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Pornoproduzent kann 40.000 Euro monatlich mit Abmahnungen verdienen – Piraten leaken neue Dokumente

Update 13.12.2013 um 18h10: Soeben haben die Piraten die geheimen Abrechnungsdokumente der Kanzlei U+C veröffentlicht.

Die Dokumente zeigen erstmals, wie viel Geld sich mit Filesharing Abmahnungen verdienen lässt. Zwar stammen die Schriftstücke aus Oktober 2010 – einer Hochphase der Abmahnungen – trotzdem lassen sich auch die heutigen Umsätze gerade im Rahmen der aktuellen Redtube Abmahnungen erahnen: Der Abrechnung für einen einzelnen Rechtsinhaber beispielsweise zu entnehmen, dass im Oktober ein Gewinn von 24.000 € erzielt worden ist. 10 % davon sind als mögliche Gerichtskosten in einen Pool zurückgelegt worden.

Die Hälfte, also 12.000 € erhält die Kanzlei U+C. Der Rest in Höhe von 40 % (etwa 7000 €) wurde an den Rechteinhaber ausgeschüttet. Teilweise haben Pornoproduzenten bis zu 40.000 Euro mit den Abmahnungen verdient. Dass diese Abrechenweise illegal ist und möglicherweise einen Betrug gegenüber den Abgemahnten darstellt, hatten wir bereits nach dem gestrigen Leak berichtet.

Macht man sich jetzt klar, dass die Kanzlei U+C zeitweise mehr als 10 Rechteinhaber gleichzeitig vertreten hat (40 Rechteinhaber im Laufe der Jahre und hunderte von Werken.)

In der Kürze der Zeit, konnten wir noch nicht klären, ob die Ausschüttungen für die Kanzlei U+C nach oder vor Abzug aller Kosten geschah. Klar ist jedoch, dass größere sechsstellige Beträge monatlich für Kanzlei und Rechteinhaber zusammengekommen sind. Wir werden weiter berichten. (Update Ende)

Seit Tagen berichten wir über den Redtube Abmahnwahn und die Geschichte erscheint immer verworrener. Nun setzt Daniel Sebastian zum Gegenangriff an und erstattet seinerseits Anzeige gegen die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Werdermann/von Rüden.

Die Berliner Kanzlei hatte kürzlich Strafanzeige gegen Sebastian erhoben. Wer steckt nun mit wem unter einer Decke? Ist das alles nur ein großer Betrug? Wie sollen sich Internetnutzer in Zukunft verhalten? Wir wollen zum Ende der Woche die wichtigsten Facts und News einmal zusammenfassen, bevor heute Abend die nächsten geheimen Fakten geleakt werden. Diesmal werden die geheimen Konten der Abmahnkanzlei U+C veröffentlicht.

Die Zahlen

Innerhalb von einer Woche sind schätzungsweise 10.000 bis 20.000 Internetnutzer abgemahnt worden. Sie werden aufgefordert 250 Euro für das Schauen bestimmter Porno-Filme auf der Seite Redtube zu zahlen.

Der Verdacht

Bezüglich der Abmahnungen gibt es Ungereimtheiten. Zum ersten Mal wird wegen Streaming abgemahnt. Dabei galt das Streaming bisher als „abmahnsicher“. Die Juristen streiten, ob das Streaming überhaupt um eine urheberrechtlich relevante Verletzungshandlung darstellt. Unklar ist aber vor allem, wie die Rechteinhaber, beziehungsweise die beauftragte Kanzlei (U+C) an die IP Adressen kamen.

Offiziell heißt es, dass die Adressen über eine Software namens GladeII 1.1.3 ermittelt wurden. Recherchen haben jedoch ergeben, dass es vermutlich keine solche Software gibt. Die Software soll von der Firma itGuards Inc. aus den USA stammen. Wer jedoch nach der Firma sucht findet nur ein Postfach und die Information, dass die Firma erst Anfang des Jahres gegründet wurde. Dies erscheint reichlich verdächtig. (Quelle http://blog.kowabit.de/porno-sein/)

Doch wie wurden dann die IP Adressen ermittelt? Es gibt zu diesem Thema einige Theorien, die nach den Aussagen der Abgemahnten gar nicht abwegig erscheinen. Möglich ist, dass die Abgemahnten Opfer eines Virus oder einer anderen Malware wurden. Diese könnten per E-Mail oder über eine manipulierte Webseite übertragen worden sein. Die Viren hätten dafür gesorgt, dass die Internetnutzer beim Surfen überwacht werden. Möglich ist auch, dass die Nutzer teilweise über eine umgeleitete Adresse auf die Porno Seite gelockt wurden.

