Teil 2: Gründung eines Start-up Unternehmens

Sicher ist die Idee, sein eigener Chef zu sein, sehr lukrativ. Im Vordergrund stehen hierbei für viele die damit verbundene Autonomie und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit und die Tatsache, sich beruflich nur seinem eigenen Projekt widmen zu können. Doch worauf muss man bei der Gründung seines eigenen Start-up Unternehmens eigentlich achten? Insbesondere die Vielfalt an Gründungsformen kann für Unsicherheit sorgen. In diesem Teil unserer Start-up Serie wollen wir einen kleinen Überblick verschaffen.

Die Idee

Die ersten Schritte für die Gründung eines Start-up Unternehmens befassen sich mit der Idee hinsichtlich des anzubietenden Produktes bzw. der neu anzubietenden Dienstleistung. Es muss sich um eine innovative Idee handeln, die dergestalt noch nicht auf dem Markt existiert. Aus diesem Grund sind beispielsweise handwerkliche Dienste sowie die Dienste der freien Berufe nicht als Basis von Start-up Unternehmen geeignet.

Ist das Produkt bzw. die Dienstleistung festgelegt, so müssen sich der oder die Gründer in einem nächsten Schritt Gedanken darüber machen, in welcher Gesellschaftsform das Unternehmen gegründet werden soll.

Die Gründungsform

Es gibt mehrere Möglichkeiten hinsichtlich der Rechtsform, wenn ein Start-up Unternehmen gegründet werden soll. Dabei wird zunächst zwischen Personengesellschaft und Kapitalgesellschaft unterschieden. Die beiden Varianten unterscheiden sich vor allem in Haftungsfragen. Die wesentlichen Merkmale- und Unterschiede möchten wir daher kurz an den konkreten Rechtsformen darstellen:

  • Kapitalgesellschaften

Bei den Kapitalgesellschaften begrenzt sich die Haftung der Gesellschaft in der Regel auf das eingebrachte Kapital. Dies Klingt zwar im ersten Moment vorteilhaft, bedeutet aber gelichzeitig auch, dass ein solches vorhanden sein muss. Dies ist jedoch gerade bei Start-up Unternehmen häufig das Problem. Denn in der Regel versuchen hier junge Gründer ihre Idee umzusetzen und sind auf eine fremde Finanzierung angewiesen, weil noch kein eigenes Kapital für derartige Projekte vorhanden ist. Und auch sonst sind einige formale Gründungsaspekte zu beachten, die im einzelnen kurz aufgezeigt werden sollen.

  • GmbH

Die GmbH ist sozusagen die klassische Kapitalgesellschaft in Deutschland. Zur Gründung bedarf es eines Stammkapitals von 25.000,00 Euro. Zudem ist ein notarieller Vertrag notwendig sowie eine Eintragung in das Handelsregister. Bei der Wahl eine GmbH zu gründen sollte außerdem bedacht werden, dass die GmbH eine juristische Person ist und dadurch steuerpflichtig.

  • AG

Eine noch größere Herausforderung stellt die Gründung einer Aktiengesellschaft, die so genannten AG, dar. Hier bedarf es einer Einlage von 50.000,00 Euro. Zudem ist eine bestimmte Organstruktur notwendig. Es muss ein Gründer als Vorstand und 3 Aufsichtsräte vorhanden sein. Dazu muss eine notariell beglaubigte Satzung angefertigt werden, sowie eine notarielle Eintragung in das Handelsregister erfolgen, was insgesamt den Gründungsaufwand und die Kosten anwachsen lässt.

  • UG

Die UG ist eine neuere Gesellschaftsform und wird häufig als „Mini-GmbH“ bezeichnet. Während die Abläufe der Gründung und Haftung denen der GmbH ähneln, ist der wesentliche Unterschied der, dass eine Mindesteinlage in Höhe von nur einem Euro ausreicht. Allerdings muss die UG mit dem Zusatz „haftungsbeschränkt“ gekennzeichnet werden. Dadurch ist für die Geschäftspartner offensichtlich, dass kein umfangreiches Kapital, mit dem die Gesellschaft haften könnte, vorhanden ist. Dies kann durchaus eine Abschreckende Wirkung entfalten und dazu führen, dass von geschäftlichen Beziehungen Abstand genommen wird. Zudem gilt im Rahmen der UG die Besonderheit, dass eine Pflicht zur Rücklagenbildung besteht (25 % des Jahresüberschusses).

