Internetrecht

USA: Facebook-Posting eines Teenagers als „terroristische Drohung“

„Oh yeah, I’m real messed up in the head, I’m going to go shoot up a school full of kids and eat their still beating hearts“. Wegen dieses unbedachten Facebook-Posts droht einem 19jährigen Texaner nun im schlimmsten Fall eine mehrjährige Haftstrafe.

Unüberlegte Facebook-Postings können tragische Folgen haben © kbuntu - Fotolia

Unüberlegte Facebook-Postings können tragische Folgen haben © kbuntu – Fotolia

Ein Posting auf Facebook: Untersuchungshaft

Im Februar tauschte sich der 19-jährige Justin Carter aus Texas mit anderen Usern auf Facebook über ein Videospiel aus. Auf den Kommentar eines anderen Nutzers „du bist doch verrückt“, antwortete Carter mit den Worten „Klar, ich bin total gestört im Kopf, ich werde Kids in einer Schule erschießen und ihre noch schlagenden Herzen essen.“

Obwohl Carter laut seinen Eltern hinter diesen Kommentar bei Facebook ein „j/k“ (= just kidding) und „LOL“ (= laughing out loud) setzte, verständigte eine Userin aus Kanada die Behörden, nachdem sie den Kommentar gelesen hatte. Dass diese den Hinweis ziemlich ernst nahmen, hatte wohl auch damit zu tun, dass nur zwei Monate zuvor ein 20-jähriger bei einem Amoklauf an einer Schule in Newtown insgesamt 26 Menschen getötet hatte. Die Tatsache, dass Carter nur wenige hundert Meter von einer Grundschule entfernt wohnt, machte die Behörden besonders misstrauisch. Er wurde festgenommen und saß daraufhin mehr als fünf Monate in Untersuchungshaft.

Der Vorwurf: „Terroristische Drohung“

Die Kaution wurde auf 500.000 Dollar festgesetzt, obwohl bei einer Hausdurchsuchung weder Waffen noch andere Hinweise auf einen geplanten Amoklauf gefunden wurden. Nachdem die Eltern des Teenagers eine Online-Petition ins Leben gerufen hatten, in der sie neben der Freilassung ihres Sohnes auch eine Änderung der Anti-Terrorismus-Gesetze fordern, hat sich inzwischen ein anonymer Spender für die Hinterlegung der Kaution gefunden. Auch wenn Carter daher mittlerweile bei seiner Familie ist, könnte ihn sein Facebook-Kommentar aber weiterhin teuer zu stehen kommen. Im schlimmsten Fall droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe wegen „terroristischer Drohung“.

Felix Rüther ist für die Prozessführung in den Streitigkeiten zuständig, die einen Bezug zum Internetrecht haben. Er war 2012 im sogenannten Morpheus-Verfahren vor dem BGH beteiligt, bei dem die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE einen entscheidenden Sieg gegenüber der Abmahnindustrie errungen hat.

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RSSKommentare (3)

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  1. Rdiger [Mobile] sagt:

    meine persönliche Meinung darüber ist, dass ich genauso gehandelt hätte wie die Frau. wer solche Äußerungen über Facebook öffentlich postet, muss damit rechnen, dass es Konsequenzen nach sich zieht. vor allem wenn man doch weiß, dass es diverse Vorfälle an Schulen schon gab.

    • Timo sagt:

      Ich hätte auf keinen Fall so reagiert. Ironischer kann man einen Text gar nicht schreiben, die Intention des Autors ist ja wohl offensichtlich: Auf die Dämlichkeit der Beleidigung „Du bist doch verrückt“ hinzuweisen. Ich denke, dass das Ziel der Kanadierin einfach war, dem jungen Mann Ärger zu bereiten und das finde ich viel abartiger.

  2. Uwe Kalert sagt:

    Da sieht man wieder, wohin es führt, wenn die Leute mit dem gezielten Schüren von Angst zu Angstbeissern geformt werden. Das spielt den Überwachern wie BMI Friedrich und Ex-BMI Schilly prima in die Hände. Unsere Gesellschaft hat echt nichts gelernt aus den letzten Hundert Jahren. Man nimmt einfach das allseits beliebte Wörtchen „Terrorismus“ in den Mund und schon ist alles gerechtfertigt.

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