Markenrecht

Wiesenhof reicht bei der ARD Programmbeschwerde ein

Die ARD-exclusiv Reportage „Das System Wiesenhof. Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und Umwelt ausbeutet“ hat bereits vor der ersten Ausstrahlung heute Abend um 21.45 Uhr für Unmut gesorgt. Der Geflügelproduzent Wiesenhof hat nun im Vorfeld der Ausstrahlung bei der ARD eine Programmbeschwerde eingereicht. In einer Meldung auf der Webseite des Unternehmens betont Wiesenhof, dass sie mit der Programmbeschwerde nicht die Ausstrahlung verhindern möchten.

Nach Ansicht des Unternehmens sei der Beitrag nicht gewissenhaft recherchiert, unausgewogen und unwahr. Zudem hätte der Titel schon vor den eigentlichen Recherchen festgestanden. Bereits im Juli hatte Wiesenhof versucht, den zweiten Satz des Titels per Unterlassungsaufforderung zu verbieten. In einem offenen Brief haben die Vorsitzenden der Wiesenhof-Erzeugergemeinschaften Stellung bezogen. Dort heißt es:

„Viele Politiker und auch Medienvertreter haben sich in den vergangenen Jahren die Mühe gemacht, unsere Betriebe zu besuchen und mit uns in den Dialog zu treten. Leider hat Kampagnenjournalismus dazu geführt, dass immer mehr irrationale Argumente gegen die Erzeugung von Geflügelfleisch in Deutschland ins Feld geführt werden. Sollte dieser Trend anhalten, was aufgrund des in der ARD am 31. August um 21.45 Uhr angekündigten Beitrags mit dem Titel „Das System Wiesenhof: Wie ein Geflügelkonzern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet“ zu befürchten ist, werden ca. 1.000 bäuerliche Existenzen mit ihren Familien vernichtet und die bei den Verbrauchern anerkannte Marke Wiesenhof erheblich beschädigt.“ Seit der Bekanntgabe der Ausstrahlung der Reportage sei zudem in fünf Ställe von Wiesenhof Partnerlandwirten eingebrochen worden.

Beim zuständigen SWR weist man die Vorwürfe zurück. „Dass es bereits vor der Ausstrahlung des Films Programmbeschwerden gegeben hat, ist meines Wissens nach noch nie vorgekommen“, sagte der zuständige Redakteur dem „Spiegel“. Der Vorwurf der Voreingenommenheit sei „angesichts der Vielzahl an Informanten und Interviewpartner ziemlich abwegig“.

Ein SWR-Sprecher sagte gegenüber Radio Bremen: „Die Vorwürfe sind haltlos. Es gibt keinen Grund, an dem Beitrag etwas zu ändern.“ Da es keinen Zweifel an der journalistischen Sorgfalt des Beitrags gebe, werde die Reportage wie geplant ausgestrahlt. Eine außerordentliche Sitzung des Rundfunkrates sei nicht vorgesehen. Allerdings, so die Meldung von Radio Bremen weiter, „werde SWR-Intendant Peter Boudgoust in den kommenden Wochen einen so genannten „Erstbescheid“ abgeben. Möglicherweise werde sich danach der Fernsehausschuss mit dem Fall befassen.“

Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland hat erneut Strafanzeige gegen Wiesenhof und die Verantwortlichen einer Ausstallungsfirma für Puten erstattet. Der Vorwurf: erhebliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, Verstöße gegen die Tierschutz-, Schlacht- und Transportverordnung. Dies gab PETA in einer Pressemitteilung vom 29. August 2011 bekannt.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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