Internetrecht

Studie: Tor-User surfen nicht anonym

Eine kürzlich erschiene wissenschaftlichen Studie kam zu dem Ergebnis, dass Tor-User leichter zu identifizieren sind, als bisher vermutet. Das Ergebnis der Studie: Das Risiko, spätestens nach 6 Monaten enttarnen zu werden, liegt bei 80 Prozent.

Tor („Tor“ steht für The Onion Routing oder The Onion Router) steht für ein Anonymisierungsnetzwerk von Verbindungsdaten. Es wird für TCP-Verbindungen eingesetzt und kann beispielsweise für Web-Browsing verwendet werden. Gerade im Hinblick auf die derzeitige Debatte über die gezielte Überwachung von Internetverbindungen durch ausländische Geheimdienste gilt das Anonymisierungsnetzwerk Tor als Möglichkeit zur Sicherung der Vertraulichkeit im Internet. Das Tor-Netwerk sollte eigentlich seine Nutzer vor der Analyse des Datenverkehrs schützen.

Ergebnisse der Studie zur Tor-Anonymisierung

Das Grundproblem des Tor-Netzwerkes war bereits bekannt. So findet man auch in den FAQ der Betreiber des Tor- Netzwerks eindeutige „Warn“-Hinweise. Das Netzwerk verschleiert die Adresse eines Internet-Users vor den von ihm genutzten Diensten. Für einen Server-Betreiber scheint es, als kämen die Zugriffe von einem Rechner des Tor-Netzwerks, welches zwischen dem Anwender und dem Server geschaltet ist. Er kann die Zugriffe nicht auf die IP-Adresse des Tor-Users zurückverfolgen und diesen identifizieren.

Die Studie zeigt jedoch, dass sich Tor-User anhand von Mustern trotz der Anonymisierung leichter identifizieren lassen als angenommen. Die Verfasser der Studie haben dabei die Daten untersucht, die über das Tor-Netzwerk eingehen und mit denjenigen verglichen, die wieder herauskommen. Sie konnten sowohl den eingehenden als auch den ausgehenden Datenverkehr von mindestens einem oder mehreren Tor-Relays überwachen. Mit Hilfe einer statistischen Auswertung der Vergleichsmuster konnten sie auf den Ursprung der Verbindung schließen.

Man muss davon ausgehen, dass Geheimdienste mittlerweile über die entsprechenden Ressourcen verfügen und einen Großteil der über Tor abgewickelten Kommunikation nachzuvollziehen können.

Besondere Gefahr für Nutzer von Bittorrents im Tor-Netzwerk

Vor allem Nutzer von Bittorrents könnten über das Tor-Netzwerk schnell enttarnt werden. So würden vergleichsweise wenige Nutzer Bittorrents über Tor nutzen. Zudem sei die Anzahl von Relays, die Ports für Bittorrents öffnen, gering. Da diese zu lange offen blieben, sinke damit die Dauer einer Identifizierung deutlich. Laut der Studie steigt die Gefahr der Identifizierung für Tor-User auf 95 %  innerhalb von drei Monaten. Ein Szenario, dass die Verfasser im Hinblick auf die Ressourcen der Geheimdienste für realistisch halten.

Begünstigt wird dies zum einen durch die Struktur des Internets, die sich stark auf einzelne Betreiber stützt, zum anderen durch die Verteilung der Tor-Server, die sich weltweit auf wenige Länder konzentrieren.

Tor bleibt vertrauenswürdig

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Tor dennoch für viele Nutzer Vertraulichkeit im Internet bedeutet und man optimistisch ist, dass die Betreiber den Dienst weiterhin anbieten und verbessern könnten.

Kilian Kost ist seit 2009 Rechtsanwalt der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt im Internet- und Wettbewerbsrecht. Seit 2013 ist er zudem Fachanwalt für den gewerblichen Rechtsschutz.

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