Dies würde auch den plötzlichen Anstieg der Besucherzahl auf die abgemahnten, eigentlich unbeliebten Redtube Videos erklären. (Quelle: http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Besucherstatistik-der-RedTube-Videos-lueftet-Amanda-s-Geheimnis/forum-271269/msg-24510604/read/)

Die Theorie, dass Redtube mit der Abmahnkanzlei zusammenarbeitet und selbst die IP Adressen herausgegeben hat, erscheint unwahrscheinlich. Das Unternehmen Redtube erklärte in einer Stellungnahme, dass die Abmahnungen die Rechte der Betroffenen User erheblich verletze und dass zu keinem Zeitpunkt Kundendaten an eine Kanzlei oder eine entsprechende Behörde weitergegeben wurden.

Unabhängig davon wie die IP Adressen ermittelt worden sind, sind auch Fehler bei der Auskunft durch die Provider nicht ausgeschlossen. Ein Whistleblower berichtet von einem Fall, in dem der Provider Telefonica tausende Adressen mit einer falschen Zeitzone ermittelt hatte, sodass zahlreiche Betroffene zu Unrecht abgemahnt wurden. Die Kanzlei U+C habe jedoch daraufhin nicht die Abmahnschreiben zurückgezogen.

Was, wenn es hier tatsächlich um progressives Downloading ging?

Große Unsicherheiten entstanden als Urmann die Abmahnungen damit rechtfertigte, dass es sich hier nicht um reines Streaming handelte, sondern um progressives Downloading. Viele Internetnutzer haben dieses Argument nicht verstanden und sich gefragt, woran man den Unterschied beim Surfen im Netz erkennen kann. Einer unserer Leser namens „Seatmic“ hat die Unterschiede zwischen Streaming und Progressivem Download ganz gut zusammengefasst und uns als Kommentar zur Verfügung gestellt:

Progressiver Download:

Hier wird das Video auf den lokalen Rechner heruntergeladen und in einer temporären Datei abgespeichert. Dementsprechend startet das Video erst dann, wenn die Videodateien lokal auf dem Rechner vorhanden sind. Schnell ans Ende des Videos springen ist nicht immer möglich, denn zuerst müssen die Dateien auf dem Rechner vorhanden sein.

Die technischen Standards sollen auch nicht unerwähnt bleiben: Das Video wird auf den Rechner mit einem HTTP-Protokoll geschickt. Das HTTP-Protokoll wird von Standard-Homepages verwendet.

Streaming:

Das gestreamte Video wird von einem Streaming Server aus in den Player hineingeladen und wird nicht lokal auf ihrem Rechner gespeichert. Gestreamte Videos erkennt man daran, dass man innerhalb eines Videos ohne Zeitverzögerung direkt an eine beliebige Stelle springen kann. Die Datenübertragung kann reguliert werden, folglich wird auch die benötigte Bandbreite geringer, denn es wird nur die Datenmenge heruntergeladen, die auch wirklich betrachtet wird.

Technisch bietet die Streaming Variante, die via RTMP-Protokoll übertragen wird, noch einen Vorteil: Die Inhalte sind nicht lokal gespeichert und können somit nicht nicht ohne weiteres kopiert werden.

Tatsächlich gibt es Meinungen, dass die Privilegierung nach § 44a UrhG dann nicht mehr greifen soll. Zumindest gilt dies für den Progressiven Download mit dauerhafter Speicherung. Da ich selbst die Auffassung vertrete, dass hier § 53 UrhG einschlägig ist, dürfte dieses Argument hinfällig sein. Jedenfalls reichte es wohl, um in den Schreiben an das Landgericht Köln von Download Plattform zu sprechen. Internetnutzer sollten sich im Falle des Streamings auf nicht offensichtlich illegalen Plattformen somit nicht allzu große Sorgen machen, wenn sie den Unterschied nicht kennen.

