Markenrecht

Abmahnung nach Kauf einer Louis-Vuitton-Handtasche – Was tun?

Wer Markenartikel im Internet erwirbt, und sei es im Rahmen einer Auktion, kann sich schnell in einer Auseinandersetzung wegen Plagiatsvorwürfen wiederfinden. Dies zeigt ein aktueller Fall, bei dem es um eine (vermeintliche) Louis-Vuitton-Handtasche ging:

Abmahnung Louis Vuitton Handtasche

Bildnachweis: ilro | Fotolia

Die Abgemahnte erwarb auf der Auktions-Plattform ioffer eine Handtasche, die angeblich vom Markenhersteller Louis Vuitton stammen sollte. Auf den entsprechenden Fotos sah das Produkt unverdächtig aus; der Verkäufer befand sich offenbar in San Francisco (USA) – das Angebot machte bei der Käuferin insgesamt einen seriösen Eindruck, so schlug sie zu. Beim Versand der Handtasche nach Deutschland wurde der Artikel jedoch beim deutschen Zoll abgefangen – Plagiatsverdacht.

Abmahnung wegen angeblicher Markenrechtsverletzung

Einige Zeit später erhielt die Käuferin offenbar ein Abmahnschreiben der Kanzlei Preu Bohlig & Partner im Namen der Firma Louis Vuitton Malletier, in welchem sie zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung aufgefordert wurde, nach der sie für jede künftige Zuwiderhandlung 2000 € zahlen soll. Zudem wurde die Käuferin zur Zahlung von 200 € aufgefordert wurde, die angeblich zu Ermittlungszwecken aufgewendet worden seien. Schließlich, so wurde in der Abmahnung gefordert, sollte sie auch der Vernichtung der Ware zustimmen. Dabei stützte sich die Abmahnung insbesondere auf das Markenrecht.

Ob die Abgemahnte überhaupt eine Unterlassungserklärung abgeben, geschweige denn eine Zahlung an das abmahnende Unternehmen leisten muss, ist mehr als fraglich.

Markenrechtsverstoß nur bei gewerblichem Handeln

Ansprüche wegen Markenrechtsverletzungen können nicht grundsätzlich nicht gegen rein privat handelnde Personen erhoben werden. Vielmehr ist ein gewerbliches Handeln erforderlich, um gegen Markenrecht zu verstoßen. Hier drängt sich daher folglich der Verdacht auf, dass der Markenrechtsinhaber versucht, ohne eine entsprechende rechtliche Grundlage die Kosten ausgerechnet auf die Person abzuwälzen, die selbst gerade Opfer eines Plagiatsbetruges geworden ist.

Wer also eine entsprechende Abmahnung erhalten hat, sollte sich am besten anwaltlich darüber beraten lassen, inwiefern die darin erhobenen Ansprüche überhaupt zu Recht erhoben werden.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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