IT-Recht

Viele Reiseportale verletzten EU-Recht

Die EU-Kommission hat in Zusammenarbeit mit europäischen Verbraucherschützern über 550 unterschiedliche Reiseportale auf die Einhaltung europarechtlicher Vorgaben überprüft, die sich mit dem Thema Reisebuchung beschäftigt haben. Fast 400 der überprüften Internetseiten verstießen gegen geltendes Verbraucherrecht.

 

Verletzung von verbraucherschützenden Vorschriften gerügt

Die festgestellten Verstöße bei Reiseportalen drehten sich hauptsächlich um die Preisgestaltung bzw. Preisdarstellung sowie fehlende Informationen über Buchungsmöglichkeiten. Auffällig war auch, dass die Betreiber der Internetseiten versucht haben, durch voreingestellt gesetzte Häkchen bei Zusatzangeboten wie Versicherungen oder vorrangiges Boarding die Kosten in die Höhe zu treiben. Durch die voreingestellten Buchungshäkchen müssen Kunden diese kostenintensiven Zusatzleistungen manuell abwählen.Bessere Situation in Deutschland

Die deutschen Reiseportale schnitten nicht ganz so schlecht wie die europäischen Wettbewerber ab. Immerhin knapp zwei Drittel der getesteten Internetseiten haben die europarechtlichen Vorgaben erfüllt und eingehalten. Der für den Test in Deutschland verantwortliche Verbraucherzentrale Bundesverband hat festgestellt, dass in vielen Fällen die tatsächlich anfallenden Kosten erst zu spät am Ende des Buchungsvorganges angezeigt würden. Dies stellt eine Benachteiligung der Verbraucher dar.

Verbraucherschützer haben Klagen gegen Reiseportale eingeleitet

Insgesamt haben die Verbraucherschützer vier Klagen eingereicht. Die Fluggesellschaft Condor hatte die Darstellung der Buchungsmöglichkeit von Reiseversicherungen unzulässig präsentiert, da Kunden sich bewusst für oder gegen eine Reiseversicherung entscheiden mussten. Gegen die Fluggesellschaft Tuifly wurde Klage einreicht, weil das Unternehmen bewusst für eine Reiseversicherung warb, in dem mögliche Kosten in Höhe von 18.000 EUR angegeben wurden, sofern man ohne Reiseversicherung aufgrund eines Krankheitsfalles in die Heimat transportiert werden müsse.

Verbesserung der Situation bei Reiseportalen deutet sich an

Laut Neven Mimica, EU-Kommissar für Verbraucherpolitik, hat sich die Situation bereits verbessert. Zwei Drittel der Anbieter haben die Gestaltung der eigenen Internetseiten optimiert und an die gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Die Unternehmen, deren Internetseite immer noch nicht angepasst sei, würden weiterhin mit den zu Verfügung stehenden Mitteln dazu gedrängt die rechtlichen Standards einzuhalten.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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