Markenrecht

Mission unGOOGLEbar!

Was ist schon ungoogleble, ungooglebar, ogooglebar? Erst führt der Schwedische Sprachrat das Wort ins offizielle Lexikon ein, dann nörgelt  Google; daraufhin wird das Wort gestrichen. Lesen Sie hier die Einzelheiten nach!

 

google, googeln

© ferkelraggae-Fotolia

Schwedischer Sprachrat nimmt ogooglebar ins Lexikon auf

Laut einem jüngsten Bericht von Spiegel-Online hat sich Google eine Diskussion mit dem Schwedischen Sprachrat um ein ziemlich skurriles Thema geliefert. Im Dezember 2012 hat das Schwedische Sprachrat eine Liste mit den neu benutzten Wörtern veröffentlicht.  So fand sich unter anderen trendigen Begriffen auch das Wort „ogooglebar“ (ungooglebar), welches im modernen Sprachgebrauch vermehrt wortgetreu benutzt wird. Als eine lexikalische Erklärung des Bedeutungsgehalts führte der Schwedische Sprachrat  sinngemäß die Unauffindbarkeit bei der Web-Suche auf.

 

Google fordert explizite Markennennung in der offiziellen Begriffserläuterung

Diese simple offizielle Bedeutungserklärung gefiel Google nicht. Daher meldete sich der Suchmaschinenkonzern zu Wort und forderte eine explizite Benennung des Firmennamens Google in der frischen lexikalischen Erklärung des Schwedischen Sprachrats. Eine einfache Bezugnahme auf irgendeine Websuchmaschine könne nach Ansicht des Konzerns nicht ausreichen. Außerdem müsse die offizielle Version des Sprachrats die Begriffserläuterung um einen ausdrücklichen Hinweis ergänzen, dass es sich bei Google um eine rechtlich geschützte  Marke handelt.

 

Sprachrat löscht das Wort, kündigt jedoch die Benutzung an und ermahnt Google

Der Schwedische Sprachrat reagierte mit einer vollständigen Entfernung  des „ogooglebar“ aus dem veröffentlichten Lexikon. Die Ratsvorsitzende Ann Cederberg äußerte jedoch in einem Interview mit der schwedischen Online-Zeitung „The Lokal“ Unverständnis für Googles Forderungen. Nach Auffassung von Cederberg maße sich Google durch seine Forderungen einer Kontrolle der schwedischen Sprache an.

„Wenn wir ungooglebar in der Sprache haben wollen, dann benutzen wir das Wort und unsere Benutzung verleiht dem Wort eine Bedeutung – nicht der Druck eines multinationalen Konzerns…Es würde gegen unsere Prinzipien  und die Prinzipien der Sprache verstoßen.“ 

„If we want to have ogooglebar in the language, then we’ll use the word and it’s our use that gives it meaning – not a multinational company exerting pressure. Speech must be free!“ 

Cederberg ermahnte Google, eine Nichtbenutzung des Wortes verstoße gegen die schwedischen Prinzipien und die Prinzipien der Sprache. Google habe eine Sache vergessen: die Sprachentwicklung kümmert sich nicht um den Markenschutz.

„Google has forgotten one thing: language development doesn’t care about brand protection.“

 

Google: Forderung routinemäßiger Markenschutz

Laut Spiegel-Online hat Google eine lapidare Stellungnahme dahingehend abgegeben, der Konzern verfolge mit seinem Vorgehen wie viele andere Unternehmen auch routinemäßig den Schutz seiner Marke.

 

Kommentar: Google ausgegooglet

Der Fall ist an Skurrilität kaum zu übertreffen. Im Laufe der ständigen Sprachfortbildung etablieren sich etliche Markennamen im allgemeinen Sprachgebrauch als nunmehr „markenentkleidete“ Vokabeln. Zu denken sei zum Beispiel an Tesa für Klebeband, Tipp-Ex für Korrekturmittel, Labello für einen Lippenstift, Post-it für Klebezettel, Cornflakes für Flocken zum Frühstück, Pampers für Babywindeln, Tempo für Tempotaschentücher, flexen für das Winkelschleifen mittels einer elektrischen Drehmaschine usw. So gehört auch Skypen oder Googeln seit Jahren zum (Sprach-)Alltag, durch welchen zwar ein gewisser Grad der Markenentkleidung bewirkt wird. Jedoch  stellt die Vokabularisierung  einer bestimmten Marke ein deutliches Zeichen der unerschütterlichen, dem Volksmund zu verdankenden Wettbewerbsdominanz dar. Ein Werbungsphänomen, das dem Hersteller sicherlich einen guten Dienst erweist, der sich auf der Kehrseite dadurch auszahlen lässt, dass man auch bei Bing, Yahoo oder Ask googlen kann. Die Forderung von Google erweist sich dennoch als inhaltslos. Das Markenzeichen Google ist als ein fester Bestandteil des „ogooglebar“ für jedes zeitgenössische Auge zu erkennen. Ob gewollt oder nicht, „googeln“ und „ungooglebar“ werben durch die ungehinderte Benutzung für das Markenzeichen en passant, ohne dass es dabei eines expliziten Hinweises auf Google bedarf. Schließlich zeigt der Fall, dass sich auch Google mit der gegenstandslosen Forderung aus dem offiziellen schwedischen Lexikon allenfalls formell ausgooglen kann.

Felix Rüther ist für die Prozessführung in den Streitigkeiten zuständig, die einen Bezug zum Internetrecht haben. Er war 2012 im sogenannten Morpheus-Verfahren vor dem BGH beteiligt, bei dem die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE einen entscheidenden Sieg gegenüber der Abmahnindustrie errungen hat.

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RSSKommentare (2)

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  1. Piero Zedda sagt:

    Bei Google die sind nicht nur ein wenig krank im Kopf, sondern haben ihr BWL-Wissen anscheinend auf einer Sonderschule gelernt. Wer z. Bsp. Papiertaschentücher kauft sagt unabhängig von der Marke, dass er Tempo haben will. Niemand würde Pepsi oder Afri Cola bestellen. Man sagt immer Coca Cola. Dadurch, dass ein Markenname zum allgemeinen Sprachgebrauch wird steigt die Marke enorm im Wer!. Google sollte sich mal bessere Mitarbeiter zulegen 😀

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