IT-Recht

WhatsApp – Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern

Das Oberlandesgericht Hamm hat mit Beschluss vom 14.01.2016 (Az. 4 RVs 144/15) einen 55 jährigen Mann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. Der Täter hatte einem 9 Jahre alten Mädchen anzügliche WhatsApp -Nachrichten geschickt. Unter anderem hatte er das Mädchen gefragt, ob sie eine schöne Nacht mit ihrem Freund gehabt habe, sie ihm eine Freundin „vermitteln“ könne und man dann etwas zu „viert machen könne“.

 WhatsApp - Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern © Scanrail - Fotolia

WhatsApp – Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern © Scanrail – Fotolia

Sexueller Missbrauch von Kindern durch Chatten über WhatsApp

Ende 2014 hat ein 55 Jahre alter Mann Kontakt zu einem 9 Jahre alten Mädchen über den bekannten Messenger WhatsApp aufgenommen. Im Rahmen des Chat-Gesprächs hatte der Mann dann begonnen private Fragen zu stellen. Er hat sich dabei nach dem Freund der Neunjährigen erkundigt und erfahren wollen, ob die „Nacht schön gewesen sei“. Er fragte das Mädchen dann auch, ob sie eine Freundin habe, die sie an ihn „vermitteln“ könne. Anschließend schlug er vor, dass man doch auch etwas „zu viert machen“ könne. Weitere vom Täter versandte Nachrichten hat dann nicht mehr das minderjährige Kind, sondern die Mutter gelesen, da sie die Kontrolle über das Handy übernommen hatte. Das Amtsgericht Beckum verurteilte den 55 jährigen in erster Instanz zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.

Revision hat keinen Erfolg – Urteil bestätigt

Der Täter hat sich gegen die Verurteilung wehren wollen und ist in Revision gegangen. Das OLG Hamm hat das erstinstanzliche Urteil des AG Beckum nun im Ergebnis bestätigt. Nach Ansicht des Gerichts habe der Täter strafrechtlich relevant auf das neun Jahre alte Mädchen eingewirkt. Mit der Frage, ob man „zu viert etwas machen“ könne, habe der 55 jährige die Neugier des Kindes wecken wollen. Das Gericht stützt die Verurteilung des Angeklagten auf § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB. Nach dieser Vorschrift strafbar ist die Einwirkung auf Kinder mittels Schriften oder sonstiger Informations- oder Kommunikationstechnologie, um diese zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Auch wenn der Angeklagte das Kind noch nicht wiederholt gedrängt oder überredet habe, reiche die übersandte WhatsApp Nachricht und gleichzeitige Anspielung auf gemeinsame sexuelle Handlungen zu einer Verurteilung aus. Letztlich spiele es für die strafrechtliche Beurteilung auch keine Rolle, ob sich die Beteiligten aus dem privaten Leben kennen oder nicht. Der Straftatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern setze nicht voraus, dass sich Täter und Opfer unbekannt sein müssen.

Fazit

Sexueller Missbrauch von Kindern setzt keine tatsächlichen sexuellen Handlungen voraus. Schon die schriftliche Kommunikation per Chat, E-Mail oder SMS, mit dem Ziel Kinder zu sexuellen Handlungen zu bewegen, kann für eine Verurteilung ausreichend sein. Täter nutzen oftmals die vermeintliche Anonymität im Internet, um das Interesse oder die Neugier von Kindern zu wecken. Nicht selten möchten Täter so erreichen, dass Kinder – nach einem erfolgreichen Vertrauensaufbau – auch privaten Treffen zustimmen. Betroffene sollten zeitnah Strafanzeige stellen, um die Identifizierung der Täter und die strafrechtliche Verfolgung zu ermöglichen.(NIH)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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