GNU General Public Licence (GPL | GNU GPL)

Angesichts der immensen wirtschaftlichen Bedeutung von Open Source Software, ist ein grundlegendes Verständnis der entsprechenden Lizenzbedingungen für alle im und Softwarebereich Tätigen nahezu unerlässlich. Vor diesem Hintergrund soll die unter den zahlreichen Open Source Software Lizenzen wohl am weitesten verbreitete GNU General Public Licence (GNU GPL) im folgenden Beitrag überblicksweise skizziert werden.

Grundsätzlich gehört die GNU GPL zu den strengen Copyleft-Lizenzen (vgl. zu anderen Open-Source-Lizenzarten unseren Überblicksbeitrag). Dem Verwender der betreffenden Open Source Software ist also die Weiterverbreitung von Abwandlungen derselben regelmäßig nur zu den Bedingungen der ursprünglichen GNU GPL gestattet. Dem liegt das Ziel zugrunde, die Möglichkeit der freien und grundsätzlich unentgeltlichen Nutzung von ursprünglich quellcodeoffen entwickelter Software auch dauerhaft zu sichern.

Entwicklern von GPL-Software steht es dabei gegenwärtig frei, zwischen Version 2 (GPL v2) und der aktuellen Version 3 (GPL v3) der GNU GPL zu wählen. Nach letzterer ist es dem Verwender jedoch erlaubt, zumindest bei Weitergabe einer Softwarekopie ein Entgelt in beliebiger Höhe zu verlangen, sofern durch Einhaltung der sonstigen Lizenzbedingungen die Software Open Source bleibt.

Rechte des Nutzers

Unter GNU GPL lizenzierte Software darf von jedermann für jedweden Zweck, also auch für kommerzielle Ziele und grundsätzlich sogar als Mittel für die Erstellung proprietärer Software non-exklusiv genutzt und auch vervielfältigt werden. Aufgrund ihrer Quelloffenheit kann der Nutzer die Software ferner auf ihre Funktionsweise untersuchen und darf sie beliebig verändern, insbesondere fortentwickeln. Sowohl die Originalsoftware als auch die aus ihr entwickelten Abwandlungen dürfen in der Folge weiterverbreitet werden, wobei diese Vertriebsrechte nicht nur die Weitergabe auf Datenträgern sondern auch die Bereitstellung über das Internet umfassen. Neuere Softwareprodukte können ferner auch im Wege des Application Service Providing (ASP) bzw. als Software as a Service (SaaS) verbreitet werden.

Pflichten des Nutzers

Diesen weitreichenden Nutzungsrechten korrespondieren jedoch die für Open Source Lizenzen charakteristischen Pflichten des Lizenznehmers, wobei zwischen der Weiterverbreitung von unveränderten und abgeänderten Versionen der Software zu differenzieren ist. So sind beim Vertrieb der ursprünglichen Open Source Software neben einem Copyrightvermerk ein vollständiger Lizenztext der GPL sowie ein Hinweis auf den Ausschluss der Gewährleistung und Haftung für die GPL-Software (Erwerb der Software „as is“) beizufügen. Daneben wird der Verwender unabhängig von der Form der Weiterverbreitung verpflichtet, den Source Code mitzuliefern oder zu öffentlich bereitzustellen.

Sofern abgewandelte oder fortentwickelte Versionen der Ursprungssoftware verbreitet werden sollen, muss darüber hinaus auch auf vorgenommene Modifikationen und ihr Datum hingewiesen werden, so dass jeder von ihnen Kenntnis nehmen kann. Insbesondere aber ist das erwähnte Copyleft zu berücksichtigen: Wird die Open Source Software ganz oder in Teilen verändert, so sind diese abgewandelten Versionen ebenfalls unter die unveränderten Lizenzbedingungen  der GNU GPL zu stellen (Rücklizenzierung).

Viraler Effekt bei Open-Source-Hybriden

Für Entwickler und Softwareunternehmen kann dies insbesondere dann zu Problemen führen, wenn GPL-Software abgewandelt oder in selbstentwickelte Softwareprodukte integriert vertrieben werden soll. Denn wegen des Copylefts kann das eventuell unter Einsatz von hohem Aufwand entstandene Neuprodukt durch die Open Source Lizenz infiziert und damit kommerziell nahezu unverwertbar werden.

Dabei unterwirft die GNU GPL zwar nicht jede Softwarebearbeitung dem Copyleft, sondern gestattet die proprietäre Lizenzierung und damit die kommerzielle Verwertung des Neuprodukts, wenn kommerzielle und freie Programmen voneinander getrennt weitergegeben werden und kein sog. abgeleitetes Werk vorliegt. Erforderlich hierfür ist jedenfalls ein „unabhängiges und eigenständiges Datenwerk“, dessen Vorliegen nur anhand der technischen Umstände im Einzelfall feststellbar ist. Spätestens wenn also Softwareprodukte unter Vermischung von kommerzieller und GPL-Software geplant sind, ist eine Rechtsberatung sinnvoll, um Auswirkungen auf die Vermarktbarkeit rechtssicher einschätzen zu können. Auch ein Ausweichen auf unter hinsichtlich des Copyleft weniger strengen GNU Lesser General Public Licence (GNU LGPL) stehenden Softwarekomponenten kann unter Umständen zielführend sein.

Sonstige Problembereiche

Daneben ergeben sich wegen der starken Anlehnung der GNU GPL an das US-amerikanische Urheberrecht trotz ihrer grundsätzlichen Anerkennung durch deutsche Gerichte nach nationalem Recht eine Vielzahl weiterer Probleme. Insbesondere kann Softwareunternehmen, die Nutzungsrechte an GPL-Software oder Komponenten davon nach Regeln (ähnlich) des US-amerikanischem Rechts erlangen und ein abgeleitetes Softwareprodukt – sei es proprietär oder quelloffen – innerhalb der Bundesrepublik weiterverbreiten, im Ergebnis eine Art Haftungsfalle drohen. Denn nach den Open Source Lizenzbestimmungen wird dem OSS verwendenden Unternehmen gegenüber jedwede Haftung nach US-Recht wirksam ausgeschlossen. Da es sich bei den Open Source Lizenzbedingungen jedoch um Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) handelt, ist ein vollständiger Haftungsausschluss gegenüber Dritten nach deutschem Recht selbst bei unentgeltlicher Weitergabe des Neuprodukts nicht wirksam.

Um diesen Gefahren und den zahlreichen weiteren Unwägbarkeiten bei der Verwendung von GPL-Software oder unter anderen Lizenzen stehender anderer Open Source Software zu begegnen, ist im Einzelfall die Beratung durch einen spezialisierten Rechtsanwaltes ratsam.

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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