IT-Recht

Facebook-Wirbel um BVB-Star Lewandowski – Darf man Facebook-Fans legal kaufen?

Der Wirbel um BVB-Star Robert Lewandowski nimmt in diesen Tagen kein Ende. Neben dem seit Wochen anhaltenden Transfer-Hickhack droht jetzt auch noch Ärger wegen der Facebook-Fanseite des polnischen Stürmers: Lewandowski soll angeblich Facebook-Fans gekauft haben.

Facebook, foto

Der Kauf von Facebook-Fans kann zu einer teuren Abmahnung führen© kbuntu – Fotolia

Weil sich ihre Anzahl seit Ende Mai innerhalb weniger Tage explosionsartig von einer halben auf rund 1,2 Millionen erhöht hat, drängt sich ein solcher Verdacht auf. Und Lewandowski wäre auch beileibe nicht der erste Fall: Schon Parteien wie die CDU, und Prominente wie US-Politiker Mitt Romney oder Dschungelcamp-Kandidatin Georgina sollen schon für falsche Follower bei Twitter oder „Likes“ bei Facebook gezahlt haben. Abwickeln lässt sich dies heutzutage einfach und schnell über entsprechende Agenturen, die Fans in sozialen Netzwerken gegen Bezahlung vermitteln. Doch ist der Kauf solcher falschen Fans überhaupt rechtlich erlaubt, oder droht hier neben der negativen Publicity auch juristischer Ärger? Hier ein Überblick über falsche Freunde bei Facebook & Co.

Falsche Freunde bei privaten Facebook-Profilen erlaubt

Ohne rechtliche Konsequenzen können jedenfalls Privatpersonen das eigene Profil oder die Facebook Fanpage mit gekauften „Likes“, Fans oder Freunden aufhübschen. Weil hierdurch aber niemandem ein Schaden droht und die Nutzungsbedingungen von z.B. Facebook derartige Praktiken auch nicht ausdrücklich untersagen, ist der Fan-Erwerb nicht illegal, sondern allenfalls moralisch bedenklich.

Fan-Kauf durch Unternehmen bei Facebook & Co. illegal

Anders ist die rechtliche Situation aber bei Fanseiten oder Profilen von Unternehmen zu beurteilen. Denn die Anzahl der Facebook-Fans oder Twitter-Follower kann als eine digitale Währung für die Popularität der Firma und ihrer Produkte angesehen werden. Eingekaufte Empfehlungen und Gefolgschaften in sozialen Netzwerken können deshalb auch eine tatsächlich so nicht bestehende Bekanntheit und wirtschaftliche Kraft vortäuschen.

Ähnlich wie der verbotene Kauf positiver Kundenbewertungen (sog. Astroturfing) ist dies nicht nur geeignet, den Verbraucher zu beeinflussen, sondern auch konkurrierende Unternehmen Nachteile zuzufügen. Solch irreführende Werbemaßnahmen/Irreführungen sind aber nach dem Wettbewerbsrecht verboten und damit illegal, wie Medienrechtsanwalt Christian Solmecke erläutert. Zwar haben Gerichte den Kauf von Fans bei Facebook & Co. noch nicht eindeutig entschieden. Tricksende Unternehmen müssen neben dem Imageschaden aufgrund des Gesagten aber dennoch mit teuren Abmahnungen oder schlimmstenfalls Klagen von Wettbewerbern oder Verbraucherverbänden rechnen.

Auch Prominente und Stars müssen Konsequenzen fürchten

Noch schwieriger stellt sich die Rechtslage bei Prominenten, wie hier im vorliegenden Fall Lewandowski dar. Viele Stars betreiben ihre Angebote in sozialen Netzwerken nämlich auch, um sich einfach ihrer realen Fangemeinde zu präsentieren und mitzuteilen. Allerdings spiegelt die Anzahl der virtuellen Fans oder Follower auch die Popularität des jeweiligen Promis wider und verkörpert damit einen selbständigen kommerziellen/wirtschaftlichen Wert. Manipulationen der Fanzahlen können insofern beispielsweise im Kampf um gutdotierte Werbeverträge eine Rolle spielen und andere Stars der gleichen Branche beeinträchtigen. Auch der Fan-Kauf durch Prominente ist daher ebenso wie bei Unternehmen als verbotene Irreführung zu werten.

Fazit: Finger weg von gekauften Facebook-Fans!

