Markenrecht

Werbung „Ich bin dann mal weg.de“ verletzt Rechte von Hape Kerkeling-Bestseller

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hat entschieden, dass die Werbung eines Touristik-Unternehmens „Ich bin dann mal weg.de“  die Titelschutzrechte von Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ verletzt und bejahte einen Unterlassungsanspruch des antragstellenden Verlages (Urteil v. 05.12.2014 – Az.: 6 U 100/14).

Werbung "Ich bin dann mal weg.de" verletzt Rechte von Hape Kerkeling-Bestseller©-cirquedesprit-Fotolia

Werbung „Ich bin dann mal weg.de“ verletzt Rechte von Hape Kerkeling-Bestseller©-cirquedesprit-Fotolia

Touristik-Unternehmen wirbt mit “Ich bin dann mal weg.de“

Die Antragstellerin ist Verlegerin des in Deutschland im Jahr 2006 erschienenen Buches „Ich bin dann mal weg“, in dem der Autor Hape Kerkeling seine Erlebnisse während einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg im Jahr 2001 beschreibt. Die Antragsgegnerin ist ein im Jahr 2005 gegründetes Touristik-Unternehmen, das unter anderem die Reiseportale „weg.de“ und „ferien.de“ betreibt. Seit dem 27.12.2013 bewirbt die Antragsgegnerin ihre Leistungen mit dem Slogan „Ich bin dann mal weg.de“ in Form von TV-Spots und seit dem 11.01.2014 durch bundesweite Plakatwerbung. Die Antragstellerin hat in der Verwendung des Slogans der Antragsgegnerin eine unzulässige Ausbeutung des Rufs ihres bekannten Titels gesehen und den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt,  die das Landgericht Köln erlassen hat. Mit ihrer Berufung verfolgt die Antragsgegnerin das Ziel, die einstweilige Verfügung aufzuheben.

„Ich bin dann mal weg“ ist ein schutzfähiger Titel

Die Kölner Richter bejahten den Unterlassungsanspruch, da der Titel „Ich bin dann mal weg“ schutzfähig sei. Allein der Umstand, dass es sich um eine umgangssprachliche Redewendung handelt, stehe der Schutzfähigkeit als Werktitel nicht entgegen. Der Titelschutz setze nämlich nicht voraus, dass der Titel geeignet sei, auf die betriebliche Herkunft des Werks hinzuweisen, sondern lediglich, dass er zur Unterscheidung eines Werks von anderen Werken geeignet sei.

Bei dem Titel „Ich bin dann mal weg“ handelt es sich um einen bekannten Titel. Dies sei stets dann anzunehmen, wenn er einem bedeutenden Teil des angesprochenen inländischen Publikums bekannt sei. Das Buch sei mittlerweile in der 72. Auflage erschienen mit einer Gesamtauflage von rund 4 Millionen Exemplaren, hinzukommen über 600.000 Hörbücher. Das Buch stand lange in den Bestsellerlisten (über 100 Wochen auf den ersten Plätzen), vom Spiegel wurde es im Jahr 2009 in die „Bestseller des Jahrzehnts“ aufgenommen. Nach wikipedia.de gilt es als das erfolgreichste deutsche Sachbuch seit C. W. Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“. Das Gericht sah den Vortrag der Antragstellerin dadurch belegt, da sie vortrug, dass dieser Erfolg nicht nur auf den Zeitraum des Erscheinens beschränkt geblieben ist, sondern das Buch auf der Plattform Amazon.de nach wie vor auf Rang 5 bei Reisebüchern aus Europa steht. Zum Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung vor dem Senat wurde es dort als „Bestseller Nr. 1 Reiseberichte Europäische Länder“ geführt.(JAZ)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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