IT-Recht

Scotland Yard entwendet aktiviertes iPhone, um es nicht entschlüsseln zu müssen

Heise.de berichtet, dass britische Polizisten einen Verdächtigen überrumpelt haben. Die Polizisten konnten dem Verdächtigen auf diese Weise sein aktiviertes iPhone entreißen. Zu diesem Zeitpunkt war das Smartphone noch entschlüsselt. Die Polizisten konnten sich mit dieser ungewöhnlichen Methode Zugriff auf das Telefon verschaffen, ohne die Verschlüsselung knacken zu müssen.

Scotland Yard entwendet aktiviertes iPhone, um es nicht entschlüsseln zu müssen © Scanrail - Fotolia

Scotland Yard entwendet aktiviertes iPhone, um es nicht entschlüsseln zu müssen © Scanrail – Fotolia

Verschlüsselung von iPhones

Die Verschlüsselung der auf iPhones genutzten iOS-Software gilt als nur schwer zu entschlüsseln. Selbst Experten von CIA und FBI hatten in der Vergangenheit größte Mühe Apple-Smartphones zu entschlüsseln. Sind die Telefone einmal mit TouchID oder Pin gesichert, lässt sich dieser Schutz – wenn überhaupt – nur mit größter Mühe umgehen.

Apple nicht bereit Hintertüre einzubauen

Immer wieder ist Apple auch in Konflikte mit dem FBI gekommen. Das FBI hatte wiederholt gefordert, dass Apple eine Art Sicherheitstür in seine Software programmiere solle, mit der US-Ermittler die Verschlüsselung bei Bedarf umgehen können. Apple-Chef Tim Cook hat solche Hintertüren in der Verschlüsselungssoftware stets ausgeschlossen.

Scotland Yard findet kreative Lösung

Britische Polizisten haben nun einen anderen Weg gesucht, um an die Telefondaten eines Verdächtigen gelangen zu können. Scotland Yard hatte lange Zeit gegen einen verdächtigen Kreditkartenbetrüger ermittelt. Der Mann stand in Verdacht gefälschte Kreditkarten hergestellt zu haben, mit denen dann in teuren Einkaufsläden gezahlt worden ist.

Polizei vermutet Beweismaterial auf Handy

Im Laufe der Ermittlungen hat sich dann ein klareres Bild ergeben: Der Verdächtigte kommunizierte nur über sein iPhone. Die Ermittlungsbehörde ist davon ausgegangen, dass auf dem iPhone des Verdächtigen hinreichendes Beweismaterial gespeichert war. Dieses benötigten die Polizisten für den Abschluss der Ermittlungen.

Umgehung der Verschlüsselung

Mit dem Wissen, dass die Verschlüsselung eines iPhones nur schwer zu knacken ist und der Sorge davor, dass der Verdächtige nach seiner Verhaftung die Freigabe seines Telefons verweigert, haben die Ermittler einen ungewöhnlichen Lösungsweg favorisiert. Die Polizisten haben den Verdächtigen längere Zeit observiert. Als der Verdächtige dann sein iPhone zum Telefonieren genutzt hat, haben die Polizisten zugeschlagen. Sie haben ihm das Telefon entrissen und haben sich entfernt. Das Telefon war zu diesem Zeitpunkt aufgrund des Anrufes noch entsperrt, konnte anschließend also von den Ermittlern ausgelesen werden.

Fazit

Das Vorgehen der britischen Polizei klingt kurios. Doch Smartphone-Nutzer sollten stets aufpassen, wenn sie ihr Telefon in der Öffentlichkeit benutzen. Auch Diebe versuchen nicht selten Telefone aus der Hand von Opfern zu reißen, um dann zu flüchten. (NH)

Sicher ist das folgende Video interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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