Internetrecht

Warum Megaupload dicht gemacht wurde – Ein Vergleich mit anderen Sharehostern

Die Verunsicherung seit der Schließung von Megaupload ist groß – sowohl auf Seiten der Nutzer als auch seitens der Betreiber. Viele stellen sich die Frage, warum es ausgerechnet Megaupload getroffen hat und nicht einen der vielen anderen One-Click-Hoster.

Die Reaktionen der Branche auf die Schließung von Megaupload sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Während Uploaded seinen Dienst nur für Nutzer aus den USA sperrte, deaktivierten Filesonic und Fileserve sämtliche Sharing-Funktionen, sodass die Dateien nur noch für den Uploader selbst zugänglich sind. X7.to ging sogar komplett offline.

Rapidshare setzt dagegen auf eine komplett andere Strategie. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung gibt sich Rapidshare-Chefin Alexandra Zwingli betont gelassen:

„Nein, wir haben keine Angst. Bei der momentanen Diskussion um Megaupload wird leicht übersehen, dass das Geschäftsmodell des Filehostings rechtlich völlig unbedenklich ist.“

Auf die Frage, worin denn der genaue Unterschied zwischen den Rapidshare und Megaupload bestehe, antwortet Zwingli ausweichend: „Ob die Vorwürfe gegen Megaupload zutreffen oder nicht, kann ich nicht direkt beurteilen. Deshalb kann ich nur betonen, was uns bei Rapidshare wichtig ist. Unser Ziel ist die langfristige Zufriedenheit unserer Kunden. Wir setzen deshalb auf guten Support, Datensicherheit, Ausfallsicherheit und Innovation.“

Doch tatsächlich bestehen zwischen den One-Click-Hostern viele Gemeinsamkeiten.

Premium-Accounts

Ein Großteil der Einnahmen der Filehoster wird durch die kostenpflichtigen Premium-Accounts generiert. Diese weisen gegenüber der Nutzung als Free-User erhebliche Vorteile auf: keine Wartezeit, mehrere Downloads gleichzeitig, schnellere Übertragungsrate, mehr Speicherplatz.

Premium-Accounts bietet im Prinzip jeder Sharehoster an, egal ob Rapidshare, Uploaded oder Netload. Die möglichen Zeitintervalle reichen dabei von 48 Stunden bis zu lebenslänglich, die Kosten von 4,99 € – 249,99 € (z.B. bei Uploaded.to). Ohne Premium-Account lassen sich die meisten Sharehoster nicht effektiv nutzen, lange Wartezeiten und langsame Downloads zwingen die Nutzer gewissermaßen zu einer kostenpflichtigen Registrierung.

Auch Megaupload hat Premium-Accounts angeboten. Von ein paar Dollar pro Tag bis zu 260 Dollar für ein ganzes Leben. Hierdurch sollen Kim Schmitz und Co. seit der Gründung von Megaupload mehr als 150 Millionen Dollar verdient haben.

Werbeeinnahmen

Neben den Einnahmen durch Premium-Accounts erzielen viele Sharehoster erhebliche Einnahmen durch Werbeeinblendungen, z.B. auf Netload.

Megaupload soll durch Werbung mehr als 25 Millionen Dollar eingenommen haben.

Belohnungssysteme für Uploader

Die meisten Sharehoster sehen ihren Dienst gewissermaßen nur als „Lagerraum“ an, auf dessen Inhalte sie keinen Einfluss haben. Hierbei stellt sich allerdings die Frage, wie dies zu der Vielzahl an Affiliate-Programmen passt.

Die Programme belohnen – vereinfacht gesagt – Uploader, die viele beliebte Dateien hochladen oder Premium-Accounts vermitteln. Beispielsweise erhält der Affiliate-Partner bei Uploaded „bis zu 30 Euro pro 1000 Downloads“ oder „3 Euro pro vermitteltem Premium Account“.

Teilweise versprechen die Hoster statt Bargeld auch andere geldwerte Vorteile, wie z.B. einen kostenlosen Premium-Account.
Auch bei Megaupload gab es ein „Uploader Rewards“-Programm. Je öfter eine Datei heruntergeladen wurde, desto mehr Geld und andere finanzielle Vorteile erhielt der Uploader.

Rapidshare hat sein Affiliate-Programm „RapidPoints“ im Juli 2010 beendet. Möglicherweise um den Vorwurf zu entkräften, das Hochladen urheberrechtlich geschützter Werke werde finanziell honoriert. Dass tausende Downloads nicht mit privaten Urlaubsfotos erzielt werden können, dürfte auf der Hand liegen.

Vergleich

Im Prinzip und ihrer Funktionsweise sind sich die Sharehoster ziemlich ähnlich. Als Haupteinnahmequellen gelten in der Regel Premium-Accounts und Werbeeinnahmen. Hohe Klickraten werden dabei durch Belohnungssysteme für Uploader generiert.

Aus Sicht der Nutzer ist daher wenig nachvollziehbar, warum die US-Behörden gerade Megaupload ausgesucht haben. Möglicherweise liegt dies auch an der Popularität der Seite. Sie soll laut Anklageschrift 180 Millionen registrierte Nutzer sowie 50 Millionen Besucher pro Tag haben und für schätzungsweise 4 Prozent des gesamten Internetverkehrs verantwortlich sein.

Wie beliebt die Seite tatsächlich war, zeigt auch ein Werbevideo, in dem US-Stars wie P.Diddy, Kanye West oder Alicia Keys Lobeshymnen auf Megaupload singen. „When I got to send files across the globe, I use Megaupload“ singt Will.i.am..

Gerüchte

Was wirklich hinter der Schließung des Sharehosters liegt, darüber wird in den einschlägigen Foren viel spekuliert.

Teilweise wird die Einführung des Streaming-Dienstes „Megabox“ als Hintergrund der Aktion vermutet.

Künstler, die ihre Musik dort anbieten sollen 90 Prozent der Einnahmen erhalten. Würde sich ein solches Modell etablieren, hätten die Plattfirmen mit erheblichen finanziellen Einbußen zu rechnen.

Rechtslage in Deutschland

Ein Sharehoster wie Megaupload stellt keine eigenen Inhalte zur Verfügung, sondern bietet Dritten lediglich die Möglichkeit, ihre Inhalte auf seinen Servern hochzuladen.

Nach deutschem Recht genießt der Host-Provider aus diesem Grund ein Haftungsprivileg: Er ist für rechtswidrige Inhalte so lange nicht verantwortlich, wie er von ihnen keine Kenntnis hat.

Doch genau dies wird den Betreibern von Megaupload vorgeworfen. Sie sollen von der Verbreitung rechtswidriger Inhalte über ihre Plattform Kenntnis gehabt und diese sogar aktiv gefördert haben.

Die Anklageschrift spricht in diesem Zusammenhang von einem geschätzten Schaden der Rechteinhaber von 500 Millionen Dollar. Die zu Megaupload gehörenden Unternehmen und ihre Mitarbeiter werden dort als „Mega Conspiracy“ bezeichnet, die eine weltweit agierende kriminelle Organisation darstellt.

Soweit sich die Vorwürfe bestätigen, ist davon auszugehen, dass sich die Betreiber von Megaupload auch nach deutschem Recht strafbar gemacht hätten.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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