Internetrecht

Zamaro.de weiterhin mit Abzock-Masche unterwegs!

Nachdem wir über die intransparenten Methoden berichtet hatten, mit denen die Zamaro-GmbH auf Kundenfang geht, hat sich etwas getan. In unserem letzten Beitrag hatten wir noch berichtet, dass man bei der Bestellung sozusagen nebenbei sein Widerrufsrecht verliert. Mittlerweile befindet sich neben der betreffenden Textpassage ein kleines Häkchen, mit dem man den Verlust des Widerrufsrechtes bestätigen soll.

Das Feld für besagtes Häkchen befindet sich nämlich genau zwischen der Einverständniserklärung mit den AGB und dem Einverständnis mit dem Verlust des Widerrufsrecht. Dem Verbraucher ist daher überhaupt nicht klar, wofür er das Häkchen setzen soll. Den gesetzlichen Anforderungen entspricht das jedenfalls nicht. Ein Widerrufsrecht besteht aus unserer Sicht also weiterhin, da nicht wirksam darauf verzichtet wurde. Da auch nicht über den Widerruf belehrt wurde, ist die Widerrufsfrist noch nicht in Gang gesetzt worden. Daher kann nach unserer Auffassung auch über die vorgeschriebenen zwei Wochen hinaus widerrufen werden.

Hinzu kommt, dass die vermeintliche Erklärung über den Verlust des Widerrufsrechtes im Widerspruch zu den AGB steht. Dort ist nämlich eindeutig von einem zweiwöchigen Widerrufsrecht die Rede.

Aus unserer Sicht ist das Verhalten von Zamaro.de weiterhin ausgesprochen fragwürdig.

Weiterhin ist es allerdings so, dass nach wie vor schon gar kein Vertrag zustande gekommen ist. Insofern ist die Frage, ob ein Widerrufsrecht besteht nur nachrangig zu betrachten.

Auf der Bestellseite soll man seine Bankdaten eingeben. Unter „Preis“ ist von „Gesamtkosten“ in Höhe von 5,90 € Versandgebühren die Rede – je nach dem ob gerade „Happy Hour“ ist auch nur 3,90 €. Auch dann, wenn man eine kostenlose Bestellung ausführen will, hat man plötzlich angeblich ein Abo von 24 Wochen abgeschlossen. Darauf wird allerdings nur versteckt im Kleingedruckten hingewiesen. Dort heißt es gut versteckt und weit hinten, dass ein Abo automatisch dann zustande kommt, wenn man nicht in den nächsten 7 Tagen von sich hören ließe. Die Kosten sollen 16,00 € pro Woche betragen.

Gesamtpreis von 384,00 €!

Da die allermeisten Nutzer dieser gut versteckte Klausel übersehen, folgt wenig später der Schreck: zamaro.de bucht plötzlich viel mehr als die Versandkosten vom Konto ab. Verwunderte Kunden, die sich beschweren, erhalten nur die lapidare Antwort, dass nun mal ein Abo geschlossen wurde. Addiert man die Kosten für das angebliche Abo, kommt man auf stolze 384,00 €. Die freundliche Werbung im Sinne von kostenlosem Kleidertausch bekommt damit einen ziemlich faden Beigeschmack!

Zweifelhafter Vertragsschluss

Auch wenn man den Eindruck hat, dass zamaro.de zumindest dem Anschein nach versucht, sich rechtmäßig zu verhalten, ist aus unserer Sicht kein wirksamer Abo-Vertrag zustande gekommen. Der Hinweis auf die Mitgliedschaft von 24 Wochen ist im Kleingedruckten versteckt, die Kosten dieses Abos tauchen nicht in den Gesamtkosten auf. Damit widerspricht die Gestaltung des Bestellvorganges den Vorgaben des § 312j BGB. Dieser schreibt vor, dass ein Vertrag nur zustande kommt, wenn zuvor über Gesamtpreis, Vertragslaufzeit und andere relevante Angaben informiert wird. Dadurch, dass unter Gesamtpreis nur die aktuellen Versandgebühren, nicht jedoch der Gesamtpreis des Abos genannt wird, verstößt zamaro.de gegen diese Vorgaben. Ein Vertrag kommt damit nicht zustande.

Was Betroffene tun können:

Zunächst muss die Angelegenheit genau geprüft werden. Wenn man dann zu dem Schluss kommt, dass unberechtigt abgebucht wurde, sollte man die Abbuchung schnellstmöglich bei der Bank rückgängig machen. Wir können Sie dabei anwaltlich beraten und die Forderung qualifiziert zurückweisen. (RaS)

Rechtsanwalt Rafael Struwe arbeitet seit 2013 in freier Mitarbeit für die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt Verkehrsrecht.

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