Jugendmedienschutz

ProSieben verstößt mit Akte-X-Folge gegen Jugendmedienschutz

Der Privatsender ProSieben hat mit der Ausstrahlung einer Folge der Serie „Akte X“ gegen den Jugendmedienschutz verstoßen.

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hatte die Folge „Gründer Mutation“ der 10. Staffel der Kultserie geprüft. Dabei hat man eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige festgestellt.

© Martin Schumann - Fotolia.com

Akte X Folge verstößt gegen Jugendmedienschutz © Martin Schumann – Fotolia.com

Schnittfassung: FSF-Gutachten nicht beachtet

ProSieben hatte die Folge am 15.02.2016 um 21.15 Uhr ausgestrahlt. Der Sender hatte extra eine eigens angefertigte Schnittfassung hergestellt. Allerdings hatte der Sender ein Gutachten der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) nicht beachtet. Dieses gab die englischsprachige Vorabfassung der Folge erst für einen Sendeplatz ab 22 Uhr frei. Somit ist es für die Altersgruppe ab 16 Jahren geeignet.

KJM: Freigaben korrekt einhalten

Der KJM-Vorsitzende Andreas Fischer sagte dazu: „Unser bewährtes System der regulierten Selbstregulierung im Jugendmedienschutz beruht auf der zwischen Selbstkontrolleinrichtungen und KJM geteilten Verantwortung. Es kann jedoch nur dann gut funktionieren, wenn Anbieter die Freigabeentscheidungen der Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle berücksichtigen und auch deren jeweilige Begründung ernst nehmen. Im Sinne eines guten Schutzes von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Medieninhalten achtet die KJM verstärkt darauf, dass diese Freigaben korrekt eingehalten werden.“

In der beanstandeten Folge ermitteln die Detectives Mulder und Scully im Falle des Selbstmordes eines Wissenschaftlers. Dieser hatte in einem Labor Genexperimente durchgeführt und so Kinder mit übernatürlichen Fähigkeiten geschaffen.

Drastische und verstörende Bilder

Im Lauf der Folge werden verschiedene drastische Gewaltakte gezeigt. Dazu gehört ein Selbstmord mit einem Brieföffner, ein Kaiserschnitt durch einen Messerstich in den Bauch oder die Tötung eines Vaters durch die schrillen Schreie seines eigenen Kindes. Diese Aneinanderreihung düsterer und verstörender Bilder können unter 16-Jährige nachhaltig ängstigen, so die Jugendschützer.

Nach Ansicht der KJM ist daher die deutschsprachige Schnittfassung des Senders geeignet, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen. Im Gutachten der FSF zu der englischsprachigen Fassung fand sich der Hinweis, dass aufgrund der Machart, des Kontextes und der Thematik keine Schnittmöglichkeiten gesehen würden. (COH)

 

Quelle: KJM-Pressemitteilung 14/2016

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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