6. Teil: Veräußerung von Start-up Unternehmen – der Exit

Nachdem die richtige Idee und deren Umsetzung gefunden, die Finanzierung abgewickelt und der Betrieb ans Laufen gebracht wurde, werden im bestmöglichen Szenario nun große Umsätze und Gewinne im mehrstelligen Bereich erzielt. In diesem Zeitpunkt stellt sich die Frage, wie es nun weiter gehen soll. In der Regel erfolgt an diesem Punkt der Exit.

Dieser kann auf mehrere Arten erfolgen – schlussendlich ist das Resultat jedoch fast immer, dass das Unternehmen vollständig veräußert wird. Das bedeutet, dass die Gründer/Unternehmer und auch die Investoren Ihre Anteile veräußern und aus dem Unternehmen ausscheiden. Im besten Fall erhalten dann alle mehr als die ursprünglich geleistete Investition zurück. Ein anderer Grund zum Verkauf kann auch sein, dass ein Unternehmen trotz intensivem Arbeitsaufwand nicht dem entsprechend wächst und eine Veräußerung die letzte Möglichkeit ist, Verluste zu verringern und einen möglichen Ruin zu vermeiden.

Häufig wird in einem Vertrag mit den Investoren bereits vor ihrer Investition der Zeitpunkt und der Ablauf des Exits festgelegt. Hier ist Vorsicht geboten! Es ist schon vorgekommen, dass sich die Investoren hierbei unter anderem das Recht haben einräumen lassen, über den Verkaufszeitpunkt derart mitzubestimmen, dass sie die Gründer und sonstigen Beteiligten ohne weiteres überstimmen können. Es ist daher ratsam, sich schon vor Vertragsschluss mit den Investoren einen Rechtsrat hinsichtlich der Ausgestaltung des Vertrages einzuholen.

Bei der Veräußerung selbst gibt es mehrere Optionen. Die Gründer, Investoren und sonstigen Beteiligten können das Unternehmen komplett veräußern und sich auszahlen lassen. Ab diesem Zeitpunkt haben sie mit dem Unternehmen sozusagen nichts mehr zu tun. Auch gibt es die Möglichkeit, bei der Veräußerung die Investoren komplett auszuzahle, den Gründern hingegen einen Teil auszuzahlen und einen den Rest in Anteilen zu übertragen. Das Unternehmen kann dabei mit all seinen Wirtschaftsgütern verkauft werden (die Gesellschaft selbst hingegen muss nicht verkauft werden. Dies bezeichnet man als Asset Deal).

Die Veräußerung von Start-up Unternehmen kann für die Käufer sehr lukrativ sein. So sind vor allem Wettbewerber am Aufkauf der Konkurrenz interessiert. Ein anderer Anreiz ist die Erschließung neuer Märkte durch bereits existierende große Unternehmen. Dies wird als Trade Sales bezeichnet.

Kein Exit im eigentlichen Sinne, aber ein Weg in diese Richtung, ist der Gang an die Börse. Voraussetzung ist jedoch, dass das Unternehmen mindestens zwei Jahre alt ist und ein Grundkapital von mindestens 750.000 Euro besteht.

Letztlich gibt es also mehrere Gründe und Wege ein Start-up Unternehmen zu veräußern sowie mehrere Gründe ein Start-up zu erwerben. Da es um beachtliche Summen gehen kann sowie um die Frage ob und inwieweit die Beteiligten – insbesondere die Gründer – weiterhin am Unternehmen beteiligt sind, sollten die Verhandlungen nicht ohne Rechtsbeistand geführt werden.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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