Jugendmedienschutz

KJM beanstandet „Joko und Klaas“-Sendungen

Sie sind die neuen Lieblinge im deutschen Fernsehen: Joko und Klaas werden für ihren schrägen und schmerzfreien Humor gefeiert. Doch ihre Aktionen stoßen nicht nur auf Begeisterung: Die KJM hat nun in den Sendungen der beiden Verstöße gegen den Jugendschutz festgestellt.

Schnäpse bei „Circus HalliGalli“

Ein Verstoß gegen den JMStV hat die KJM bei einer Folge der Sendung „Circus HalliGalli“ festgestellt. In der Sendung, die ProSieben ab 22.10 Uhr ausgestrahlt hatte, hatten Joko und Klaas zusammen mit ihrem prominenten Studiogast Wodka getrunken. Alkohol sei hier gezielt als Spaßmacher eingesetzt worden und relativierende Momente, in denen auf mögliche negative Folgen von Alkoholkonsum hingewiesen wird, seien nicht vorhanden gewesen, so die Kritik der KJM. Problematisch sei dabei auch, dass die Protagonisten durch ihr Auftreten und ihre Medienpräsenz Sympathieträger und Identifikationsmöglichkeiten für Jugendliche seien. Nach Auffassung der KJM sei die Sendung daher entwicklungsbeeinträchtigend im Hinblick auf eine sozialethische Desorientierung für Jugendliche unter 18 Jahren, so die Meldung der KJM weiter.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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„Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“

Eine zweite Beanstandung gab es für eine Folge der Sendung „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“. Die Sendung wurde in zwei Sendeteilen ab 20.15 Uhr ausgetrahlt – die KJM sah hingegen die Sendung als inhaltlich zusammenhängend an. In der Sendung stellen sich die beiden Moderatoren extremen Herausforderungen. Die KJM problematisierte besonders die Sequenz, in der einem der Protagonisten die Lippen zugenäht werden, sowie die Bestrafungen eines der Protagonisten durch Boxschläge gegen den Kopf und mittels Stromschlägen in die Oberarme. Die Sendung hätte aufgrund der Entwicklungsbeeinträchtigung für Kinder oder Jugendliche unter 16 Jahren erst ab 22 Uhr ausgestrahlt werden dürfen, so die Meldung der KJM weiter.

Entwicklungsbeeinträchtigung bei „1000 Wege ins Gras zu beißen“

Eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 18-Jährige (Sendezeitgrenze 23 Uhr) stellte die KJM auch bei der Sendung „1000 Wege ins Gras zu beißen“ (Episode 031) fest, die der Sender DMAX ab 22.15 Uhr zeigt. In der Sendung werden skurrile tödliche Unfälle nachgestellt und mit zynischen Kommentaren versehen. Insbesondere bei gefährdungsgeneigten Jugendlichen könne eine Empathiestörung nach der Rezeption der zynischen Darstellungen von sterbenden Menschen nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der spekulativen und voyeuristischen Visualisierung des Sterbens vermittele sie sozialethisch desorientierende Einstellungen zum Umgang mit den Themen Tod und Sterben, so die Meldung weiter.

„taff“ in der Kritik

Eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 12-Jährige (Sendezeitgrenze 20 Uhr) stellte die KJM bei einer Folge der Sendung „taff“ (ProSieben; 17 Uhr) fest. In einem Beitrag ging es um Jugendgewalt. Dabei wurden Videoaufnahmen mit drastischen Gewaltdarstellungen gezeigt, z. B. wie einer am Boden liegenden Person mehrfach gegen den Kopf getreten wird. Die KJM wertete die Sendung als entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder unter 12 Jahren.

Unzulässige Ausstrahlung von Werbung für SMS-GURU

In einem Fall stellte die KJM eine jugendschutzrechtlich unzulässige Ausstrahlung von Werbung fest: Der Sender VIVA strahlte ab 10:02 Uhr die Sendung „SMS GURU“ aus. Nach Auffassung der KJM handelt es sich bei der Sendung um Werbung, die sich auch an Kinder und Jugendliche richtet und deren Unerfahrenheit ausnutzt.

Verstöße gesamt

Insgesamt hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) im ersten Halbjahr 2014 insgesamt 29 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) festgestellt.

Indizierungen

In 98 Fällen habe die KJM im ersten Halbjahr 2014 die Indizierung eines Telemedienangebots bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) beantragt. Die Anträge bezogen sich zum Großteil auf Internetangebote mit pornografischen Darstellungen, aber auch auf solche mit rechtsextremistischen oder gewalthaltigen Inhalten.

In weiteren 126 Fällen habe die KJM eine Stellungnahme zu Indizierungsanträgen anderer antragsberechtigter Stellen bei der BPjM abgegeben, die von der BPjM bei ihrer Entscheidung maßgeblich zu berücksichtigen seien. Bei diesen Anträgen war eine Vielfalt an inhaltlichen Themen, wie pornografische, gewalthaltige oder rechts-extremistische Inhalte, Darstellungen von Kindern und Jugendlichen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung sowie Angebote, die die Krankheit Anorexia Nervosa und ein extremes Schlankheitsideal als erstrebenswerten Lifestyle glorifizieren, festzustellen, so die Meldung weiter.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Flu sagt:

    Der prominente Studiogast war übrigens Matthias Schweighöfer. Die Sendung hatte ich selber noch gesehen. Am nächsten Tag sollte Schweighöfer übrigens im Frühstücksfernsehen seine Promo-Termine fortsetzen, wo er allerdings nicht mehr aufgetaucht ist. Das wurde dann natürlich schnell in Verbindung mit der besagten Sendung am Tag zuvor gebracht. 🙂
    Sowas darf man aber nicht immer alles so ernst nehmen, das muß eben auch mal sein. Wir sehen sowieso alles immer viel zu kritisch, da kann man doch über ein paar Gläschen Wodka eigentlich nur lachen. Vor allem um diese Sendezeit. Getrunken wurde ja noch etwas später und besoffen war deshalb auch noch keiner. Also alles halb so wild.

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