Jugendmedienschutz

ProSieben: KJM beanstandet Verstöße gegen JMStV

 

Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag soll dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche bedenkenlos Fernsehen schauen können. Doch nicht immer halten sich die Sender an die Regeln. Jetzt hat die KJM die Prüffälle des ersten Halbjahres 2015 vorgelegt.

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat die Prüffälle für das erste Halbjahr 2015 vorgelegt. Insgesamt konnte man 32 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) feststellen, neun kamen davon aus dem Bereich Rundfunk.

Hier finden Sie Informationen zum Jugendmedienschutz

Bildnachweis: 2 girls and a boy at the laptop | Ingo Bartussek | Fotolia

„Galileo“ verstößt gegen JMStV

Ein Verstoß gegen den JMStV wurden beim Sender ProSieben festgestellt. So beanstandete die KJM eine Programmankündigung zur Sendung „Galileo“, die ProSieben um 11:15 Uhr ausgestrahlt hatte. In dem Trailer ging es um das Thema wie man in einer Welt voller Zombies überleben kann. Der Spot war dabei so aufgebaut, als handele es sich um eine reale Berichtserstattung. Die KJM stufte das Angebot daher als entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder unter 12 Jahren ein.

ProSieben: Zwei Verstöße auch bei Trailern

Zudem stellte die KJM auch Verstöße gegen § 10 Abs. 1 JMStV (Programmankündigung) bei ProSieben fest. Der Sender hatte einen Programmtrailer mit Bewegtbildern zum Film „Quarantäne“ um 20:53 Uhr. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hatte den Film mit einer Freigabe ab 16 Jahren gekennzeichnet. Auch für den Film „The Crazies – Fürchte Deinen Nächsten“ strahlte ProSieben ein Programmtrailer mit Bewegtbildern um 20:49 Uhr aus. Der Film war von der FSK ebenfalls »ab 16« eingestuft worden, so die Meldung der KJM weiter. Programmankündigungen mit Bewegtbildern für Sendungen, die aus Jugendschutzgründen erst ab 22:00 oder 23:00 Uhr ausgestrahlt werden dürfen, dürfen – ebenso wie der Film selbst – erst ab 22:00 bzw. 23:00 Uhr ausgestrahlt werden. In beiden Fällen hätte der Programmtrailer nach Ansicht der KJM erst nach 22:00 Uhr ausgestrahlt werden dürfen.

Tele 5 zeigt indizierten Film

Beim Sender Tele 5 wurde zudem eine unzulässige Ausstrahlung festgestellt. Der Sender hatte um 23:46 Uhr (und in einer Wiederholung um 03:35 Uhr) den Spielfilm „Death Race 2“ in einer indizierten Version gezeigt. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte den Film am 03.08.2012 indiziert. Indizierte Filme dürfen im Fernsehen grundsätzlich nicht gezeigt werden.

„American Dad“ im Nachmittagsprogramm

Ebenfalls beanstandet wurde die Ausstrahlung einer Folge der Cartoon-Serie „American Dad“. Der Sender Viva hatte die Folge „Steve schlägt zurück“ um 16:35 ausgestrahlt. In der Episode geht es darum, dass ein Sohn von einem „echten“ Mann erzogen werden soll, worauf der Vater den Sohn mehrfach überfällt und verprügelt. Damit werde die Botschaft vermittelt, dass Gewalt ein adäquates Mittel der Konfliktbewältigung sei, so die Meldung der KJM weiter. Die Episode sei daher entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder unter 12 Jahren, so die KJM weiter.

K1 Reportage: Eindimensional-trostloses Weltbild

Eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige (Sendezeitgrenze 22:00 Uhr) hatte die die KJM bei der Ausstrahlung der Reportage „K1 Reportage Spezial: Blaulicht im Rotlicht – Einsatz auf dem Kiez“ auf Kabel Eins festgestellt. Die Reality-Dokumentation hatte Polizeieinsätze und Einsätze von Sanitätern im Bereich von Alkohol- und Drogenmissbrauch, käuflichem Sex und Gewalttaten gezeigt. Mit dieser Konzentration sei ein eindimensional-trostloses Weltbild dargestellt worden, dass die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren beeinträchtigen könne, so die Meldung der KJM weiter.

Telemedien

Im ersten Halbjahr 2015 beantragte die KJM im Bereich der Telemedien in 72 Fällen die Indizierung eines Telemedienangebots. Die Anträge bezogen sich zum Großteil auf Internetangebote mit pornografischen Darstellungen, aber auch auf solche mit rechtsextremistischen oder gewalthaltigen Inhalten, so die Meldung weiter.

Damit befasste sich die KJM seit ihrer Gründung im April 2003 mit mehr als 6.600 Fällen. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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