IT-Recht

B&B Inkasso GmbH: Vorsicht gefährliche Abofallen-Abzocke!

Neuerdings reicht einigen Betrügern das Betreiben von klassischen Abofallen nicht mehr: Sie versuchen Verbraucher durch Schreiben der B&B Inkasso GmbH gezielt einzuschüchtern. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. Damit die Betroffenen dem nicht durch eine Google-Recherche auf die Schliche kommen, hat man sich etwas Perfides einfallen lassen.

B&B Inkasso GmbH: Vorsicht gefährliche Abofallen-Abzocke © Birgit Reitz-Hofmann - Fotolia

B&B Inkasso GmbH: Vorsicht gefährliche Abofallen-Abzocke © Birgit Reitz-Hofmann – Fotolia

Für Verbraucher ist eine Google-Recherche oft eine nützliche Hilfe, wenn er nicht sicher ist, ob es sich bei bestimmten Webseiten um Abofallen handelt. Zuweilen entpuppt sich auch das eingeschaltete Inkasso-Büro als Handlanger von Betrügern. Das gilt allerdings nicht immer.

B&B Inkasso GmbH: Fingierte Forenbeträge und Fake-Webseiten

Anders geht es allerdings Verbrauchern, die derzeit Zahlungsaufforderungen von der B&B Inkasso GmbH erhalten haben, weil sie anscheinend auf Abofallen – wie etwa Dein-Horoskop.net sowie tatoo-vorlagen-4u.net – hereingefallen sind.

Wenn sie bei Google den Begriff  B&B Inkasso GmbH eingeben, finden sie Foreneinträge mit fingierten Einträgen vor und werden etwa auf die Fake- Webseite frag-einen-anwalt.net gelenkt, die mit der seriösen Rechtsberatungsseite frag-einen-anwalt.de nichts zu tun hat. Dort finden die Nutzer unter http://frag-einen-anwalt.net/showthread.php?92-B-amp-B-Inkasso-Betrug-tattoo-vorlagen-4u-net-Online-Content-GmbH eine Antwort von dem Fake-Anwalt „Dr. Stefan Kerbler“ vor, wonach die von B&B Inkasso im Auftrage der tattoo-vorlagen-4u.net geltend gemachten Forderung bestehen soll.

Betrüger täuschen Gerichtsentscheidungen vor

Dabei wird sogar auf ein Urteil des OLG Frankfurt verwiesen, zu dem zu allem Überfluss auch noch ein Aktenzeichen genannt wird (Az. „8 C 687/12“). Diese Entscheidung gibt es jedoch nicht! Dies erkennen Fachleute bereits daran, dass es bei Oberlandesgerichten in Zivilsachen keine Aktenzeichen mit dem Buchstaben „C“ gibt. Diese Fake-Webseite ist deshalb so schlecht zu erkennen, weil sie teilweise auch Forenbeiträge zu anderen Themen von frag-einen-anwalt.de abgekupfert hat.

Abofalle: Bei Google-Recherche muss man aufpassen

Wer auf eine Abofalle hereingefallen ist, sollte sich daher niemals alleine auf eine Recherche über Suchmaschinen wie Google verlassen. Vor allem sollte er darauf achten, auf was für Seiten er dabei gerät. Auffällig ist beispielsweise, dass diese Fake-Seiten oft kein ordnungsgemäßes Impressum enthalten. Darüber hinaus sind auch Fake-Einträge auf gewöhnlichen Portalen denkbar.

Von Abofallen Betroffene sollten daher auch immer bei einer Verbraucherzentrale oder einem Rechtsanwalt nachfragen und nicht durch angebliche Gerichtsentscheidungen und vermeintliche Autoritäten im Internet irritieren lassen.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (4)

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  1. Lieber Herr Kollege Solmecke,

    danke für diesen Beitrag, unsere Recherchen und Vermutungen decken sich.

    Ich hatte am 1.8.2013 eine Mitteilung an die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mit folgendem Wortlaut geschickt:

    „Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich betreue gerade einen Fall, bei welchem der Mandant über E-Mail von einer „B & B Inkasso“ angeschrieben und mit einer 189 EUR Rechnung überzogen wurde.

    Wenn man sich im Internet nach Informationen umsieht, kommt in vielfältigen Foren dieser Beitrag:

    http://monday9sock.wordpress.com/tag/bb-inkasso-betrug/

    Sind Ihnen diese Urteile bekannt? Im Moment zweifle ich, dass es diese Urteile überhaupt gibt. Ich konnte weder aus meiner Juris-Datenbank noch sonstwo die zitierten Urteile ermitteln. Es kann eigentlich auch nicht sein, dass eine OLG-Sache ein C-Aktenzeichen hat bzw. eine Rechtssache des AG Mainz mit einem 08er-Aktenzeichen im Juni 2013 entschieden wird.