Die bisherigen Konsequenzen der Redtube Abmahnungen

Viele Abmahnende haben, entweder mit Hilfe eines Rechtsanwalts oder im Alleingang mit Hilfe eines Rechtskundigen Bekannten, gegen die Abmahnschreiben Widerspruch eingelegt. Das war unserer Ansicht nach das einzig Richtige. Betroffene sollten weder die Unterlassungserklärung unterschreiben, noch die 250 Euro zahlen. Dies gilt nach wie vor, auch für noch kommende Abmahnungen.

Einige erwägen zusätzlich eine Beschwerde gegen die Beschlüsse des Landgerichts Köln einzulegen. Unserer Ansicht nach ist dies ein weiterer richtiger Schritt, um sich zu wehren. Die Beschlüsse sind mit großer Wahrscheinlichkeit rechtswidrig ergangen. Das LG Köln hat nach unseren Erkenntnissen zwei entscheidende Fehler begangen. Zum einen hat es die Hintergründe für die gestellten Anträge nicht recherchiert und zum anderen hat es die wenigen entscheidenden Informationen aus den Anträgen vertauscht und falsch zugeordnet.

Der „Download“ ist nicht gleich zu setzen mit einer „Tauschbörse“. Die ergangenen Beschlüsse greifen in das Grundrecht des Fernmeldegeheimnisses (Art. 10 GG) ein. Ein Eingriff in Grundrechte ist nur rechtmäßig, wenn er auch verhältnismäßig ist. Davon ist bei einem vermeintlichen Schadensersatzanspruch in Höhe von 15 Euro nicht auszugehen.

Wie oben bereits erwähnt hat die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Werdermann/von Rüden gegen den Rechtsanwalt Daniel Sebastian, der die Auskunftsanträge beim LG Köln gestellt hat, strafrechtliche Schritte eingeleitet und Anzeige erstellt. Daniel Sebastian reagierte mit einer Gegenanzeige. Diesem Beispiel sind auch viele Abgemahnte gefolgt. Wir raten jedoch von einer Strafanzeige ab.

Angesichts der hohen Zahl der Abgemahnten, würde auf die Staatsanwaltschaft eine hohe Arbeitsbelastung zukommen, die im Ergebnis vermutlich zu einer Einstellung der Verfahren führen würde. Es reicht, wenn der Fall einmal zur Strafanzeige gebracht wird. Die Chancen stehen dann gut, dass sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall ausgiebig auseinandersetzt.

Massenabmahnungen als Betrug?

Gestern hat die Piratenpartei erste Informationen geleakt, die den Verdacht auf ein betrügerisches Handeln der Kanzlei U+C und der Rechteinhaber in Abmahnverfahren erhärtet. Die veröffentlichten Dokumente beweisen, dass in solchen Massenverfahren rechtswidrige Gebührenabsprachen zwischen den Rechteinhabern und den abmahnenden Kanzleien bestehen. Sie sollen vereinbart haben sich den Gewinn zu teilen und zwar nur dann, wenn der Abgemahnte die Rechnung bezahlt.

Welche Vereinbarungen die Kanzlei U+C in den aktuellen Redtube-Streaming Fällen mit der Mandantin The Archive AG getroffen hat, ist uns nicht bekannt. Allerdings lassen diese Tatsachen aufhorchen. Mehr zu den illegalen Gebührenvereinbarungen in Abmahnverfahren erfahrt ihr hier: https://www.wbs-law.de/abmahnung-filesharing/abmahnkanzleien/abmahnung-u-c-rechtsanwaelte/piratenpartei-veroeffentlicht-geheime-uc-mandantenvereinbarung-49185/

Alle aktuellen Informationen könnt ihr auf der Webseite des Piratenradios abrufen: http://kraehennest.piraten-wagen-mehr-demokratie.de/ShowFeed.aspx?Podast=Kr%C3%A4hennest&id=13696

Heute Abend gibt es dort bereits neue Informationen. Der Fall bleibt spannend!