprozess aus jugendschutzrechtlichen Gesichtspunkten daher begrüßenswert.

Wie funktioniert das IARC-System?

Die USK vergibt die Kenn­zeichnungen nach ähnlichen Prinzipien wie schon für Spiele auf DVDs. Die Menge und Schnelllebigkeit von Apps und Online-Spielen macht jedoch ein automatisches Einstufungssystem erforderlich, dass flexibel auf Inhalte reagiert. Da sich regionale Moralvorstellungen und Ansichten zu Jugendgefährdung zum Teil stark unterscheiden, wurden Freigabekriterien auf bereits bestehende Fragenkataloge heruntergebrochen und konsolidiert, sodass jeder Entwickler mit geringem Zeiteinsatz kostenlos und relativ rechtssicher über mehrere Plattformen verteilt eine Einstufung des Inhaltes erreichen kann (vgl. VDVC e.V., Mitschrift vom gamescom Congress 2015 zur Vorstellung von IARC, http://vdvc.de/forum/viewtopic.php?p=15825#p15825, abgerufen am 16. November 2015).

Entwickler können das IARC-System kostenlos auf dafür lizenzierten Vertriebsplattformen nutzen. Sie stufen die Inhalte ihrer Produkte selbstständig durch das Ausfüllen eines Fragebogens ein, woraus sich nach den Vorgaben der jeweiligen nationalen Selbstkontrolle das Alterskennzeichen ergibt. Daneben weisen zusätzliche Angaben auf jugendschutzrelevante Inhalte, wie z.B. Gewalt, ängstliche Inhalte, Erotik oder explizite Sprache hin. Gegebenenfalls wird der Nutzer über interaktive Elemente wie Nutzerinteraktion, Daten- und/oder Standortweitergabe informiert.

Bewertung und Ausblick

Aufgrund der hohen Wachstumsraten von herunterladbaren Angeboten ist davon auszugehen, dass die Verbreitung von Multimedia-Inhalten auf physischen Trägermedien weiterhin an Bedeutung verlieren wird. Das IARC-System etabliert dabei einen funktionierenden und zugleich praxisgerechten Jugendschutz. Zwar ist die Funktionsweise des IARC-Systems zugleich dessen stärkster Kritikpunkt, da die Selbsteinschätzung seitens der Entwickler nur stichprobenartig oder nur auf Beschwerde hin überprüft wird. Jedoch ist dem Argument, Entwickler könnten durch eine geschickte Beantwortung der Fragen eine für sie günstigere Einstufung erwirken, entgegenzuhalten, dass die Einstufung durch den Fragebogen vergleichbar mit der Einstufung  der Expertengremien in den Einstufungsorganisationen ist (vgl. VDVC e.V., Mitschrift vom gamescom Congress 2015 zur Vorstellung von IARC, http://vdvc.de/forum/viewtopic.php?p=15825#p15825, abgerufen am 16. November 2015).

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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