Markenrecht

Ex Modern Talking Star Thomas Anders tritt erfolgreich vor Gericht auf

Ex Modern Talking Mitglied Thomas Anders hat gegen eine Coverband geklagt. Diese tritt seit 1999 mit Vollplayback unter dem Namen „Modern Talking Reloaded“ auf und imitiert dabei sowohl Auftritte als auch Fotos von Thomas Anders und Dieter Bohlen. Anders sieht sich dadurch im Recht an seiner Marke, seinem Recht am eigenen Bild und seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt. Das LG Hamburg hat ihm nun weitestgehend Recht gegeben.

Von Elke Wetzig (Elya) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0.

Der seit 1999 erfolgreiche Modern Talking Tribute Act „Modern Talking Reloaded“ darf unter diesem Namen deutschlandweit nicht mehr werben und auftreten. Das ehemalige Modern Talking Mitglied Thomas Anders hat gegen die Coverband geklagt und weitestgehend vor dem Landgericht (LG) Hamburg Recht bekommen (Urt. v. 10.04.2018, Az. 312 O 360/15).

Im Kern ging es darum, ob zwischen „Modern Talking“ und „Modern Talking Reloaded“ eine Verwechselungsgefahr besteht. Diese bejahte das LG Hamburg. Außerdem darf ein Foto der beiden Coverartists, auf dem diese den Originalen zum Verwechseln ähnlich sehen, nicht mehr ohne den Verweis, dass es sich nicht um die echten Bandmitglieder handelt, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Verletzung der Gemeinschaftswortmarke „Modern Talking“

Der Bandname „Modern Talking“ ist eine von Dieter Bohlen und Thomas Anders eingetragene Gemeinschaftswortmarke zur Vermarktung von deren Tonträgern sowie Bildwerken und öffentlichen Auftritten. Eine Marke wird, wenn sie genügend Unterscheidungskraft gegenüber anderen Unternehmen der gleichen Branche besitzt, geschützt. Diese Eigenschaft sahen die Hamburger Richter bei dem Bandnamen „Modern Talking“ gegeben.

Zu dem Namen der Coverband „Modern Talking Reloaded“ bestehe außerdem eine hinreichende Ähnlichkeit. Maßgeblich ist hierfür, dass sich die prägenden Bestandteile der beiden Bezeichnungen ähneln. Als prägend wurde hier bei beiden Zeichen der Bestandteil „Modern Talking“ angesehen. Da Modern Talking gerade im Bereich „Veranstaltungen“ noch immer über große Bekanntheit verfügen, reicht auch der Zusatz „Reloaded“ nicht aus, um die Verwechslungsgefahr zu mildern. Ganz im Gegenteil könnte der Zusatz noch dazu führen, dass davon ausgegangen wird, die Band Modern Talking werde neu aufgelegt, da zudem auch jeder Hinweis fehlte, dass es sich nicht um die originalen Künstler handelt.

KUG schützt auch vor Abbildungen durch einen Doppelgänger

Weiterer Streitpunkt im Verfahren war ein Bild, auf welchem die beiden Coverartists Bohlen und Anders zum Verwechseln ähnlich abgebildet sind. Dieses Bild wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, indem auf Veranstaltungsplakaten damit geworben wurde.

Hier sah sich Anders in seinem Recht am eigenen Bild verletzt. Und so sahen das auch die Hamburger Richter. Die beiden auf dem Foto abgebildeten Personen sollten explizit Anders und Bohlen darstellen. Dass diese es in Wirklichkeit gar nicht waren, sei unerheblich, da auch die Abbildung eines Doppelgängers einer berühmten Person durch § 22 Kunsturhebergesetz geschützt sei.

Zudem sei die Veröffentlichung des Bildes aus rein wirtschaftlichem Interesse geschehen, weswegen ihr auch kein schutzwürdiges Informationsinteresse zukomme, welches gegenüber der medialen Selbstbestimmung Anders abzuwägen wäre.

Playback Show aber in Ordnung

In einem Klagepunkt widersprachen die Richter der Klage des ehemaligen Modern Talking Mitgliedes jedoch: Dieser fühlte sich durch die nachgeäfften Auftritte der Coverband auf den Schlips getreten und in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt. Entsprechend forderte er, die beklagte Coverband zu verurteilen, es zu unterlassen, Musikveranstaltungen durchzuführen, bei denen der Sänger zum Vollplayback von originalen Modern Talking Aufnahmen vorgibt, selbst Interpret des Stückes zu sein, indem er die Lippen synchron mitbewegt bzw. mitsingt. Tatsächlich ging es also um die Frage, ob authentische Vollplayback Covershows generell die Persönlichkeitsrechte des Originalinterpreten verletzen.

Dies verneinte das Gericht und wies die Klage diesbezüglich ab. Es sei keine Persönlichkeitsverletzung im Sinne einer Ehrverletzung oder Herabwürdigung des Klägers ersichtlich. Vielmehr handele es sich bei Cover-Auftritten dem LG Hamburg zufolge um grundrechtlich geschützte Kunst.

Der Thomas-Anders-Imitator stellte sein Vorbild also genau so dar, wie dieses sich selbst in der Öffentlichkeit dargestellt hatte. Da sich Anders in der Vergangenheit jedoch selbst in nahezu identischer Weise wie die Coverband in der Öffentlichkeit präsentierte und das Nachahmen seiner öffentlichen Konzertauftritte lediglich seine Sozialsphäre, nicht aber seinen privaten oder persönlichen Bereich betreffe, konnte das Gericht nur die kommerziellen Interessen Anders tangiert sehen und nicht seinen Achtungsanspruch.

Damit bleiben zwar Vollplaybacks weiterhin zulässig. Allerdings zeigt das Urteil, dass die Verwechslungsgefahr zum Original ausgeschlossen sein muss.

tge/ahe

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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