IT-Recht

Ebay – Bundesgerichtshof entscheidet über Abbruchjäger

Keine Chance mehr für Abbruchjäger bei Ebay & Co.? Die Richter am Bundesgerichtshof entscheiden, ob sogenannte Abbruchjäger auf Versteigerungsplattformen rechtsmissbräuchlich handeln, wenn diese offensichtlich nicht an der angebotenen Ware interessiert sind, sondern nur Schadensersatzforderungen durchsetzen möchten (Az. VIII ZR 182/15).

Ebay - Bundesgerichtshof entscheidet über Abbruchjäger ©-cirquedesprit-Fotolia

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Was ist ein Abbruchjäger?

Abbruchjäger sind ein tägliches Problem auf Ebay. In einschlägigen Foren berichten hunderte Betroffene von Problemen mit Plattformnutzern dieser Art. Der typische Abbruchjäger bietet kleine Summen auf eine Vielzahl von Auktionen – nur in der Hoffnung, dass der Anbieter eine Auktion vorzeitig beendet. Unerfahrenere Ebay-Verkäufer beenden vor allem dann Auktionen vorzeitig, wenn nur wenige Personen mitbieten und das Auktionsergebnis nichtlukrativ erscheint. Beendet ein Verkäufer eine Auktion dann vorzeitig und ist der Abbruchjäger zu dem Zeitpunkt der Höchstbietende, fordert er daraufhin gewöhnlich die Herausgabe des Versteigerungsobjektes oder Schadensersatz. Teilweise warten Abbruchjäger mit der Anspruchsdurchsetzung bewusst so lange, bis ein Versteigerungsobjekt mit großer Wahrscheinlichkeit anderweitig verkauft worden ist, um ohne Umwege Schadensersatz fordern zu können.

Wieso kann der Ebay – Abbruchjäger Schadensersatz verlangen?

Der Bundesgerichtshof hat einst entschieden, dass – im Falle einer unbegründeten Auktionsbeendigung – der zu dem Zeitpunkt letzte Bieter ein Anrecht auf das Versteigerungsobjekt hat. Versteigert jemand ein Auto mit einem Startpreis von 1 Euro, bietet der Abbruchjäger beispielweise 2Euro. Entwickelt sich dann die Auktion für den Anbieter nicht wie erwartet und beendet er diese vorzeitig, ist der Abbruchjäger Höchstbietender und kann das Versteigerungsobjekt bzw. Schadensersatz verlangen.

Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof

Der Bundesgerichtshof verhandelt derzeit in einem Fall, in der Besitzer eines Motorrades eine Ebay-Auktion vorzeitig beendet hat. Zum Zeitpunkt des vorzeitigen Auktionsendes war ein Abbruchjäger Höchstbietender mit einem Gebot in Höhe von nur einem Euro. Der Motorradbesitzer war nicht bereit das Motorrad gegen Zahlung des einen Euros herauszugeben. Der Abbruchjäger hat den Motorradbesitzer nach einigen Monaten gerichtlich in Anspruch genommen und Schadensersatz verlangt. Die Vorinstanz hatte bereits zahlreiche Indizien gesammelt, die das Verhalten des Klägers zumindest moralisch verwerflich erscheinen lassen. So hat er wohl seine Identität versucht hinter zahlreichen Identitäten zu verschleiern, bereits wiederholt Ebay-Anbieter vor Gericht auf Schadensersatz verklagt und seine Forderung im konkreten Fall erst ein halbes Jahr nach Beendigung der Auktion geltend gemacht. Ob der Abbruchjäger nun knappe 5000 Euro Schadensersatz von dem ehemaligen Motorradbesitzer erhält oder nicht, wird der BGH im August veröffentlichen.

Fazit:

Ebay-Nutzer sollten bei der vorzeitigen Beendigung von Ebay-Auktionen Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich ist die vorzeitige Beendigung von Auktionen nicht ausgeschlossen. Wichtig ist jedoch, dass ein ausreichender Grund für die vorzeitige Beendigung vorliegt. Vor allem fehlerhafte Auktionsbeschreibungen können einen vorzeitigen Abbruch rechtfertigen. Ebay-Nutzer sollten Informationen speichern, um im Zweifel nachweisen zu können, dass der vorzeitige Abbruch einer Auktion aus einem berechtigten Grund erfolgte. (NH)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Joachim sagt:

    Ich würde sagen, selber schuld !

    Wer einen wertvollen Gegenstand oder ein Gebrauchsobjekt bei Ebay ohne Mindestpreis einstellt und eine Auktion auch noch so einfach abbricht weil man das Objekt schon anderweitig verkauft hat, der ist einfach nicht an die rechtlichen und bindenden Konsequenzen einer Auktion interessiert, sondern nur auf den eigene Vorteil bedacht.

    Eine Auktion ist bindend für beide Seiten !

    So gesehen ist der Betrüger der Verkäufer und nicht der Bieter. Wer sich an die AGB von Ebay hält, der wird auch im Falle eines Betrugs geschützt.
    Spaßbieter sind somit kein Problem bei Ebay, weil man dort einen Fall eröffnen kann und somit sein Geld wieder erstattet bekommt.

    Auch kann man bei einem Irrtum immer noch mit dem Bieter oder Verkäufer kommunizieren.

    Ich hatte mal eine Auktion, wo ich kurz danach einen anderen Verwendungszweck für meinen eingestellten Artikel gefunden habe, nämlich als Geschenk. Leider hatte schon ein Bieter drauf sein Gebot abgegeben.
    Ich schrieb daraufhin den Bieter an ob ich sein Gebot wieder löschen könnte, wegen diesem Grund. Er antwortete mir, das dies kein Problem sei und er einverstanden ist.

    Also ich verstehe einfach nicht, wo das Problem sein soll.
    Wer sich im Rahmen der Ebay-Geschäftsbedingungen absichert, der fährt risikolos durch so eine Auktion.
    Wer das nicht macht, weil er glaubt daraus einen Vorteil zu bekommen, ist einfach für solche Auktionen nicht geeignet.

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