    B & B Inkasso stellt solche Rechnungen wiegesagt auch gegenüber Personen, bei denen sie nur die E-Mail-Adresse kennen, nicht aber den Namen oder die Adresse. Schreiben an B & B Inkasso kommen als unzustellbar zurück. Auf der Internet-Seite „inkasso-forderungen.net“ ist, soweit ersichtlich, kein leicht erkennbares Impressum mit Telefon- oder Faxnummern enthalten (Bußgeld möglich bis 50.000 EUR, siehe § 16 TMG, die Aufsichtsbehörden sollten eingeschaltet werden), so dass Schreiben auch nicht gefaxt werden können.

    Es gibt auch Beiträge wie diesen:
    http://frag-einen-anwalt.net/showthread.php?92-B-amp-B-Inkasso-Betrug-tattoo-vorlagen-4u-net-Online-Content-GmbH

    Es antwortet ein „Rechtsanwalt Dr. Stefan Kerbler“ mit einer klaren Antwort, der Anfrage solle bezahlen, weil er keine Chance habe. Es wäre interessant zu erfahren, in welcher Kanzlei dieser angebliche Kollege sitzt. Jedenfalls gibt es keinen „Fachanwalt für Vertragsrecht“, wie er sich selbst nennt, eine solche Selbstbezeichnung ist rechts- bzw. standeswidrig, so dass hier eigentlich die Anwaltskammer eingreifen müsste.

    Dass hier einiges “zum Himmel stinkt”, ist jedenfalls offensichtlich, und die Sache könnte möglicherweise auch die strafrechtlichen Ermittlungsbehörden interessieren.

    Haben Sie Erfahrungen mit B & B Inkasso?

    Mit freundlichen Grüßen
    Prof. Dr. Klaus Sakowski
    Rechtsanwalt“

    Die Antwort der Verbraucherzentrale war bislang nur ein Telefonrückruf in unserem Sekretariat, bei dem es hieß, man kenne dieses Inkassobüro bislang nicht. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass man sich (bislang) dort im Klaren darüber war, dass es sich um eine Betrugsmasche und keinen Einzelfall handelt.

    Herzliche und kollegiale Grüße
    Klaus Sakowski

    • Gitta Esteka sagt:

      Sehr geehrter Herr Sakowski,

      ich habe mit B&B inkasso leider diese Erfahrung
      vor ca. 2 Wochen machen müssen,und möchte wissen
      was ich tun kann um mich zu währen.
      Alle 4 Tage habe ich eine Mahnung und Vorderung
      von 189,00 Euro, plus Mahngebühren.
      Diese Firma ist unter keiner Adresse zu erreichen.
      Ich habe kein Abbo abgeschlossen.
      f.g gitta E.

  2. Rycos sagt:

    Geehrte Damen und Herren,

    ich selbst bin „Opfer“ dieser B&B Inkasso bzw. der Online Content (Gmbh) geworden. Nachdem ich all meine Recherchemöglichkeiten angefangen beim Amtsgericht Mainz (zur Prüfung der immer wieder genannten Urteile), über Bundesrechtsanwaltskammer Berlin (zwecks Prüfung des angeblichen Fachanwalts) bis hin zur Prüfung der Bankverbindung von B&B in Bulgarien, habe ich heute Strafanzeige + Strafantrag über die Polizeibehörde bei der Staatsanwaltschaft gestellt.

    Ich hoffe, dass meine ausführliche 4-seitige Begründung ausreicht. Gleichzeitig erfolgen Anzeigen beim Bundeszentralamt für Steuern wg. Verdachts auf Steuerbetrugs, Anzeigen bei den zuständigen Gewerbeämtern, Anzeigen wegen Führen der Bezeichnung Inkasso, das darf nämlich nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen genutzt werden und Anzeigen wegen Verstößen gegen den Mediendienstestaatsvertrag wg. fehlendem Impressum etc.

    Ich bitte dringend darum, dass Sie ebenfalls zeitnah Strafantrag stellen, damit diesen Leuten nicht weitere Opfer ins Netz gehen und die Staatsanwaltschaft die Verfahren nicht einstellt.

    Mit freundlichem Gruß
    Rycos

  3. Helmi98 sagt:

    Ich hatte mich auf dieser Seite einmal angemeldet, um diesen „Anwalt“ Dr. Stefan Kerbler zu verbessern (als Laie). Wen wunderts, mein Beitrag wurde nicht freigegeben. Also schrieb ich der Fragestellerin eine Privatnachricht und hoffe, sie hat sie auch bekommen.

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