  • Englische Limited

Auch besteht die Möglichkeit eine englische Limited als Gründungsform zu wählen. Hier besteht, wie bei der UG, der Vorteil, dass kaum Stammkapital vorhanden sein muss. Gerade mal ein Pfund reicht bereits aus. Es genügt, dass eine Adresse des Unternehmens in Großbritannien vorhanden ist und die Geschäfte von einer deutschen Niederlassung aus stattfinden. Diese Niederlassung muss im deutschen Handelsregister eingetragen werden. Zu beachten ist jedoch, dass sämtliche britische Verwaltungsregelungen zu beachten und einzuhalten sind und dadurch doppelte Arbeit anfällt, wie beispielsweise die Buchführung nach deutschen und britischen Vorschriften. Gründen sie eine englische Limited in Deutschland, so sind also stets zwei Rechtssysteme zu beachten.

  • Personengesellschaften

Neben den Kapitalgesellschaften gibt es noch die Möglichkeit eine Personengesellschaft zu gründen. Hier haften in der Regel die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen, wenn kein Stammkapital in der Gesellschaft vorhanden ist. Auch hier sollen die wesentlichen Grundzüge kurz dargestellt werden:

  • Kleinunternehmer

Bisher sind wir davon ausgegangen, dass es mehrere Gründer gibt, die an dem Start-up Unternehmen mitwirken. Es kann natürlich auch die Konstellation gegeben sein, dass es nur einen Gründer gibt. In diesem Fall kann er als Kleinunternehmer ein Gewerbe anmelden, wenn er mit dem Start-up einer selbständigen Tätigkeit nachgeht. Positiv wirkt sich dabei aus, dass die strengen Anforderungen, die das HGB an Kaufleute stellt, keine Anwendung findet. Allerdings haftet der Kleinunternehmer mit seinem gesamten Vermögen – auch dem Privatvermögen. Ein nicht gerade unbeachtliches Risiko, dass gut durchdacht sein möchte.

  • GbR

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) bedarf für eine Gründung ein gemeinsames Ziel aller Gründer. Dies wird bei den Gründern von Start-up Unternehmen in der Regel keine Schwierigkeiten bereiten. Dier Abschluss eines Gesellschaftsvertrages ist anzuraten, jedoch nicht zwingende Voraussetzung, was eine Gründung bereits enorm vereinfacht und die Kosten (im Gegensatz zu einer notariell beurkundeten Satzung) gering hält. Die Einzahlung eines Stammkapitals ist bei der GbR ebenfalls nicht erforderlich.

  • KG

Bei der Kommanditgesellschaft (KG) sind die Anforderungen etwas spezieller, als bei der GbR. Hier wird der Betrieb eines Handelsgewerbes vorausgesetzt. Zudem ist hier die Besonderheit zu beachten, dass es mindestens einen Komplementär und im Übrigen mindestens einen Kommanditisten geben muss. Der Komplementär haftet unbeschränkt für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft, die Kommanditisten hingegen beschränkt – und zwar nur mit der von ihnen geleisteten Einlage.

  • GmbH & Co. KG

Einen kleinen Spezialfall bildet die Rechtsform der GmbH & Co. KG. Was jedoch so kompliziert wirkt, ist eigentlich ein recht simples Konstrukt. Es handelt sich letztlich um eine „normale“ KG, bei der eine GmbH als Komplementär eingesetzt wurde und im Haftungsfall mit ihrem Kapital haftet.

  • OHG

Auch im Rahmen der OHG bedarf es keines Stammkapitals, jedoch besteht hier eine Einlagepflicht. Die Gesellschafter haften mit ihrem Privatvermögen. Die Gründung der OHG setzt einen Vertrag zwischen mindestens zwei natürlichen oder juristischen Personen voraus. Wesentlicher Aspekt hierbei ist die Voraussetzung, dass der gemeinsame Wille besteht, ein Handelsgewerbe zu betreiben. Notwendig ist zudem eine Eintragung ins Handelsregister.

Fazit

Die Gründungsform für das eigene Start-up Unternehmen will also gut überlegt sein. Es muss im Vorfeld klar sein, wie viele Personen als Gründer beteiligt sein sollen und ob es sich um eine Kapital- oder eine Personengesellschaft handeln soll. Dafür muss insbesondere die Risikoverteilung ins Auge gefasst werden, denn die unterschiedlichen Gründungsformen bringen unterschiedliche Haftungen und auch unterschiedliche Mitspracherechte der Beteiligten aufgrund unterschiedlicher Organstrukturen mit sich.

Für den Laien ist dies nur schwer abzuschätzen und abzuwägen. Zudem sollten die Gründer ihr Hauptaugenmerkt auf die Ausarbeitung und Umsetzung ihrer Idee legen, so dass es sich empfiehlt, diesbezüglich den Rat eines Rechtsanwaltes einzuholen, der die für ihren konkreten Einzelfall optimale Gründungsform mit ihnen ausarbeiten kann.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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