IT-Recht

Foto-Zensur – Gelöschtes Vietnamkriegsfoto auf Facebook

Das größte soziale Netzwerk Facebook hat für Aufregung gesorgt: Facebook löschte das weltweit bekannte Bild eines vietnamesischen Mädchens, das nach einer Napalm-Attacke während des Vietnamkrieges nackt über eine Straße läuft. Erst nach massiver öffentlicher Kritik hat Facebook das Bild wieder online gestellt.

 Foto-Zensur - Gelöschtes Vietnamkrieg-Foto auf Facebook © simsalabin1-Fotolia

Foto-Zensur – Gelöschtes Vietnamkrieg-Foto auf Facebook © simsalabin1-Fotolia

Pulitzerpreis für Nick Ut

Der Fotograf Nick Ut hat während des Vietnamkrieges ein Mädchen fotografiert, das nach einer Napalm-Attacke nackt über die Straße geflohen ist. Das Bild wurde weltberühmt. Ut wurde für die Aufnahme mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Facebook und Kinderpornografie

Auf Facebook hatte eine norwegische Zeitung das Bild des nackten Mädchens in einem Post veröffentlicht. Das soziale Netzwerk hat den Post daraufhin gelöscht. Die Löschung wurde vor allem damit begründet, dass ein generelles Verbot von Kinderpornografie gelte und die Aufnahme ein nacktes Mädchen zeige.

Starke Kritik an Löschung

Nachdem das soziale Netzwerk das Foto gelöscht hat, hat sich der Chefredakteur der norwegischen Zeitung in einem offenen Brief an Facebook gewandt. Er warf Facebook Machtbissbrauch und Zensur vor. In einer ersten Reaktion machtedas Unternehmen deutlich, dass es nicht immer leicht sei die richtige Balance zu finden. Einerseits wolle man Kommunikation ermöglichen. Andererseits müssten Regeln aufgestellt und eingehalten werden.

Kritik nimmt weiter zu

Die Kritik an der Löschung des Bildes und der Argumentation des sozialen Netzwerkes hat daraufhin nicht abgenommen. Auf vielen Internetseiten, in Foren, Blogs oder auf Twitter wurde die Thematik diskutiert.

Soziales Netzwerk stellt Bild wieder online

Einige Stunden später war das Bild dann ohne vorherige Ankündigung wieder online gestellt. In einer Stellungnahme machte das soziale Netzwerk deutlich, dass es die historische Bedeutung des Bildes anerkenne und es wieder online gestellt habe. Das Bild dürfe nun auch wieder geteilt werden.

Problem: Algorithmen

Das soziale Netzwerk kann die enorme Zahl an Postings und Bild-Nachrichten nicht alleine durch Mitarbeiter filtern. Daher werden Algorithmen eingesetzt, die aufgrund ihrer Programmierung Inhalte erkennen und filtern, die gegen die geltenden Richtlinien verstoßen. Sehr wahrscheinlich wurde das Bild so wohl händisch nicht von einem Mitarbeiter gesperrt, sondern automatisch gelöscht. Die zeithistorische Bedeutung des Bildes wurde so nicht erkannt.

Fazit

Technik kann vieles, aber nicht alles. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. werden Lösungen finden müssen, die einerseits automatisiertes Handeln ermöglichen und andererseits emotionale Aspekte nicht vernachlässigen. Das für Kommunikation oftmals unerlässliche menschliche Fingerspitzengefühl ist derzeit noch nicht auf Computersysteme übertragbar. (NH)

Sicher ist das folgende Video interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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