Internetrecht

Virtueller Krieg – Anonymous greift IS an

Anonymous erklärt nach Terroranschlägen in Paris IS abermals den Krieg: Unter dem hashtag #OpParis startet Anonymous eine neue Angriffswelle gegen den IS. Mit einer Videobotschaft auf YouTube erklärt das Hacker-Netzwerk Anonymous dem Islamischen Staat (IS) den virtuellen Krieg und reagiert so auf die Terroranschläge von Paris.

In dem YouTube Video ist eine schwarz gekleidete Person zu sehen, mit der für das Hacker-Netzwerk Anonymous typischen Guy-Fawkes-Maske. Eine französische Computerstimme spricht die Worte: „Wir werden euch finden und wir werden nicht nachgeben. Wir werden den größten Einsatz aller Zeiten gegen euch vornehmen. Macht euch auf massive Cyberattacken gefasst. Der Krieg ist erklärt, seid vorbereitet.“

Im Hintergrund läuft dramatische Musik und das Video endet mit der Ansprache des französischen Präsidenten Francois Hollande an sein Volk, indem er die „Neutralisierung“ von IS ankündigt.

Kurz danach veröffentlichte Anonymous auf Twitter das Video mit der Kriegserklärung erneut, diesmal jedoch auf Englisch. In diesem rief Anonymous dem Gegner IS eindringlich in Erinnerung, dass sie die besseren Hacker seien.

Anonymous erklärt Islamischen Staat (IS) den Krieg -Twitter-Accounts des IS gehackt

Mit dem Video reagiert Anonymous auf die Terroranschläge von Paris. Bereits nach dem Attentat auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 verkündete Anonymous dem Islamischen Staat den Krieg. Laut dem US-amerikanischen Magazin „Foreign Policy“, gelang es den Hackern bereits damals 149 Webseiten und 101 000 Twitter-Accounts des sogenannten Islamischen Staates aufzuspüren, sowie 6000 Propagandavideos vom IS zu melden.

Auch nach den Anschlägen von Paris, bei denen insgesamt 132 Menschen ums Leben kamen und mehr als 300 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, lässt die Hackergruppe Anonymous nicht locker und plant ein noch intensiveres und gnadenloseres Vorgehen. Problematisch könnte allerdings sein, dass stündlich neue IS Accounts hinzukommen, sodass ein Wettlauf gegen die Zeit beginnen könnte. Anonymous plant, den Cyberkrieg jetzt unter dem hashtag #OpParis weiter auszubauen. Wie bekannt wurde, hat Anonymous nach den Anschlägen in Paris in einem ersten Hacker-Angriff knapp 5.500 Twitter-Konten gehackt und lahmgelegt. Auch Klarnamen und Fotos von mutmaßlichen IS-Kämpfern und Sympathisanten wurden erbeutet und über Twitter veröffentlicht und verbreitet..

Mitglieder von Anonymous sind gespalten

Bei dem Hacker-Netzwerk Anonymous handelt es sich um ein loses Netzwerk. Bedeutend ist, dass die Gruppe Anonymous gespalten ist. Einige Anonymous-Mitglieder gehören der Gruppe an, die die Videobotschaft veröffentlichte. Bekannt ist, dass dieser Teil der Anonymous Gruppe von Hacker John Chase gegründet wurde, als Reaktion auf die Anschläge auf das Satire Magazin „Charlie Hebdo“.

Jedoch bleiben auch andere Gruppenteile von Anonymous nicht untätig, wie die Senior-Hackergruppe „GhostSec“. Auch sie versucht die IS-Kommunikation im Internet aufzuspüren und Denial-Of-Service-Angriffe gegen IS durchzuführen. Darunter sind Sturmangriffe der einzelnen Webseiten vom IS zu verstehen, indem gehäufte User-Anfragen auf IS Seiten einprasseln, sodass die IS Terror-Webseiten zusammenbrechen.

Anonymous Gruppe „GhostSec“ arbeitet eng mit amerikanischen Geheimdiensten zusammen

Die Gruppe „GhostSec“ arbeitet – anders als der eigentliche Gruppenteil von Anonymous – über einen Mittelsmann namens Michael Smith eng mit den amerikanischen Behörden zusammen.  Michael Smith ist Chef der Sicherheitsberatungsfirma Kronos Advisory. Er überprüft die Informationen der Hacker und leitet diese an die Geheimdienste weiter. Smith ließ verlauten, dass Informationen von Anonymous dabei geholfen hätten, eine Terrorzelle des IS in Tunesien zu vernichten. Diese hatte geplant, dass Massaker von Sousse an anderer Stelle auf der Welt, zu wiederholen.

Anonymous Informationen über IS sind wichtig für Geheimdienste

Auch der ehemalige Chef der CIA, David Petraeus, betonte die Wichtigkeit der Anonymous Daten für die Geheimdienste. Nach seinen Informationen, sei die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Geheimdiensten der Grund dafür, warum die Gruppe Anonymous sich gespalten habe. Teile der Gruppe lehnen die Zusammenarbeit mit den Amerikanern ab. (AnJ)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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