Lebensmittelrecht

VG Berlin: Zur Irreführung durch die Bezeichnung „Hähnchen-Kebab“

Darf ein „Hähnchen-Kebab“ auch aus fein zerkleinertem Fleisch bestehen? Hierzu gibt es eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Berlin.

Vorliegend stellte ein Fertiggerichte-Hersteller aus Berlin „Hähnchen-Kebab her, in dem er das Hähnchenfleisch in einem Mischer vermengte und mit einer Füllmaschine in einem Kunstdarm füllte. Die daraus gewonnen Produkte wurden dann würden dann erhitzt, herunter gekühlt und in die vorgesehene Stückgröße geschnitten. Sodann wurden sie als Tiefkühlware verpackt und verkauft. Auf der Packung stand Folgendes angegeben: „aus Hähnchenfleisch zubereitet, arttypisch gewürzt, durchgegart und geschnitten, tiefgefroren“. Als hiergegen das Bezirksamt als zuständige Lebensüberwachungsbehörde wegen einer Irreführung des Verbrauchers im Wege der Beanstandung einschritt, zog der Hersteller vor Gericht. Aufgrund der Angabe „aus Hähnchenfleisch zubereitet“ müsse für den Verbraucher klar sein, dass es sich um keine gewachsenen Fleischstücke handelt.

 

Das Verwaltungsgericht Berlin folgte dem nicht und wies die Klage des Fertiggerichte-Herstellers mit Urteil vom 12.09.2012, Az. (VG 14 K 48.11) ab. Die Beanstandung war rechtmäßig. Viele Verbraucher verstehen «Kebab» als Kurzform von «Döner-Kebab». Dieser muss nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches aus dünnen Fleischscheiben bestehen. Hingegen darf kein Fleisch verwendet werden, das wie Hackfleisch zerkleinert wird. Diese Erwartung des Verbrauchers wird hier noch durch die Abbildung von «echten» Fleischstücken auf der Verpackung verstärkt. Er braucht nicht mit Fleisch vorlieb zu nehmen, das „schwammig im Biss“ ist.

 

Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 

 

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Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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