IT-Recht

Pornodarsteller identifiziert – Gesichtserkennungs-App FindFace missbraucht

Die russische App FindFace ermöglicht die Identifizierung einer Person anhand eines einzelnen Fotos. Ursprünglich als Möglichkeit angepriesen, um Menschen anhand eines Fotos auf digitalen Plattformen zu finden, wird die App heute von russischen Internetnutzern missbraucht. Amateur-Pornodarsteller werden identifiziert und ihr soziales Umfeld auf die Filme aufmerksam gemacht.

 Pornodarsteller identifiziert - Gesichtserkennungs-App FindFace missbraucht ©-Erwin-Wodicka-Fotolia

Pornodarsteller identifiziert – Gesichtserkennungs-App FindFace missbraucht ©-Erwin-Wodicka-Fotolia

Identifizierung per Gesichtserkennung

Das russische Unternehmen N-Tech.Lab hat im Februar dieses Jahres eine App vorgestellt, die eine Gesichtserkennung für jedermann möglich macht. Die Macher der App haben sich dabei selbst als Google-Konkurrenten gefeiert. Trotz der guten Erkennungsrate, wurde die App in den ersten Monaten nur recht wenig genutzt.

Identifizierung per Foto

FindFace ermöglicht die Identifizierung einer Person durch Gesichtserkennung. Die App analysiert ein hochgeladenes Foto und gleicht es mit den öffentlich zugänglichen Nutzerfotos des in Russland bekannten sozialen Netzwerkes vk.com ab. Ursprünglich sollte die App beim Online-Dating helfen und Menschen die Möglichkeit geben, im realen Leben gesehene Menschen ohne Probleme online identifizieren zu können.

Künstler macht die App bekannt

Der Künstler Egor Tsetkov hat die App im März für eine Aktion genutzt, die medial diskutiert wurde und den Gesichtserkennungs-Dienst in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Tsetkov fotografierte fremde Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel, identifizierte diese bei vk.com und veröffentlichte seine Arbeit. Die Öffentlichkeit kritisierte Tsetkov daraufhin für die Aktion, da die Privatsphäre der Menschen verletzt werde. Der Künstler selbst rechtfertigte seine Aktion damit, dass er auf bestehende Missstände in Bezug auf die Datensicherheit hat aufmerksam machen wollen.

Private Nachahmer in Forum

Nutzer eines bekannten Internetforums haben daraufhin FindFace genutzt, um Pornodarsteller zu identifizieren. Sie fertigten Screenshots von Pornofilmen an und suchten mit Hilfe der Gesichtserkennung nach Profilen auf vk.com. Die Ergebnisse wurden dann wohl unter anderem an soziale Kontakte der vermutlichen Pornodarstellerin geschickt.

N-Tech.Lab sieht keine Handlungsmöglichkeiten

Das für die Gesichtserkennungs-Software FindFace verantwortliche Unternehmen N-Tech.Lab sieht keine Möglichkeiten, eine missbräuchliche Anwendung der App zu verhindern. Das Unternehmen werde aber alles tun, um die Täter ausfindig zu machen, die die App missbräuchlich einsetzen.

Vorsicht im Umgang mit privaten Daten

Internetnutzer sollten sich stets darüber bewusst sein, dass das Internet kein anonymer Raum ist. Die Möglichkeiten einer Identifizierung und Entanonymisierung werden stetig steigen. Grundsätzlich sollten persönliche Daten und Fotos der eigenen Person nur begrenzt im Internet veröffentlicht werden. In sozialen Netzwerken empfiehlt es sich, die Privatsphäre-Einstellungen so zu bearbeiten, dass nur die direkten Freunde auf nähere Informationen zugreifen können. Darüber hinaus sollten die öffentlichen Suchmöglichkeiten nach Netzwerk-Profilseiten beschränkt werden. (NIH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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