Medienrecht

5000,- Euro Bußgeld für Schleichwerbung im Radio

Das OLG Celle  (Urt. v. 10.07.2015 – Az.: 2 Ss (OWi) 112/15) hat entschieden, dass ein Radiosender wegen erfolgter Schleichwerbung eine Geldbuße in Höhe von 5000,- Euro zahlen muss. Der Radiosender hatte während verschiedener Interviews auffällig häufig und in übertriebener Art die Waren des jeweiligen Interviewpartners in den Fokus gerückt.

5000,- Euro Bußgeld für Schleichwerbung im Radio©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

5000,- Euro Bußgeld für Schleichwerbung im Radio©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Schleichwerbung im Radio unlauter

Nicht nur im Fernsehen ist Schleichwerbung eingebettet in redaktionelle Sendeinhalte ein großes Problem. Auch im Radio wird redaktioneller und werblicher Sendeinhalt nicht immer ausreichend transparent und deutlich voneinander getrennt. Dem vom OLG Celle entschiedenen Fall liegt das unlautere Verhalten einer Radiomoderatorin während einer Interviewsituation zu Grunde. Die Radiomoderatorin hatte im Laufe des Interviews mehrmals auf die käuflichen Produkte des Interviewpartners angespielt. Mit Hinweisen darauf, dass man höre, dass es die besten seiner Art seien und Fragen nach besonderen unternehmenseigenen Spezialrezepten wollte die Radiomoderatorin augenscheinlich das Interesse der Zuhörer an den Produkten des Interviewpartners wecken.

Keine Trennung von redaktionellem und werblichen Inhalt

Das OLG Celle hat die Fragen und Aussagen der Radiomoderatorin als Aufforderung an den Interviewpartner verstanden über die Vorzüge der eigenen Produkte zu sprechen und diese den Radiohörern anzupreisen. Auffällig war, dass alle Interviewpartner gleichzeitig auch aktuelle Werbekunden des Radiosenders waren. Nach Ansicht der Richter aus Celle stelle dieses Verhalten eine Schleichwerbung nach § 7 Abs. 7 Rundfunkstaatsvertrag dar. Entscheidend sei hierbei, dass die Werbung nicht als solche gekennzeichnet war. Unter dem Deckmantel eines redaktionellen Interviews wurde Unternehmen die Möglichkeit gegeben über eigene Produkte berichten zu können. Zusätzlich wurde das Interesse der Zuhörer zusätzlich dadurch geweckt, dass die den Zuhörern bekannte Radiomoderatorin auch eigene persönliche Kaufabsichten und Begeisterung äußerte. Nach § 7 Abs. 7 Rundfunkstaatsvertrag ist Schleichwerbung verboten. Produktplatzierungen sind unter Beachtung strenger Vorgaben erlaubt. Dabei dürfen Produkte nicht zu sehr in den Fokus gerückt werden und eine Produktplatzierung darf nicht unmittelbar verkaufsfördernd wirken. Im Ergebnis verurteilte das OLG Celle wegen Schleichwerbung in drei Fällen zu einer Geldbuße in Höhe von 5000,- Euro. (NIH)

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.