IT-Recht

WhatsApp: Datenweitergabe an Facebook – Was können Nutzer tun?

WhatsApp hat mitgeteilt, dass Nutzerdaten von WhatsApp-Nutzern gespeichert und an Facebook weitergegeben werden. So sollen die Mobilfunknummer und Informationen über die Art und Dauer der Nutzung und der gespeicherten Kontaktdetails des Telefonbuches erfasst und geteilt werden.

 WhatsApp: Datenweitergabe an Facebook – Was können Nutzer tun? © Scanrail - Fotolia

WhatsApp: Datenweitergabe an Facebook – Was können Nutzer tun? © Scanrail – Fotolia

Neue Nutzungs- und Datenschutzbedingungen

WhatsApp hat auf dem firmeneigenen Blog mitgeteilt, dass die eigenen Nutzungs- und Datenschutzbedingungen geändert worden sind. Ab sofort wird es bestimmte Daten der Nutzer wie Mobilfunknummern, verbundene Kontakte und Informationen über das Nutzungsverhalten mit Facebook teilen und damit zur Auswertung und Nutzung zu Verfügung stellen. Facebook wird die Daten dann sowohl zur Verbesserung technischer Abläufe, als auch für personalisierte Werbung nutzen.

Was bezwecken WhatsApp und Facebook?

WhatsApp erhofft sich unter anderem eine Reduzierung von Spam-Nachrichten und eine verbesserte Auswertung der Nutzer-Statistiken. Facebook wird die gewonnenen Informationen für die Verbesserung der technischen Infrastruktur, für personalisierte Werbemöglichkeiten und verbesserte Freundes-Vorschläge nutzen.

Verschlüsselung bleibt bestehen

WhatsApp betont weiterhin, dass die Verschlüsselung der Kommunikationsinhalte der Nutzer weiterhin nur verschlüsselt übertragen werden. Die versendeten und empfangenen Nachrichten werden also auch weiterhin für WhatsApp oder Facebook nicht auswertbar oder übertragbar sein.

WhatsApp bleibt werbefrei

Auch wenn es nun einige Informationen über Nutzer und Nutzerverhalten teilt, wird es auch zukünftig werbefrei sein.

Weitergabe fremder Telefonnummer – Datenrechtlicher Verstoß

Wie bereits mimikama.at berichtet hat, schreibt WhatsApp in den aktualisierten Datenschutzbestimmungen:

„Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Nummern zur Verfügung zu stellen.“

Es lässt sich durch diese Klausel bestätigen, dass jeder einzelne Nutzer berechtigt ist, die in seinem Telefonbuch gespeicherten Kontakte und Kontaktdetails an ein drittes Unternehmen weiterzuleiten. Wie auch schon Rechtsanwalt Gulden schreibt, stellt die Weitergabe einer fremden Telefonnummer an WhatsApp einen datenschutzrechtlichen Verstoß dar. Problematisch ist diese Regelung vor allem deswegen, weil diese vorherige Autorisierung im Regelfall nicht existiert. Theoretisch müsste nun jeder Nutzer alle Kontakte seines Telefonbuchs vor der weiteren Nutzung um die entsprechende Erlaubnis bitten. Im Einzelfall mag dies möglich sein, für den größten Teil aller Nutzer bedeutet diese Regelung jedoch, dass der Messenger eigentlich nicht weiter genutzt werden darf, solange die geforderte Erlaubnis zur Weitergabe der fremden Telefonnummern nicht besteht.

Können sich WhatsApp-Nutzer gegen die Datenweitergabe wehren?

Nein. Nutzer von  können sich nicht gegen die Datenweitergabe wehren. Unterbunden werden kann lediglich die Erlaubnis der Nutzung der geteilten Daten zur Verbesserung der „Erlebnisse mit Werbung und Produkten auf Facebook“. Das Unternehmen schreibt für den Fall des Widerspruches der Datennutzung durch Facebook auf der eigenen Internetseite:

Die Facebook-Unternehmensgruppe wird diese Information trotzdem erhalten und für andere Zwecke, wie Verbesserung von Infrastruktur und Zustellsystemen, des Verstehens der Art der Nutzung unserer bzw. ihrer Dienste, der Absicherung der Systeme und der Bekämpfung von Spam, Missbrauch bzw. Verletzungshandlungen.

Wie können sich WhatsApp-Nutzer gegen die Nutzung der Daten zu Werbezwecken wehren?

