Lebensmittelrecht

Diskriminierung durch Zigeunersoße?

Ein Verein für Sinti und Roma in Niedersachsen e.V. aus Hannover fordert von Lebensmittelherstellern die Umbenennung der Zigeunersoße in beispielsweise Paprika-Soße oder pikante-Soße.

Diskriminierung durch Zigeunersoße? ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Diskriminierung durch Zigeunersoße? ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Verein zunächst gescheitert

Die betroffenen Lebensmittelhersteller lehnen die Umbenennung unter Verweis auf die lange Tradition der Bezeichnung ab und betonen, dass sie jede Form der Diskriminierung ablehnen. Auch andere Sinti und Roma Verbände finden das Vorhaben „unsinnig“ und es ziehe die ernsthaften Anliegen der Sinti und Roma ins Lächerliche. Der Bundesrat der Jenischen Deutschlands teilte zudem mit, „dass jemand allen Ernstes eine solch hanebüchene Beschwerde erhebt, war für uns bisher nicht vorstellbar“.

Begriff der Zigeunersoße bei den Verbrauchern durchweg positiv seit 1903

Auch wenn der Geschäftsführer des Verbands der Hersteller kulinarischer Lebensmittel Markus Weck nochmals klarstellt, dass es sich der Zigeunersoße um einen schon 1903 verwendeten Begriff handele, mit dem die Verbraucher eine bestimmte Geschmacksrichtung in Verbindung brächten und keine diskriminierende Ansicht vertreten, sollen Sprachforscher nun den Fall klären.

Expertise soll Wortbedeutung analysieren

„Wir sind jetzt bemüht, die Sache durch einen Sprachforscher begutachten zu lassen“, sagte Anwalt Dündar Kelloglu, der das „Forum für Sinti und Roma“ vertritt.

Sinti und Roma fühlen sich diskriminiert und beschimpft

Der Vorsitzende des betroffenen Vereins der Sinti und Roma erklärt, dass die Mitglieder des Vereins sich angesichts des Leids ihrer Familien in Konzentrationslagern diskriminiert und beschimpft fühlen. Zudem habe die Soße keine kulinarischen Wurzeln in der Küche der Roma und Sinti, sondern eher in Ungarn.

Die Stadt Hannover lenkt ein

Im Gegensatz zu den Lebensmittelherstellern hat die Stadt Hannover die Bezeichnung Zigeunersoße oder auch Zigeunerschnitzel von der Speisekarte gestrichen. Dort werden nun Puzsta-Schnitzel oder Schnitzel Ungarischer Art serviert. Auch die Hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra, die Stadtwerke Hannover und das Studentenwerk Hannover verwandelten das Zigeunergulasch in Paprikagulasch.

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.