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Lehrer zeigt 14-jährige Schülerin wegen Beleidigung bei Facebook an

Update 07.06.2016 um 16h01: Das Amtsgericht hat die Schülerin wegen Beleidigung zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. (Update Ende)

Eine Schülerin hat ein zuvor heimlich aufgenommenes Foto ihres Lehrers bei Facebook gepostet und diesen öffentlich als „Behinderter Lehrer ever“ bezeichnet. Über Dritte erfuhr der Lehrer von diesem Post und entschied, dass schulische Erziehungsmaßnahmen in so einem Fall nicht ausreichen. Er erstattete Anzeige gegen die 14-jährige Schülerin. Der Fall wird heute vor dem Amtsgericht Düsseldorf verhandelt.

Der Ausgang des Verfahrens ist noch ungewiss. Bei der Beurteilung, ob im juristischen Sinne eine Beleidigung vorliegt, spielen auch die Begleitumstände eine Rolle. Es kommt unter anderem auf das persönliche Verhältnis der Beteiligten zueinander an. Insbesondere sind Alter und Bildungsgrad des Täters zu berücksichtigen. Hier handelt es sich um eine 14-jährige Schülerin, die eine Sonderschule besucht. Möglicherweise herrscht in diesem Umfeld ein eher lockerer, zuweilen harscher Umgangston.

Schülerin hat auch Persönlichkeitsrechte verletzt

Die Schülerin hat sich unabhängig von einer möglichen Strafe wegen Beleidigung auch rechtswidrig verhalten, indem sie heimlich ein Foto aufgenommen hat und dieses in einem sozialen Netzwerk öffentlich zugänglich gemacht hat. Der Lehrer und auch Mitschüler haben ein Recht am eigenen Bild. Ohne Einwilligung des Betroffenen dürfen keine Bilder gemacht und im Netz veröffentlicht werden. Das ist eine Persönlichkeitsrechtsverletzung. Das Verbreiten der Bilder über Facebook gilt auch als öffentlich, wenn das Bild nur für „Freunde“ sichtbar ist. In der Regel haben die Nutzer mehr als hundert Freunde. Von einem privaten Rahmen kann hier nicht mehr gesprochen werden. Die Betroffenen können Unterlassungsansprüche im Wege einer teuren Abmahnung geltend machen.

Auch die heimliche Tonaufnahme kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen

Rechtswidrig handelt auch derjenige, der heimlich im Klassenzimmer Gespräche aufnimmt. Hier droht eine Strafe nach §201 StGB. Die Norm schützt die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes und stellt die Aufnahme und Veröffentlichung heimlich aufgenommener Gespräche unter Strafe.

Schüler sollten sich bewusst sein, dass Lehrer und Mitschüler Rechte haben, die es auch im Rahmen der sozialen Netzwerke zu achten gilt. Wenn die Gespräche, die früher auf dem Pausenhof stattfanden über das Internet öffentlich werden, dann kommt es manchmal auch zu dem ungewöhnlichen Fall, dass Lehrer und Schüler sich vor Gericht widertreffen. (JEB)

Für Lehrer hilft diese Übersicht im Umgang mit ehrverletzenden Aussagen durch Schüler oder Eltern: Ehrschutz in der Schule

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