Neukunden, die sich nach dem 25. August 2016 angemeldet haben, werden wohl keine Rechte eingeräumt, die Nutzung der persönlichen Daten zur Verbesserung der Erlebnisse mit Werbung und Produkten auf Facebook zu unterbinden. Bestandskunden können bei der Zustimmung zu den neuen Nutzungsbedingungen in den Einstellungen eine entsprechende Option wählen oder in einem Zeitfenster von 30 Tagen nach vorbehaltloser Zustimmung in den Optionen das entsprechende Feld nachträglichen deaktivieren.

Fazit

Nachdem Facebook vor einiger das Unternehmen gekauft hat, wurde bereits in großem Umfang darüber gestritten, ob und wie Facebook zukünftig mit Nutzerdaten von WhatsApp-Kunden umgehen wird. Viele Experten haben stets betont, dass sie eine Datenweitergabe zwischen WhatsApp und Facebook auch schon in der Vergangenheit für ein reales Szenario gehalten haben. Von den jetzt angekündigten Plänen betroffen sind vor allem die Facebook-Nutzer, die bisher die eigene Mobilfunknummer nicht auf Facebook gespeichert haben. Eine erhebliche Einschränkung erfahren jedoch alle deutschen Nutzer, die sich keine vorherige Erlaubnis dazu erteilt haben lassen, die fremden und im Telefonbuch gespeicherten Telefonkontakte mit WhatsApp teilen zu dürfen. Theoretisch müsste die Nutzung solange beendet werden, bis alle gespeicherten Telefonkontakte der Weitergabe zugestimmt haben, um datenschutzrechtliche Verstöße zu vermeiden.

Zu erwarten ist, dass nur verhältnismäßig wenige WhatsApp-Nutzer den Messenger schlussendlich entfernen und ihren dortigen  Account löschen werden. Schon nach dem Kauf von durch Facebook war der Aufschrei groß. Viele Nutzer haben in dieser Zeit erhebliche Sorgen in Bezug auf den Datenschutz geäußert. Im Ergebnis hat WhatsApp jedoch durch den Verkauf an Facebook mittelfristig keine signifikante Zahl von Nutzern verloren. Aufgrund des enormen Verbreitungsgrades von werden die meisten Nutzer –  trotz kritischer Einschätzung der Datenweitergabe und weiterhin bestehender Bedenken hinsichtlich des allgemeinen Datenschutzniveaus – WhatsApp wohl auch in Zukunft nutzen. (NH)

Sicher ist das folgende Video interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (3)

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  1. Wiedemuth sagt:

    Besonders betroffen sind die Leute, die mit einem Alias-Namen einen Account bei Facebook haben (was durchaus ratsam ist), werden bei gleicher Mobilnummer so entdeckt und zur Korrektur gezwungen. Dadurch geht dann die erfolgreiche Anonymität verloren.

  2. Torsten P sagt:

    Wie stehen denn die Chancen auf eine Klage gegen alle, die nun ohne meine Erlaubnis meine Nummer an WA übermitteln? Ich selber bin seit Jahren schon kein WA Kunde mehr, möchte aber auch nicht dass andere Leute in dessen Adressbuch sich meine Daten befinden, diese Daten weitergeben.

  3. Raindrop sagt:

    ___Fremddaten-Abgabe___
    Handelt nicht der Nutzer nach dem Bestätigen der nun deutschen WA-AGB Aug./Sept. 2016 — nun demnach in Kenntnis, dass die weitergegebenen Freunde-Daten mit Facebook abgeglichen und, wie es dort heißt, „vermarktet“ werden — ab jetzt offiziell immer kommerziell, da er die aktualisierten Daten anderer immer bewusst für Vermarktung weitergibt und im Gegenzug-Geschäft für diese Leistung eine kostenlose App- und Server-Nutzung erhält und ist nun rechtlich doch haftbar? (BDSG..)
    Besteht durch die geforderte Selbst-„Autorisierung“ der Weitergabe-Befugnis fremder Daten durch den Nutzer selbst nicht immer ein Rechtsbruch, da sie nie für alle Zeit für alle (auch WA-Aussteiger)und für alle Daten (denn gesamter Adress-Speicher ist freigegeben – und wer weiß, wann bei einem Update irgendwann ggfs. alle Daten abgegriffen werden..) gültig abgegeben werden kann?
    Liegt bei einer solchen fehlerhaften Bestätigungsabfrage, weil bei Nutzung automatisch Rechtsbruch eintritt, und versteckten falschen Autorisierung nicht eine Nötigung (von WA) zum Begehen eines Rechtsbruches vor?
    Ist bei einem solchen massenhaften Rechtsbruch der Bevölkerung / gegen die Bevölkerung nicht das Einschreiten der Staatsorgane gefordert?

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