Ohnehin bezweifeln die meisten Social Media Experten, dass hinzugekaufte Fans eine positive Wirkung für den betreffenden Accountinhaber erzielen. Hinzu kommt, dass Apps wie „Facebook-Like-Check“ es immer einfacher machen, manipulierte Fanzahlen auf die Schliche zu kommen, etwa weil tausende Fans einer deutschen Fanseite aus Asien oder Osteuropa kommen. Vor allem aber weil der Fan-Kauf im Geschäftsverkehr einen illegalen und damit abmahnfähigen Wettbewerbsverstoß darstellt, sollten zumindest Firmen die Finger davon lassen. Gleiches gilt für Prominente, Stars und Sternchen. Denn auch hier sind Fankauf-Aktionen rechtlich nicht erlaubt und darüber hinaus vor allem eines – ziemlich peinlich!

 

Sehen Sie hierzu auch unser Video:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (6)

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  1. […] Sie Ihre echten Fans nur noch schlecht erreichen. Zum anderen sind gekaufte Fans für Unternehmen rechtlich problematisch und können Abmahnungen zur Folge haben. Und nicht zuletzt ist es in den sozialen Netzwerken sehr […]

  2. ZaPpEn sagt:

    Nach aktueller Gesetzeslage stellt der Kauf von Likes keinen Verstoss gegen das Wettbewerbsrecht dar

  3. Sabrina sagt:

    Zum folgenden Fall :

    Ein *No Name YouTuber* hat ein privates Facebookprofil und in jeglichen Netwerken ist dieser noch unbekannt. Wenn ich die Regelung für Unternehmen (wir sind steuerlich noch nicht angemeldet) umgehen würde, indem ich durch gekaufte Facebook Fans auf dem privaten Profil einleite, würde dieses Vorhaben trotz alledem dem obigen Punkt *Stars*,illegal sein oder bezieht sich das nur voll und ganz auf Facebook Fan Seiten von offiziellen Stars, wie offizielle Unternehmerseiten?!

    Vielen Dank

  4. a v d linde sagt:

    Juristisch interessant wird es nach meiner persönlichen Ansicht, wenn eine Dritte Person für jemand gänzlich unbekannten auf dessen komerzieller Seite unaufgefordert Facebook likes kauft, um diesen offenbar zu diskreditieren, weil es heute ein Leichtes ist, gekaufte „likes“ als solche zu identifizieren.

    Damit blanmiert man den Inhaber der Seite, der erstmal erklären muß, woher die gekauften likes denn kommen, die plötzlich auf dessen Seite da sind.

    Jeder, der selber likes kauft, wird dies natürlich erst einmal abstreiten – folglich wird der, der ohne sein Wissen, beispielsweise von einem Mitbewerber ungefragt mit likes „bedacht“ wurde zunächst einmal unglaubwürdig erscheinen, wenn er den Kauf „zu seinen Gunsten“ abstreitet, von dem er tatsächlich nichts weiß.

    Wie sieht es denn aus mit der Nachweisbarkeit, das TATSÄCHLICHEN „likes-Kaufens“ – gelingt dies rechtssicher überhaupt, oder wird „quasi-fingiert“ und unterstellt, dass immer auch der „like-Empfänger“ als vermeintlicher Nutznießer auch der Käufer war? *g*

    Kann so sein, MUSS es aber nicht!!!

    UND

    Kann man sich als Seiteninhaber einer Facebookseite überhauptdavor davor schützen, dass einem ein wildfremder einfach mal „likes“ kauft?

    Wie unterscheidet man echte und fake-likes als Seiteninhaber?

    ODER

    Wäre es sogar in der vollendeten Perversion denkbar, dass man selbst für einen Mitbewerber (anonym) im Netz „likes“ kauft, von denen und deren Herkunft dieser nichts weiß, um anschliessend wettbewerbsrechtlich gegen diesen vorgehen zu können, mit der Unterstellung, er habe sich die „likes“ selbst gekauft, und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil gesichert, oder zumindest den Wettbewerb verzerrt, oder fragwürdige „PR“ betrieben?

    Diese Variante des „likes-Kaufens“ wurde nach meiner Kenntnis bisher nicht hinreichend juristisch beleuchtet und erscheint mir unter Gesichtspunkten der Beweisfragen recht heikel.

    MfG,

    A.v.d.Linde
    (dipl. Jurist)

  5. a v d linde sagt:

    …auch könnte ein einfaches „ich weiß nicht, woher die likes kommen und wer sie für meine Seite gekauft hat – aber ich war es nicht“ eine ausreichende und WIRKSAME Verteidigungsstrategie sein – sofern der Käufer nicht rechtssicher festgestellt werden kann….;)

    Denn jeder könnte sie gekauft haben, z.B. um einen Mitbewerber zu diskreditieren oder gar danach selbst zu verklagen….!

    Zu einfach, oder?

    *g*

    AvdL

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