Jugendmedienschutz

Kinder-Apps nicht kindgerecht

Die Verbraucherzentrale hat in einer aktuellen Untersuchung im Rahmen des Projekts „ Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ herausgefunden, dass Kinder-Apps nicht kindgerecht sind. Insgesamt wurden 32 kostenlose Kinder-Apps unter die Lupe genommen.

Vermeintlich kostenlose Apps verführen zum Kauf

Einige kostenlose Apps halten nicht was sie versprechen. Man beginnt zu spielen und nach wenigen Minuten hört der Spielspaß schon wieder auf.  Zur Fortsetzung des Spiels wird man aufgefordert einen sogenannten „In App Kauf“ zu tätigen. Investiert man das Geld nicht, erweist sich die App schnell als nutzlos. Ein anderer Trick, der zum Kauf bewegen soll, besteht darin den Spieltrieb durch Wartezeiten zu unterbrechen. Diese Wartezeiten dauern teilweise bis zu sieben Stunden an. Eine Geduldsprobe, die gerade für Kinder kaum zu ertragen ist. Das wissen die Betreiber dieser Apps natürlich und machen es den Kindern leicht, diese Wartezeiten zu beenden. Mit einem Klick kann man die Abbuchung des nötigen Betrages über seine Telefonrechnung oder die Prepaid-Karte des Smartphones veranlassen. Die Höhe der Kaufpreise für den In-App-Kauf variiert dabei zwischen wenigen Cent und hohen zweistelligen Euro-Bereichen.

Werbung bei Kinder-Apps ist nicht altersgemäß

Auch bei Kinder-Apps gibt es integrierte Werbung. Problematisch daran ist, dass diese nicht immer deutlich genug von den Inhalten getrennt ist und die Kinder dadurch Werbeinhalte zu sehen bekommen, die nicht altersgemäß sind. Zum Teil handelt es sich dabei auch um Inhalte, die die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen können. Dazu zählt beispielsweise die Werbung für ein Online-Casino oder einen Flirt-Chat. In manchen Fällen, legt sich die Werbung sogar über den gesamten Bildschirm fest und es braucht erst ein paar Handgriffe um diese wieder zu entfernen.

Kinder-Apps sind eng verbunden mit Facebook und Co.

Als kritisch betrachtet die Verbraucherzentrale auch, dass die Kinder-Apps mit den sozialen Medien wie Facebook und Twitter verbunden sind. Die persönlichen Daten der Kinder sind dadurch nicht mehr genügend gesichert. Zudem bedarf eine Übertragung solcher Daten immer der Einwilligung der Eltern, was unter diesen Umständen ebenfalls nicht gegeben wäre. Kinder werden zur Übertragung ihrer Daten verleitet, indem sie aufgefordert werden eine der Anwendungen auszuführen. Gelockt werden sie mit dem Gewinn virtueller Güter, die sie zum Weiterspielen benötigen.

Der kindliche Spieltrieb wird hier manipuliert. Der BGH hatte vor kurzem entschieden, dass Kinder nicht durch Werbung zum Kauf von Spielgegenständen animiert werden dürfen. Möglicherweise ergeht eine ähnliche Entscheidung auch bald in Bezug auf solche vermeintlichen Kinder-Apps.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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