Jugendmedienschutz

Jugendmedienschutz: KJM rügt „Galileo“

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat die Verstöße gegen den Jugendmedienschutz im zweiten Halbjahr 2014 verkündet. Unter anderem wurde die Pro7 Sendung Galileo gerügt.

Insgesamt habe die KJM 50 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) zweiten Halbjahr 2014 festgestellt, so die Meldung der KJM. 18 davon kommen aus dem Rundfunk-, 32 aus dem Telemedienbereich.

Hier finden Sie Informationen zum Jugendmedienschutz

Bildnachweis: 2 girls and a boy at the laptop | Ingo Bartussek | Fotolia

„Galileo“

Eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 12-Jährige (Sendezeitgrenze 20:00 Uhr) stellte die KJM u. a. bei der Sendung „Galileo“ fest. In einem Beitrag der Sendung, die ab 19:05 Uhr auf Pro7 ausgestrahlt wird, ging es um die Frage, was passiert, wenn man seine Zunge an eine vereiste Metallstange hält und wie die Folgen physikalisch zu erklären sind.

In diesem Zusammenhang wurden Internet-Videos von Menschen gezeigt, die sich in einer für sie misslichen Lage befanden. Der Beitrag spielte bewusst mit einer gewissen Schadenfreude und Sensationslust, so die Meldung weiter. Dabei sei weder auf die Gefahren der Verletzungen hingewiesen worden, noch vor Nachahmungen gewarnt. Abschließend wurden die Zuschauer dazu aufgefordert ähnliche Videos zu drehen, damit man auch weiterhin etwas zum Lachen habe. Nach Auffassung der KJM ist der Beitrag entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder unter 12 Jahren.

„Steven liebt Kino“

Ebenfalls eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 12-Jährige sah die KJM bei der Pro7 Sendung „Steven liebt Kino“, die um 10:50 Uhr läuft und in der aktuelle Kinofilme vorgestellt werden. In einer Folge wurden u. a. die Filme „Devil’s Due – Teufelsbrut“ und „Sabotage“ vorgestellt. Die horrorähnlichen Ausschnitte aus dem Film „Devil’s Due – Teufelsbrut“ können Kinder unter 12 Jahren nachhaltig ängstigen, so die Meldung der KJM weiter. Der Bericht über den Film „Sabotage“ zeige durchgängig Gewalt- und Actionszenen, die bei unter 12-Jährigen zu einer emotionalen Überforderung führen können, da keine Entlastungsszenen oder Erklärungen folgen.

Rügen bei ProSieben Maxx

Zweimal stellte die KJM auch eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige (Sendezeitgrenze 22:00 Uhr) beim Pro7-Ableger ProSieben Maxx fest. Der Sender hatte an zwei Tagen jeweils ab 20:15 Uhr die dritte Staffel der US-Serie „Die Borgias“ ausgestrahlt. Nach Ansicht der KJM handele es sich an beiden Abenden um jeweils eine inhaltlich zusammenhängende Sendung. Die Serie spielt im 15. Jahrhundert und handelt von Machterhaltung und -gewinnung der Familie Borgia durch Gewalt, Mord und Verrat. Gewalt- bzw. Ermordungs- und Folterszenen seien dabei oft ausführlich ausgespielt und Verletzungen seien meist deutlich im Bild zu sehen, so die Meldung weiter. Dabei werden diese Bilder häufig durch zynische bzw. verachtende Kommentare der Täter begleitet. Außerdem werden sexuelle Handlungen teilweise explizit dargestellt, wie z. B. im Falle einer inzestuösen Beziehung, die zudem nicht kritisch hinterfragt wird. Nach Auffassung der KJM sei die Sendung für Kinder oder Jugendliche unter 16 Jahren entwicklungsbeeinträchtigend.

„Joko gegen Klaas“

Auch die Wiederholung der Sendung „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ auf ProSieben Maxx wurde erneut gerügt. Dort wurden die beiden Sendeteile ab 20:15 Uhr gesendet. Die KJM problematisierte erneut besonders die Sequenz, in der einem der Protagonisten die Lippen zugenäht werden, sowie die Bestrafungen eines der Protagonisten durch Boxschläge gegen den Kopf und mittels Stromschlägen in die Oberarme. Nach Auffassung der KJM ist die Sendung für Kinder oder Jugendliche unter 16 Jahren entwicklungsbeeinträchtigend.

„Mein Mann kann“

Auch gerügt wurde eine Folge der Spiel-Show „Mein Mann kann“ auf Sat.1. In einem Spiel musste eine Frau mit einem Polstertacker Klammern in verschiedene Körperteile ihres Mannes einbringen. Aufgrund des Nachahmungspotentials und der fehlenden kritischen Einordnung bzw. der Verharmlosung der Risiken, sei die Sendung nach Auffassung der KJM entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder oder Jugendliche unter 16 Jahren, so die Meldung weiter.

Indizierungen

In 148 Fällen habe die KJM im zweiten Halbjahr 2014 die Indizierung eines Telemedienangebots bei der BPjM beantragt. Die Anträge bezogen sich zum Großteil auf Internetangebote mit pornografischen Darstellungen, aber auch auf solche mit rechtsextremistischen oder gewalthaltigen Inhalten.

In weiteren 129 Fällen gab die KJM eine Stellungnahme zu Indizierungsanträgen anderer antragsberechtigter Stellen bei der BPjM ab, die von der BPjM bei ihrer Entscheidung maßgeblich zu berücksichtigen sind. Bei diesen Anträgen war eine Vielfalt an inhaltlichen Themen, wie pornografische, gewalthaltige oder rechtsextremistische Inhalte oder Darstellungen von Kindern und Jugendlichen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung festzustellen, so die Meldung weiter.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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