Jugendmedienschutz

ARD/ZDF: Jugendkanal nur im Internet

Der gemeinsam von ARD und ZDF geplante Jugendkanal wird lediglich im Internet auf Sendung gehen, so die Entscheidung der Ministerpräsidenten der Länder.

Es gab viele Diskussionen um den Jugendkanal, ARD und ZDF wollten mit dem trimedialen Modell den Anschluss an die junge Zielgruppe knüpfen. Doch die Ministerpräsidenten der Länder haben auf ihrer Sitzung beschlossen, dass der Jugendkanal lediglich im Internet realisiert werden soll.

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Bildnachweis: 2 girls and a boy at the laptop | Ingo Bartussek | Fotolia

Reaktion Marmor

Dennoch zeigte sich der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor erfreut:

„Das ist eine gute Nachricht für unser junges Publikum. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten haben ARD und ZDF ausdrücklich beauftragt, ein zusätzliches Angebot für unter 30-Jährige zu entwickeln. Dass es kein eigenes Programm im Fernsehen geben wird, erschwert allerdings den Start, aber wir werden alles daran setzen, gemeinsam mit dem ZDF ein gutes Angebot im Netz zu entwickeln.“

Reaktion Boudgoust

Der Intendant des federführenden SWR, Peter Boudgoust, ergänzte etwas kritischer:

„Die Beauftragung entspricht nicht dem ursprünglichen Konzept eines crossmedialen Angebots. ARD und ZDF hatten auf die konsequente Verschmelzung von Hörfunk, Online und Fernsehen gesetzt, ein innovativer, multimedialer, durchdachter Ansatz. Nun müssen wir uns auf eine Ausstrahlung im Internet beschränken. Das bringt Probleme mit sich, beispielsweise mit Blick auf Urheberrechte. Obwohl unser Konzept von vielen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt wurde, wird es nun schwerer, das Jugendangebot zum Fliegen zu bringen. Aber klar ist: Wir arbeiten weiter konsequent an jungen Programminnovationen. Das sind wir der jungen Generation schuldig.“

Reaktion Bellut

ZDF-Intendant Thomas Bellut begrüßte ebenfalls die Entscheidung: „Die Entscheidung der Ministerpräsidenten ist für uns ein Ansporn, noch mehr Angebote für junge Zuschauer zu machen. Das Internetportal ist eine perfekte Ergänzung zu ZDFneo und ZDFinfo, die bereits mit Erfolg ein jüngeres Publikum erreichen. Dafür brauchen wir dann aber auch mehr Bewegungsspielraum im Netz als bisher.“

Auswirkungen auf Digitalkanäle: Aus für ZDFKultur und EinsPlus

Allerdings hat der neue Jugendkanal im Internet direkte Auswirkungen auf das bestehende Angebot der Digitalkanäle: Um den gemeinsamen Jugendkanal zu realisieren werden die Digitalkanäle ZDFkultur und EinsPlus eingestellt, so die Meldung des ZDF.

45 Mio Euro für das neue Angebot

Insgesamt wollen ARD und ZDF maximal 45 Millionen Euro für das neue Angebot bereitstellen. Wie viel Personal beim ZDF für ein reines Onlineangebot notwendig sei, müsse noch geprüft werden, so das ZDF. Für ein Angebot mit klassischem TV-Kanal wären rund 30 Stellen notwendig gewesen. Allerdings befindet sich das ZDF gerade auf Sparkurs und muss aufgrund einer Auflage der KEF bis 2020 insgesamt rund 560 FTE (Full Time Equivalents) abbauen. Aus diesem Grund ist der Jugendkanal im eigenen Haus auch nicht unumstritten.

Reaktion VPRT

Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT), Dr. Tobias Schmid zeigte sich hingegen erfreut über die Einstellung der beiden Digitalkanäle: „Der VPRT nimmt erleichtert zur Kenntnis, dass die konzeptlose Expansion der öffentlich-rechtlichen Spartensender durch die Ministerpräsidentenkonferenz beendet wurde. Wir begrüßen die Einstellung von zwei Kanälen sowie den Stopp des am Bedarf vorbei konzipierten Jugendkanals von ARD und ZDF“, so Schmid laut einer Meldung des VPRT.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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